Zwischen Neckar und Alb

Das gelbe Gold

Müll Die Probleme beim Nachschub mit gelben Säcken werden zum Dauerärgernis – nicht nur für brave Bürger, die ihren Abfall sauber trennen. Von Bernd Köble

Gelber Sack
Gelber Sack

Zeiten des Mangels verbinden die Menschen. Man muss keiner Kriegsgeneration angehören, um diese Erfahrung zu machen. Es reicht, wenn man sich als braver Bürger der Mülltrennung verschrieben hat. Glücklich, wer wohlgesonnene Nachbarn hat, heißt es da mitunter. Wer teilt, wird reicher, das lehrt schon die christlich-abendländische Kultur. Wären da nicht die Makrele in Öl und der Halbfettjoghurt mit Himbeergeschmack, dessen Verpackung man nach Verzehr gerne zügig loswerden würde.

Nicht immer einfach. Die gelben Säcke, über die Leichtverpackungen aus Plastik und Aluminiumblech den Weg zurück in den Rohstoffkreislauf finden sollen, sind häufig nicht zur Hand, wenn man sie braucht. Vergriffen, hieß es bis vergangene Woche an den meisten Stellen, wo die Tütenrollen normalerweise zu bekommen sind: in den Bürgerämtern der Rathäuser oder auf Recyclinghöfen.

Kein Einzelfall, eher ein wiederkehrendes Problem, wie Steffen Stelzer, zuständiger Mann an der Poststelle im Kirchheimer Rathaus, versichert. „Dass wir wochenlang ohne sind, ist keine Seltenheit“, sagt Stelzer. Im Moment kann er sich glücklich schätzen. Sechs Kartons mit je 45 Rollen sind angekommen - nach zweimonatigem Engpass.

Für Manfred Kopp, den Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebes im Kreis Esslingen, ein „Dauerärgernis“, wie er sagt. Nicht nur, weil viele Beschwerden genervter Bürger bei ihm im Haus landen. Er ist für das Problem gar nicht zuständig. Die Abfuhr und Verwertung von Leichtverpackungen ist der einzige Schienenstrang, auf dem nicht die Öffentlich-Rechtlichen, sondern Privatentsorger unterwegs sind. Auftraggeber ist das Duale System Deutschland, Auftragnehmer die Remondis GmbH & Co. KG, die auch für die Verteilung der gelben Säcke zuständig ist.

In der Regionalniederlassung in Reichenbach, die die Landkreise Esslingen und Göppingen eintütet, will man sich zu dem Problem nicht äußern, verweist stattdessen auf den Stammsitz des Unternehmens im westfälischen Lünen. Dort räumt man Probleme mit dem Nachschub ein. Nicht nur vergangenen November, als man mit der üblichen Grundverteilung beginnen wollte, sondern immer wieder. Ursache für die Schwierigkeiten im Winter, klärt Unternehmenssprecher Michael Schneider auf, „war eine Kombination aus verschiedenen Faktoren.“ Anfang Januar habe sich die Verteilung witterungsbedingt verzögert, dann seien Lieferschwierigkeiten des Herstellers hinzugekommen. Der sitzt in China und wechselt anscheinend häufiger. „Es kommt immer wieder vor, dass die Qualität nicht stimmt und das Material reißt“, sagt Schneider.

Ein anderer Grund für die Verknappung: Die Plastiksäcke werden häufig zweckentfremdet. Als Abdeckmaterial, Regenschutz oder für sonstigen Müll. Die Fantasie kennt keine Grenzen, schließlich sind die Dinger kostenlos. Normalerweise erhält jeder Haushalt einmal im Jahr eine Grundausstattung mit 26 Säcken frei Haus geliefert. „Bei zweiwöchiger Abfuhr sollte das eigentlich reichen“, meint Michael Schneider. Die leidige Verknappung am Ende ein Mentalitätsproblem der Schwaben? Ein Nord-Süd-Gefälle beim Verbrauch will Schneider jedenfalls nicht bestätigen - immerhin.

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