Zwischen Neckar und Alb

Das lange Warten hat sich gelohnt

Mit der Unterführung unter der Neckartalbahn wird der Bahnübergang Schützenstraße bald Geschichte

Sogar Verkehrsminister Winfried Hermann kam nach Wendlingen, um das 15-Millionen-Euro-Bauprojekt endgültig mit auf den Weg zu bringen.

Auftakt für eine Baumaßnahme: Auf dem Bild von links Stefan Schröther, Niederlassungsleiter der Baufirma Wolff und Müller, Wendl
Auftakt für eine Baumaßnahme: Auf dem Bild von links Stefan Schröther, Niederlassungsleiter der Baufirma Wolff und Müller, Wendlingens Stadtbaumeister Axel Girod, Bürgermeister Steffen Weigel, Verkehrsminister Winfried Hermann, Regierungspräsident Wolfgang Reimer, Manfred Leger, Geschäftsführer der DB-Projekt Stuttgart-Ulm, und Landrat Heinz Eininger beim symbolischen Spatenstich. Foto: Jürgen Holzwarth

Wendlingen. Als kompliziert bezeichnete Wendlingens Bürgermeister Steffen Weigel das Bauprojekt, das seit 1981 geplant wird und nun mit einem symbolischen Spatenstich endlich begonnen wurde. Wa­rum sich das Bauprojekt so verzögert hat? „Durch veränderte Planungen der Deutschen Bahn hat sich diese Infrastrukturmaßnahme mehrfach verschoben“, sagte Weigel. Der Bau der ICE-Strecke sei „schuld“ daran, dass sie nun doch schnell realisiert werde. Er strich die Vorteile dieses für Wendlingen so wichtigen Projektes heraus, die am Ende vor allem darin liegen, dass durch die Verlegung der Landesstraße 1250 und die Beseitigung des Bahnübergangs Schützenstraße der Durchgangsverkehr in der Nürtinger Straße in Unterboihingen und in der Schützenstraße wesentlich verringert werde. Neue Radwege und ein kleines Gewerbegebiet nannte Weigel als weitere positive Begleiterscheinungen.

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16,5 Millionen Euro würden in dieses eine Bauprojekt gesteckt, die Deutsche Bahn, der Bund und die Stadt Wendlingen seien eigentlich zu je einem Drittel an den Kosten beteiligt. Wegen eines Zuschusses von 75  Prozent durch das Land Baden-Württemberg, für den sich, so Weigel, auch der Landtagsabgeordnete Andreas Schwarz (Grüne) eingesetzt habe, verblieben bei der Stadt noch 1,5 Millionen Euro. 2019 sollen laut Bürgermeister die Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Verkehrsminister Winfried Hermann hatte es sich nicht nehmen lassen, für dieses große Bauprojekt selbst nach Wendlingen zu kommen. „Ich bin froh, dass ich nicht schon 30  Jahre Verkehrsminister bin, denn dann wäre ich schuld, dass es so lange gedauert hat. So kann ich sagen, andere haben es verbockt“, scherzte er, befand aber, dass die Verlegung der L 1250 und die Bahnunterführung für die Bürger eine gute Lösung seien. Und das lange Warten habe sich gelohnt.

Hart sei natürlich die Sperrung zwischen Oberboihingen und Wendlingen, die ein halbes Jahr andauern werde. „Man könnte ja versuchen, sechs Monate ohne Auto zurechtzukommen“, ulkte der bekennende Radfahrer Hermann, der dann für das Mobilitätskonzept der grün-schwarzen Landesregierung warb, das klimafreundlich und schadstoffarm sein soll. Viel Geld werde aber auch in die Sanierung der Straßen gesteckt, wofür sich die finanziellen Mittel in den letzten Jahren verdoppelt hätten.

Ebenfalls zum Spatenstich gekommen war Manfred Leger, Geschäftsführer der DB-Projekt Stuttgart–Ulm. Er machte deutlich, dass das Bahnprojekt Stuttgart – Ulm nicht nur den Bau eines Bahnhofes oder den Bau von Tunneln beinhalte, sondern eben auch den Bau einer Bahnunterführung und die Verlegung der Landesstraße, ohne die die Güterzuganbindung nicht in Betrieb genommen werden könne: „Der Spatenstich ist also eine wichtige Maßnahme für die Wendlinger Bürger, aber auch für das Projekt der Neubaustrecke.“

Leger gab einen Vorgeschmack darauf, was in den kommenden Wochen und Monaten auf dem eigentlichen Baufeld der Neubaustrecke parallel zu den Bauarbeiten in Wendlingen alles passieren wird. So werde bis Ende des Jahres der Aufbau der beiden 120 Meter langen Tunnelvortriebsmaschinen erfolgen. Zudem habe die Deutsche Bahn beschlossen, am Tunnelportal ein Infozentrum einzurichten.

Für den neuen Regierungspräsidenten Wolfgang Reimer war es der erste Spatenstich seiner Amtszeit. Und wie das so ist, wenn man als letzter Redner an die Reihe kommt, hatten die Vorredner schon alles gesagt. Doch Reimer fand den Dreh, warb bei den Wendlingern für Verständnis für die kommenden Großprojekte, die ja auch eine Belastung für die Bürger darstellten. „Mit der Weiterentwicklung des Landes muss auch die Infrastruktur weiterentwickelt werden“, gab er zu verstehen, dass man auch in Zukunft wohl immer mit Baustellen rechnen müsse.

Das lange Warten hat sich gelohnt
Das lange Warten hat sich gelohnt