Zwischen Neckar und Alb

Das Prestigeprojekt macht vor allem Ärger

Verschmutzung Nach jahrelangem Kampf um den sogenannten „Peoplemover“ bleibt er nun meistens ungenutzt.

Wer den Peoplemover nutzt, sollte lieber 30 Sekunden lang die Luft anhalten. Viele nehmen stattdessen die Treppe. Foto: Bulgrin
Wer den Peoplemover nutzt, sollte lieber 30 Sekunden lang die Luft anhalten. Viele nehmen stattdessen die Treppe. Foto: Bulgrin

Altbach. Der besondere Lift, der den Parkplatz vor dem Altbacher Bahnhof mit dem S-Bahnsteig verbindet, war, ist und bleibt wohl ewig ein Kampf. 1,2 Millionen Euro hat der Peoplemover vor rund zehn Jahren gekostet. Nun bleibt er meist stehen. Wer seinen Kopf reinhält, wenn sich die Türen öffnen, weiß auch warum: Es riecht unangenehm nach Urin, und die Kabine ist unappetitlich verdreckt.

„Es tut in meiner Seele weh“, sagt Annegret Merz. Sie muss den Peoplemover wegen ihres schweren E-Bikes nutzen, mit dem sie hin und wieder in den Zug steigt. „Im Moment muss ich die Luft anhalten“, sagt die 70-Jährige. Viele andere gehen lieber treppab und wieder treppauf. Für Eltern mit Kinderwagen oder Gehbehinderte, für die die teure Apparatur errichtet wurde, ist das nicht immer möglich. „Ich finde das unverschämt“, regt sich Merz auf und fordert, dass etwas getan wird.

Bei der Deutschen Bahn ist das Problem bekannt. Offensichtlich werde die lange Kabinenfahrt dafür genutzt, seine Notdurft zu verrichten, teilt ein Sprecher mit. Ihm zufolge ist der Eindruck der Altbacher, die Kabine würde nicht gereinigt, aber falsch. Die Bahn lasse den Peoplemover öfter reinigen, als es in Bahnhöfen vergleichbarer Größe nötig sei - wie oft das durchschnittlich ist, will das Unternehmen nicht äußern. Man habe für Altbach quasi keinen festgelegten Turnus mehr, sondern reagiere dann, wenn bei Kontrollen Verunreinigungen festgestellt würden, sagt der Sprecher.

„Wir als Deutsche Bahn würden uns wünschen, dass alle ein einheitliches Verständnis darüber hätten, wie wir uns in öffentlichen Einrichtungen und Anlagen verhalten“, sagt der Sprecher. Die Verunreinigung sei so stark, dass nur bedingte Reinigungseffekte zu erzielen seien. „Das geht in die Richtung Sisyphos-Arbeit“, so der Bahnsprecher.

Altbachs Bürgermeister Wolfgang Benignus ärgert die Situation sichtlich. Er hatte der Bahn schon vorgeschlagen, in der Kabine Kameras zu installieren, um die Täter zu identifizieren - er vermutet, dass nicht 20 verschiedene Leute an so einem Ort regelmäßig ihre Notdurft verrichten. Das geht laut Konzern aber aus Datenschutzgründen nicht. Der Rathauschef hält auch die Reinigungspraktik für fragwürdig: Wenn die Leute irgendwann resignieren und sich nicht mehr beschweren würden, passiere gar nichts mehr. Man brauche eine regelmäßige Grundreinigung.

Der Bürgermeister selbst hatte kurz nach Amtsantritt 2002 den Peoplemover als Idee aus dem Hut gezaubert, als es um die Verhandlungen für einen behindertengerechten Ausbau der S-Bahnsteige ging. Ursprünglich war ein Aufzug von der Brücke nach Deizisau im Gespräch gewesen, erinnert sich Benignus. Er habe aber gesagt, es wäre absoluter Blödsinn, die Kunden aus Altbach hinaus und auf die Brücke hochzujagen.

Es dauerte mehr als vier Jahre, bis der „Leutelupfer“ stand. Seit Inbetriebnahme hat es immer wieder technische Schwierigkeiten gegeben. Auch das aktuelle Problem ist nichts Neues. „Die Sauberkeit war ein Ärgernis von Anfang an“, resümiert Benignus mehr als zehn Jahre nach der ersten Fahrt. Die Bahn bietet ihm nun das Gespräch an, um eine Lösung zu finden. Greta Gamberg

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