Zwischen Neckar und Alb

Das Kletter-Eldorado wird gesichert

Arbeiten sollen Zugang zum Wielandstein wieder ermöglichen – Kostenpunkt: 33 000 Euro

Kletterer und Wanderer sollen „ihren“ Wielandstein zurückbekommen. Geplant ist die Sicherung der Ruine. Bei einem Felssturz im Januar waren 300 Kubikmeter Gestein in die Tiefe gedonnert. Seitdem ist das Gelände weiträumig abgesperrt.

Im März hatte Achilles Häring mit einem Team den Wielandstein auf Risiken abgeklopft. Ausgehend davon hat der Bauingenieur ein G
Im März hatte Achilles Häring mit einem Team den Wielandstein auf Risiken abgeklopft. Ausgehend davon hat der Bauingenieur ein Gutachten erstellt, das minimale Eingriffe vorsieht.Foto: Dieter Ruoff

Lenningen. Vorgesehen ist, loses Material vorsichtig abzuräumen beziehungsweise abzutragen. Felsnägel von vier bis fünf Metern Länge sollen größere Blöcke, die irgendwann abzurutschen drohen, dauerhaft halten. „Diese Variante bedeutet einen geringen Eingriff, und wir bekommen das beste Verhältnis von Aufwand und Nutzen“, erklärte Achilles Häring im Gemeinderat. Der Bauingenieur der Esslinger Ingenieurgesellschaft Dr. Spang hatte im März den Klettergurt angelegt, den Wielandstein vermessen und die Risiken bewertet.

Für Steinschlag bleibe zwar ein Restrisiko. Durch eine regelmäßige Kontrolle halte es sich aber in Grenzen. Eine zusätzliche Schürze aus Stahldrahtgeflecht hielt er vorerst für verzichtbar. „Für Schutzzäune und -wälle fehlt der Platz.“ Der Experte riet auch davon ab, den Wielandstein mit einem Netz zu überziehen. Diese Variante würde mit 127 000 Euro zu Buche schlagen. Klettern wäre damit aber unmöglich und das eigentlich schützenswerte Massiv versteckt. Mit der Entscheidung für den günstigsten von drei Vorschlägen sprach sich der Lenninger Gemeinderat bei einer Enthaltung von Kurt Hiller auch für die naturverträglichste Lösung aus. Die Ausgaben dafür belaufen sich voraussichtlich auf 33 000 Euro, Honorarkosten nicht inbegriffen.

„Wir haben keine Vorgaben gemacht, hätten aber gerne das erlebbare Wahrzeichen von Oberlenningen erhalten“, betonte Bürgermeister Michael Schlecht. „Auch das Klettern wollten wir nicht zwingend ad absurdum führen.“ Allen Unkenrufen zum Trotz: Mit der jetzt beschlossenen Variante wird das Kraxeln an dem Felsen tatsächlich wieder ermöglicht. Ungesichert und deshalb weiter tabu bleibt aber die Nordflanke, an der sich der Abbruch Mitte Januar ereignet hatte. Die Gesteinsmenge, die eine 25 Meter breite Schneise in den Wald geschlagen hatte, schätzt Häring auf 300 Kubikmeter. „Wo der Abgang war, gibt es immer noch größere Risiken“, so der Fachmann. „Wann hier wieder etwas abrutscht, kann man nicht sagen.“

Auffällig sind Häring zufolge die unregelmäßigen, teils großen Klüfte, die den Kalkstein sowohl im Innenbereich der Ruine als auch an den Außenwänden durchziehen. „Der Druck von Wurzeln und Eis vergrößert sie.“ Auch der vor längerer Zeit in den Innenhof gestürzte „Hinkelstein“ sei durch Wurzeln abgetrennt worden. Deshalb sollen die Bäume auf den Stock gesetzt werden. Weil auf der Südseite im Bereich der Holzbrücke ein 5,5 Meter großer Block größtenteils abgetrennt vom Hauptmassiv sitzt, wird der Steg während der Sicherungsarbeiten abgebaut, um das zerklüftete Gestein abtragen zu können. Auch zur Grillstelle hin muss etwas getan werden, poltern doch dort öfter Brocken zu Boden.

„Unser Vorschlag entspricht dem Gutachten, da er das richtige Maß an Sicherheit gewährleistet“, sagte Michael Schlecht. „An den Felsen des Albtraufs gibt es immer ein Restrisiko, sonst können wir die Landschaft zumachen.“ Die große Mehrheit des Gemeinderats sah das ebenso. Auf Nachfrage von Karl Boßler erklärte Häring, er gehe nicht davon aus, dass der Wielandstein in den nächsten 100 Jahren zusammenfällt. Das von Georg Zwingmann angesprochene Risiko, dass der Kostenrahmen eventuell gesprengt werde, redete Häring nicht klein. Die Gefahr bestehe, man müsse deshalb genau kontrollieren, was die Baufirma mache. „Wie stellt sich der Naturschutz zu der Säuberung?“, wollte Dr. Ulrich Jaudas hinsichtlich der geplanten Rodung der Bäume wissen. Obwohl das Gebiet um den Wielandstein mehrfach unter Schutz steht, sah Häring darin kein Problem: „Man kann mit dem Naturschutz diskutieren und zeigen, wir machen lediglich das Minimum.“ Dass die Gemeinde in der Verantwortung steht , verdeutlichte er Kurt Hiller, der in den Raum gestellt hatte, ein Hinweisschild würde reichen.

Wie Schlecht auf Anfrage von Falk Kazmaier betonte, bleiben die Wege unterhalb des Wielandsteins einschließlich der Schafsteige vorerst gesperrt. Jetzt gehe es an die Planung und darum, sich so schnell wie möglich mit den Behörden abzustimmen. Dann befasst sich der Gemeinderat erneut mit der Sache.

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