Zwischen Neckar und Alb

Das geistliche Wort

Gestern bekamen die meisten Schülerinnen und Schüler ihre Zeugnishefte überreicht. Die „Halbjahresinformation“ war fällig. Sie gibt Auskunft über den Leistungsstand des Kindes zur Mitte des Schuljahres. Nicht in allen Familien wird es beim Lesen der Beurteilungen an diesem Wochenende zufriedene Gesichter geben. Manche Kinder erleben es - leider! - so, dass sich an ihren Zensuren auch das Maß der Anerkennung und des Vertrauens entscheidet, das ihnen von den Eltern zuteil wird.

Vor allem leistungsstarke, gewissenhafte Menschen orientieren sich gerne am nachweislichen Erfolg. Ihre Zufriedenheit speist sich zum großen Teil aus der positiven Bilanz erbrachter Leistungen. Umgekehrt gehen sie mit sich und anderen hart ins Gericht, wenn ihre Erwartungen enttäuscht werden oder wenn sich ihr Kind anders entwickelt als gedacht.

Da ist der Blick auf das „Zeugnis“ heilsam, das die Bibel weitergibt. Hier geht es natürlich nicht um die Versetzung in die nächsthöhere Schulklasse, sondern die Bibel erzählt davon, wie Menschen in die Beziehung zu Gott versetzt werden. Und wie sie sich dabei als wertvoll und geliebt erleben. So sagt Jesus: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe.“ (Joh. 13,34). Wer diese zuvorkommende Liebe Gottes einmal empfunden hat, geht mit neuem Vertrauen weiter, auch im Umgang mit seinen Mitmenschen.

Wie gut, wenn daraus etwa Verständnis für eine schulische Schwäche entsteht. Verständnis heißt ja nicht Einverständnis. Das liebende Verstehen bietet den besseren Ausgangspunkt für ein Gespräch, als nur zu strafen und das eh schon geknickte Kind damit womöglich noch abzuwerten.

Die Halbjahresinformationen in der Schule gab es gestern, heute wandern sie durch die Hände der Eltern, am Montag werden die Zeugnishefte wieder abgegeben und verschwinden in den Schulschränken. Dagegen liegt das Zeugnis von Gottes Liebe jederzeit offen zutage. In Gestalt der Bibel, der Tageslosung, der Radioandacht . . . und auch morgen, am Sonntag. Der Gottesdienst bietet den Raum, mit Gott in Beziehung zu kommen.

Matthias Hennig

Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Weilheim

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