Zwischen Neckar und Alb

Das Nürtinger Hölderlinhaus wird modernisiert

Sanierung Gemeinderat spricht sich mit großer Mehrheit für eine Aufstockung des Gebäudes aus.

Nürtingen. Das Hölderlinhaus am Nürtinger Schlossberg wird entkernt, die äußere Hülle bleibt bestehen, das Dach wird aufgestockt: Das sind die Merkmale des Siegerentwurfs aus dem Wettbewerb zur Sanierung der Stätte, in der Nürtingens großer Dichtersohn Friedrich Hölderlin aufwuchs. Der Gemeinderat stimmte dem Konzept mit großer Mehrheit zu.

Mit der Entscheidung zog der Gemeinderat einen vorläufigen Schlussstrich unter jahrelange Diskussionen. Ein Neubau, der zur Debatte stand, wurde 2010 nach vehementen Protesten aus der Bevölkerung verworfen. Im Laufe der weiteren Überlegungen kam die Aufstockung des Dachgeschosses ins Spiel, um die Volkshochschule unter einem Dach zu vereinen. Nicht nur dagegen wehrte sich der Hölderlin-Verein Nürtingen. Ihm war daran gelegen, auch das Innere des Gebäudes möglichst originalgetreu zu erhalten, wie die Vereinsvorsitzende Ingrid Dolde in einer Mitteilung vor der Sitzung nochmals betonte.

Zwischenzeitlich wurde das Projekt auf Eis gelegt, weil der Nürtinger Haushalt in Schieflage geraten war. Beim jetzigen Entwurf rechnet Eckart Krüger, Geschäftsführer des Eigenbetriebs Gebäudewirtschaft Nürtingen (GWN), mit Gesamtkosten von rund fünf Millionen Euro. Darin nicht enthalten sind Kosten für eine noch zu konzipierende Dauerausstellung zu Hölderlin und für die Außenanlagen. Vor eineinhalb Jahren wurde das Projekt im Zuge eines Wettbewerbs wieder aufgenommen. Arbeitsgemeinschaften aus Architekten und Tragwerkplanern reichten Arbeiten ein. Am Rande waren auch Entwurfsvorschläge im Zusammenhang mit den ebenfalls sanierungsbedürftigen Gebäuden der Schlossbergschule und der Musikschule in unmittelbarer Nachbarschaft zu berücksichtigen. Diese städtebauliche Konzeption war eine der Voraussetzungen für Zuschüsse. Diese wurden jüngst bewilligt, allein für das Hölderlinhaus rund 2,7 Millionen Euro.

Professor Dr. Jörg Aldinger vom gleichnamigen Büro des Wettbewerbssiegers hatte bereits im GWN-Ausschuss vor vier Wochen darauf hingewiesen, dass nur noch Fassadenteile aus Hölderlins Zeit vorhanden seien und das Haus deshalb nicht unter Denkmalschutz stehe. Sein Entwurf sieht eine Haus-in-Haus-Lösung vor, das Innere des Gebäudes soll weitgehend durch eine moderne Holzkonstruktion ersetzt und gleichzeitig die Gebäudehülle erhalten werden.

Arnulf Dümmel (Liberale-Aktive Bürger-FWV) sieht den Entwurf geeignet, um die Volkshochschule (vhs) zu zentralisieren und gleichzeitig ein Gedenken an Hölderlin zu ermöglichen. Matthias Hiller (CDU) begrüßt die Verbindung dreier historischer Gebäude. Achim Maier (Freie Wähler) sieht einen „guten Kompromiss zwischen Historie und Moderne. Auch könne das Raumprogramm der Volkshochschule untergebracht werden. Michael Medla (SPD) hob ebenfalls die Stärkung der Bildungslandschaft hervor. Die Vertreter der Fraktion NT 14 beantragten eine Vertagung, weil zahlreiche schriftliche Anfragen unbeantwortet geblieben seien. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit abgelehnt und die weitere Planung auf der Grundlage des Siegerentwurfs beschlossen.Uwe Gottwald

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