Zwischen Neckar und Alb

„Da braucht man eine gute Kuttel“

Heinz Eininger steuert auf seine dritte Amtszeit als Esslinger Landrat zu – Ruhestand mit 68 geplant

Nach 16 Jahren als Esslinger Landrat peilt Heinz Eininger seine dritte Amtszeit an. Bei der Wahl am 14. Juli ist er der einzige Bewerber.

Herr Eininger, Sie treten im Juli zum zweiten Mal zur Wiederwahl an, und wieder will sich Ihnen niemand in den Weg stellen. Was sagt Ihnen das?

EININGER: Ich verstehe das durchaus als Anerkennung meiner Arbeit und als Vertrauensbeweis. Dass ich meine Sache recht gemacht habe.

 

Ihre dritte Amtszeit würde im Sommer 2024 enden. Da hätten Sie mit 68 Jahren die Altersgrenze für Landräte erreicht. Haben Sie vor, so lange durchzuhalten?

EININGER: Man wird immer gewählt für eine Amtszeit, und die versuche ich zu erfüllen. Alles andere liegt nicht in meiner Hand. Da muss die Gesundheit mitspielen, man braucht eine gute Kuttel, wie man auf Schwäbisch sagt. Ich fühle mich fit. Die zurückliegenden Jahre waren für mich sehr befriedigend, und mir macht die Arbeit Freude.

 

Vor acht Jahren wurden Sie mit 90,2 Prozent der Stimmen im Kreistag im Amt bestätigt. Wo begänne es für Sie bei der Wahl im Juli ärgerlich zu werden?

EININGER: Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch keine Gedanken gemacht. Ich werbe um jede Stimme, und ich kann auf eine positive Bilanz verweisen. Am Ende muss man akzeptieren, wie eine geheime Wahl ausgeht.

 

Traumjob Landrat oder haben Sie in den zurückliegenden Jahren auch mal mit dem Gedanken gespielt, sich eine neue Herausforderung zu suchen?

EININGER: Nein, mich hat die Arbeit immer vollständig ausgefüllt. Ich habe mich mit ganzer Kraft und ganzem Herzen eingesetzt. Ich habe eine tolle Verwaltung um mich. Es gab nie einen Grund zu sagen, ich bin dem überdrüssig oder mir ist das zu wenig. Das war nie ein Thema. Viel dazu hat auch beigetragen, dass wir im Kreistag ein sehr respektvolles Miteinander pflegen. Das war für mich immer Antrieb, die Arbeit mit Freude zu machen.

 

Die Unterbringung von Flüchtlingen hat sich zum alles beherrschenden Thema im Kreis entwickelt. Wie sehr hat das Ihren eigenen Arbeitsalltag verändert?

EININGER: Es geht ja nicht nur um die Unterbringung, sondern um das große Thema Integration. Um die schulische Versorgung, die Versorgung mit Sozialleistungen, die Betreuung und vieles mehr. Das hat die Verwaltung und natürlich auch meinen Berufsalltag komplett verändert und uns aufs Äußerste gefordert. Wir hatten innerhalb von drei Jahren für 6 000 Menschen Unterkünfte bereitzustellen. Das entspricht der Einwohnerzahl einer mittelgroßen Gemeinde in unserem Landkreis.

 

Wie wird die Zuwanderung den Landkreis in den kommenden Jahren verändern?

EININGER: Bei der Zuwanderung muss man unterscheiden. Wir haben zum einen das Thema Flüchtlinge und zum anderen den Zuzug in den Arbeitsmarkt, den wir benötigen, um den Fachkräftebedarf in unserer Wirtschaft zu decken. Im Übrigen wächst die Einwohnerzahl unseres Landkreises seit Jahren durch Zuzug.

Bei den Flüchtlingen gibt es für mich drei große Themen, denen wir uns über Jahre widmen müssen: Sprache, Ausbildung und Arbeit, Wohnraum. Wir sind derzeit dabei, auf Kreisebene eine Rahmenkonzeption für Integration zu entwerfen. Sie wird in einem ersten Schritt in Bälde fertig sein. Um sie auszufüllen, brauchen wir vor allem eine gute Zusammenarbeit mit den Kommunen, den Akteuren des Arbeitsmarktes und die Unterstützung durch das Ehrenamt. Was wir im Augenblick an rückläufigen Flüchtlingszahlen sehen, ist für mich nur eine Momentaufnahme. Eines aber ist mir wichtig: Bei der Integration der Flüchtlinge entscheidet sich, ob wir den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land auch in der Zukunft gewährleisten können.

 

Bei vielen Menschen scheint sich diese Erkenntnis noch nicht durchgesetzt zu haben.

EININGER: Man muss mit den Menschen sprechen. Wir müssen das gut vermitteln, die Bürgermeister, die Gemeinderäte und alle politisch Verantwortlichen. Verweigerung an dieser Stelle ist das völlig falsche Signal.

 

Ist Ihnen bei der ganzen Thematik eine Situation besonders eindrücklich in Erinnerung geblieben?

EININGER: Als wir innerhalb nur weniger Stunden in Kirchheim die Kreissporthalle belegen mussten, stand die komplette Altersabteilung der Kirchheimer Feuerwehr sofort parat. Da haben 70-Jährige und Ältere ohne Vorbehalte mit angepackt. Das fand ich beeindruckend. Das steht für mich symbolhaft für vieles, was bei uns im Landkreis an kleinen und größeren Hilfen geleistet wird. Überhaupt hat das Flüchtlingsthema eine beeindruckende Hilfsbereitschaft und großes ehrenamtliches Engagement zutage befördert. Darauf können wir stolz sein und aufbauen.

Würden Sie nach all dem, was Sie heute wissen, sagen, wir schaffen das?

EININGER: Ja, wir schaffen das, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Wir müssen die Integration hinbekommen, sonst bleiben die Menschen dauerhaft auf Sozialleistungen angewiesen. Das wird dann zu Problemen führen. Deshalb gibt es zur Integration der Flüchtlinge keine Alternative.

 

Sie haben für Ihr Krisenmanagement von allen politischen Seiten im Kreistag Lob und Zuspruch erhalten. Wurden auch Fehler begangen?

EININGER: Wo man arbeitet, passieren Fehler. Wir haben häufig schnell handeln müssen, ohne hinreichend informieren zu können. Wir konnten die Leute nicht immer mitnehmen, die vor Ort betroffen sind. Auch wir lernen täglich dazu. Für das, was wir leisten, gibt es keine Blaupause.

 

Sie haben sich in den vergangenen Jahren nicht nur Freunde gemacht. Eine dunkle Stunde war sicher die Schließung des Plochinger Krankenhauses und die Entlassung des damaligen Geschäftsführers der Kreiskliniken. Gibt es etwas, das Sie im Rückblick bereuen?

EININGER: Was letztendlich zählt, ist das Ergebnis. Wir gehören zu den ganz wenigen Klinikträgern, die schwarze Zahlen schreiben. Innerhalb von drei Jahren haben wir die Ergebnisse gedreht. Wir müssen in der Klinikversorgung darauf setzen, dass wir hervorragend wirtschaftlich arbeiten und dass wir qualitativ gut sind. Dies ist uns in schwieriger Zeit gelungen, während um uns herum andere Klinikträger kräftig in den laufenden Betrieb zubuttern müssen. Das zeigt uns, dass es richtig war, konsequent zu konsolidieren und in die Zukunft zu investieren.

 

Wie lange hält dieser Friede?

EININGER: Da sprechen sie natürlich einen Punkt an. Das ist ein sehr volatiles Geschäft. Wir sind darauf angewiesen, dass die bundespolitischen Rahmenbedingungen stimmen und wir für Baumaßnahmen die entsprechenden Förderungen durch das Land bekommen. Wir haben in den vergangenen acht Jahren rund 200  Millionen Euro in unsere Kliniken investiert. Wenn die Rahmenbedingungen verlässlich sind, dann sind wir auch in der Lage, gute Ergebnisse abzuliefern.

 

Schuldenabbau bleibt selbst in wirtschaftlich guten Zeiten ein schwieriges Thema. Wie sehen Sie den Kreis finanziell in den kommenden Jahren aufgestellt?

EININGER: Wir haben im Kreis in den letzten zehn Jahren 70 Millionen Euro Schulden abgebaut. Was in diesen Jahren investiert wurde bei gleichzeitigem Schuldenabbau, das kann sich fürwahr sehen lassen. Wir haben zurzeit den drittniedrigsten Kreisumlagehebesatz aller Landkreise im Regierungsbezirk. Als ich vor 16 Jahren ins Amt gekommen bin, waren wir der Kreisumlage-Krösus. An dem Thema haben Kreistag und Verwaltung mit ganzer Kraft gearbeitet. Der Kreis ist solide aufgestellt.

 

Sie sind Dienstherr von 2 200 Behörden-Mitarbeitern. Wie würden Sie selbst Ihren Führungsstil beschreiben?

EININGER: Ich glaube, dass ich jemand bin, der sehr fordernd ist, aber auch bereit ist, Vorschläge anzunehmen. Ich verlange vollen Einsatz für eine Aufgabe. Wer den zeigt, hat mit mir einen super Chef.

 

Es ist bekannt, dass Sie ein sport- und fußballbegeisterter Mensch sind. Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie vorziehen: den Klassenerhalt des VfB Stuttgart in der Bundesliga oder die Rückkehr des VfL Kirchheim in die Bezirksliga?

EININGER: Der Aufstieg ist dem VfL Kirchheim nach meiner Auffassung nicht mehr zu nehmen, weil die Konkurrenz schwächelt. Der Platz des VfL ist nicht in der Kreisliga und eigentlich auch nicht in der Bezirksliga. So viel Anspruch muss schon sein. Der VfB wird wohl den Weg in die zweite Liga antreten müssen. Das Resetting hilft ihm hoffentlich wieder erfolgreich in die Bundesliga zurückzukommen.

 

Wie scharf ist das eigene Sportprofil?

EININGER: Ich versuche, sonntags früh vor dem Frühstück zu laufen. Wenn ich es dann noch einmal unter der Woche hinbekomme, bin ich schon zufrieden. Im Wald beim Laufen kommen einem die besten Gedanken und Ideen.

 

Sie waren acht Jahre lang Bürgermeister in Kirchheim. Was verbinden Sie heute mit der Stadt, in der Sie leben?

EININGER: Wir sind hier gut integriert, haben viele Bekannte und Freunde. Kirchheim bietet viel Lebensqualität und ist für meine Familie und mich Heimat. Ich versuche aber, alle 44 Städte und Gemeinden im Kreis so zu behandeln, wie es ihnen zukommt.

 

 

 

 

Zur Person

Heinz Eininger ist seit 2000 Landrat des Landkreises Esslingen und Vizepräsident des Landkreistages Baden-Württemberg. Er sitzt zudem im Präsidium des Deutschen Landkreistages. Zuvor war der 59-jährige Verwaltungsjurist mit CDU-Parteibuch Pressesprecher im baden-württembergischen Finanzministerium und ab 1992 acht Jahre lang Bürgermeister in Kirchheim, wo er mit seiner Familie lebt. Eininger ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

 

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