Zwischen Neckar und Alb

Daimler stellt Testbetrieb neben Seen ein

Umwelt Naturschützer fordern es seit Jahren: Daimler soll das Testgelände für Autos in Wernau aufgeben. Jetzt steht der Termin. Ende 2020 ist Schluss. Von Roland Kurz

Naturschützer fordern, dass das Gebiet zum Naturschutzgebiet wird. Foto: pr
Naturschützer fordern, dass das Gebiet zum Naturschutzgebiet wird. Foto: pr

Ende des Jahres wird Daimler seine Teststrecke an den Wernauer Baggerseen einstellen. Das bestätigte eine Konzernsprecherin erstmals offiziell. Gerechnet wurde damit schon länger, weil Daimler das neue Prüf- und Testgelände in Immendingen, Kreis Tuttlingen, in Betrieb genommen hat. Jetzt geht es um die Zukunft des fünf bis sechs Hektar großen Testareals. Wird es dem Naturschutzgebiet zugeschlagen?

„Ein Teil der Testfahrten ist bereits ins Prüf- und Technologiezentrum Immendingen verlagert worden“, teilte Uta Leitner, Sprecherin von Mercedes Lkw, mit. Bis Ende des Jahres lasse man die restlichen Messfahrten mit den Lastwagen auslaufen. Die Messfahrten der Autos auf der Schlechtwetterpiste sind offenbar schon eingestellt worden.

Eine Preisfrage

Besitzer des Areals ist eine Eigentümer-Gesellschaft, die Michael Goebel mit seinen zwei Schwes­tern führt. „Wir sind sehr offen“, sagt der Geschäftsführer des Betonwerks Wernau, das weiter unten am Neckar liegt. Denkbar sei die ganze Bandbreite: von einer weiteren gewerblichen Nutzung bis hin zu einer naturschutzmäßigen Aufwertung. Er und seine Schwestern seien stolz, mit dem 32 Hektar großen Naturschutzgebiet „Wernauer Baggerseen“ bereits ein Kleinod zu besitzen. Es wäre auch toll, wenn das bisherige Testgelände ebenfalls ein Schutzgebiet würde. Allerdings, so betont Goebel: „Wenn wir Flächen dem Gemeinwohl zugute kommen lassen, dann sollte sich das Gemeinwohl das auch etwas kosten lassen.“ Der Preis wird der Knackpunkt in den Gesprächen mit dem Land Baden-Württemberg sein.

Auf dieses Problem hatte Bürgermeister Armin Elbl kürzlich im Gemeinderat auch schon hingewiesen. Er zeigte Verständnis für die Eigentümer. Die hätten schon bei der Ausweisung des Naturschutzgebiets im Jahr 1981 eine Umwidmung ihrer Fläche akzeptieren müssen. Bei der Erweiterungsfläche wolle man die Besitzverhältnisse anders regeln, erklärte Elbl, das Schutzgebiet soll nicht mehr bei der Eigentümergesellschaft bleiben. Nun gehe es um eine „faire Regelung“.

Das Umweltministerium äußerte sich nur vage zum aktuellen Stand: „Wir sind in konstruktiven Gesprächen, aber die Prüfung, was umsetzbar ist, ist noch nicht abgeschlossen“, teilte Ralf Heineken mit, der Leiter der Pressestelle. Beim Wernauer Nabu wartet man schon seit Jahren auf die Schließung der Teststrecke. Er hoffe, dass dann nichts Neues mehr komme, sondern „das Testgelände mit dem kleinen Baggersee dem Naturschutz zugeschlagen wird“, sagt Roland Appl. Der Naturschützer wünscht sich darüber hinaus, dass der Wiesenstreifen zwischen neuer und ehemaliger Bundesstraße sowie das ehemalige Trial-Gelände auf Wendlinger Markung, insgesamt 15 Hektar, ebenfalls ins Naturschutzgebiet einbezogen werden. Zusammen mit den bestehenden Schutzgebieten „Wer­nauer Baggerseen“ und „Neckar­wasen“ stünden dann etwa 60 Hektar unter dem Zeichen Naturschutzgebiet. Einzig der Anglersee soll nicht in das Naturschutzgebiet aufgenommen werden, sagt Appl.

Um auch der Bevölkerung einen Einblick in das Schutzgebiet mit seinen seltenen Vogelarten und Brutgebieten zu ermöglichen, können sich Bürgermeister Elbl und Nabu-Vertreter Appl vorstellen, dass eine Aussichtsplattform oder ein Turm errichtet wird.

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