Zwischen Neckar und Alb

Dankbar, nichts gesehen zu haben

Anschlag Eigentlich wollte er nur entspannen, doch dann kam alles anders: Robin Renn aus dem Kreis Göppingen erlebte das Attentat in Barcelona bei einer Jugendreise. Von Linda Kircheis

Fassungslosigkeit nach dem Terrorakt: Auch aus der Region waren einige zur Zeit des Anschlags in Barcelona unterwegs.Foto: AFP/L
Fassungslosigkeit nach dem Terrorakt: Auch aus der Region waren einige zur Zeit des Anschlags in Barcelona unterwegs.Foto: AFP/Lluis Gene

Eine Katamaran-Fahrt, ein bisschen Party, Urlaub und Sonne - so hatte sich der 17-jährige Robin Renn seinen Aufenthalt in Lloret de Mar in Spanien vorgestellt. Dann kam das Angebot seiner Reiseagentur, mit dem Bus für einen Tag in das nicht weit entfernte Barcelona zu fahren. Er und zwei Freunde der insgesamt zehnköpfigen Urlaubsgruppe dachten: „Warum nicht?“ Keiner hatte ahnen können, dass an diesem Tag eine Terrorgruppe geplant hatte, mit einem Van in eine Menschengruppe zu fahren.

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„Wir sind um 13 Uhr in Barcelona angekommen und dann erstmal etwas essen gegangen“, erzählt Robin. „Danach sind wir in einen Adidas-Laden rein. Auf einmal haben wir draußen Panik ausbrechen sehen, und Krankenwagen und Polizeiautos sind überall gefahren.“ Auf die Frage, was denn los sei, hat eine Touristin auf deutsch geantwortet: „Weiß ich auch nicht genau, aber so ähnlich wie auf dem Weihnachtsmarkt damals.“ Danach mussten alle den Laden verlassen und Zuflucht suchen.

Panik brach immer wieder aus

Alle rannten sofort links an der Straße entlang. Deshalb hielten sich Robin und seine Freunde lieber rechts. „Ich dachte halt, wenn da ein Auto von hinten in die Menge fährt, gehen wir lieber mal da, wo nicht so viele Menschen sind“, sagt er. Da sie die blutigen Geschehnisse nicht mit eigenen Augen sehen wollten, bogen die drei Jugendlichen in eine Querstraße ab.

Auf einmal brach erneut Panik aus. Alle Menschen begannen zu rennen. „Dann sind wir auch gerannt und etwa hundert Meter weiter in einen Wohnkomplex rein“, erzählt Robin. Aber auch von dort sollten sie eine Viertelstunde später zurück auf die Straße. „Gerade, als wir fast draußen waren, ist dann die nächste Panikwelle ausgebrochen, und wir durften doch alle drinnen bleiben.“ Zum Glück: In der Zeit, in der die drei und andere Zufluchtsuchenden in dem Gebäude waren, brach noch zweimal Panik auf den Straßen aus. „Bis um 12 Uhr nachts haben wir im Treppenhaus gewartet“, erinnert sich Robin. „Einer von uns musste sich übergeben, und wir hatten kein Wasser dabei. Wir hatten Angst, dass sein Kreislauf zusammenbricht.“

Während die Jugendlichen warteten, hatten sich einige Freunde aus Deutschland bei ihnen gemeldet, Bilder geschickt und Informationen über den Anschlag mitgeteilt. Auch mit seinem Vater hat Robin immer wieder telefoniert und ihm mitgeteilt, dass es ihnen gut geht. „Meine Mutter war zur Zeit, als der Anschlag war, zum Glück schwimmen“, meint er.

Nach Mitternacht stand dann endlich ein Bus der Reiseagentur bereit. Robin und seine Freunde bekamen mitgeteilt, wo der neue Treffpunkt sei. „Schiss hatten wir auf jeden Fall. Es war auch unklar, ob Geiseln genommen worden waren, und wir wollten auf keinen Fall direkt am Geschehen vorbeigehen.“ Die drei kamen glücklicherweise heil am Bus an, ohne die Unglücksstelle sehen zu müssen.

Allerdings war die Gruppe, die im Bus morgens in Barcelona angekommen war, noch nicht vollzählig. Der Fahrer beschloss, die Jugendlichen nach Lloret zu fahren, die im Bus saßen. Um drei Uhr nachts kamen sie an. Auch dort herrschte eine gespenstische Atmosphäre: Alles war abgesperrt, Betonpfeiler waren aufgestellt und Essbuden hatten geschlossen.

„Zwei Nächte waren wir noch in Spanien. Ein bisschen unwohl haben wir uns schon gefühlt“, erzählt Robin. „Wir hätten zwar zu Seelsorgern gehen können, die die Reiseagentur gestellt hat, aber wir haben lieber andere vorgelassen. Eine Gruppe Mädchen ist ja direkt vor dem Van weggerannt, die haben das mehr gebraucht als wir.“

Zu Hause hat Robin keine Bedenken. In Göppingen kann er ohne Angst in Menschenmassen laufen. „Ich bin sehr dankbar, dass wir nichts gesehen haben.“