Zwischen Neckar und Alb

Das Stromnetz hat die „E-Mobility-Allee“ locker verkraftet

Feldversuch 18 Monate lang wurden E-Autos in Ostfildern getestet. Nun ziehen die Teilnehmer ein positives Fazit.

Baubürgermeisterin Monika Bader, Umweltminister Franz Untersteller und Martin Konermann, technischer Geschäftsführer der Netze B
Baubürgermeisterin Monika Bader, Umweltminister Franz Untersteller und Martin Konermann, technischer Geschäftsführer der Netze BW, sind zufrieden mit den Ergebnis des Pilotprojekts.Foto: Dannath

Ostfildern. Die Sicherung ist nirgends durchgebrannt, als die Ruiter Belchenstraße 18 Monate lang die „E-Mobility-Allee“ der EnBW-Tochter Netze BW war. Dort hat der Energieversorger seit Mai 2018 getestet, ob das Stromnetz stabil bleibt, wenn die Zahl der E-Autos schlagartig steigt. Zehn Haushalte, der von Ein- und Zweifamilienhäusern geprägten Anliegerstraße in Ruit haben an dem Feldversuch teilgenommen. Netze BW stellte ihnen kostenlos verschiedene Modelle mit Elektroantrieb zur Verfügung, installierte die Ladeboxen unentgeltlich und lieferte den Ladestrom umsonst. Im Schnitt sind die Tester monatlich zusammen 1200 Kilometer gefahren. „Wir ziehen ein absolut positives Fazit“, sagte E-Pionier Norbert Frank, der mit seiner vierköpfigen Familie einen VW E-Golf als Zweitwagen getestet hat. „Anfangs haben wir täglich geladen, dann aber Vertrauen in die Technologie und in das eigene Alltagsmanagement bekommen. Dann war klar, der Tank reicht für die 50 Kilometer zur Arbeit und wieder zurück und um dann noch die Kinder vom Sport abholen.“

Wichtigste Erkenntnis für den Energieversorger war, dass das Netz trotz Mehrbelastung stabil bleibt. „Unser Stromnetz ist dafür ausgelegt, dass maximal ein E-Herd mit vier Kilowatt oder eine Saunaheizung mit fünf Kilowatt dranhängt“, erklärte Martin Konermann, der technische Geschäftsführer der Netze BW. Ein E-Auto zieht mit 22 Kilowatt aber ein Vielfaches an Strom - und das hat in der Belchenstraße funktioniert, ohne dass die Sicherungen rausgeflogen sind. Selbst bei einem Stresstest, als alle Autos gleichzeitig geladen wurden, war das Netz zwar mit 80 Prozent belastet, hielt aber stand.

Auch auf das Ladeverhalten der Nutzer legte die Netze BW ein besonderes Augenmerk. „Die meisten E-Pioniere haben zwischen 19 und 21 Uhr geladen“, berichtete der stellvertretende Projektleiter Levin Ratajczak. Das Ladeverhalten variiert je nach Jahreszeit - im Winter, wenn die Autoheizung zusätzlich Strom zieht, wird mehr geladen. Im Alltag war die Netzbelastung weniger hoch als befürchtet, mehr als fünf Fahrzeuge wurden nie gleichzeitig geladen. „Insgesamt fanden in 73 Prozent der Testzeit keine Ladungen statt“, sagte Ratajczak. Im Schnitt wurden die E-Autos drei Mal in der Woche geladen.

Ein weiterer Versuch galt einem externen Lademanagement des Anbieters. Auch hier machte die Netze BW gute Erfahrungen. Die Tester wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, deren Ladeverhalten per App gesteuert wurde. „Das wäre ein zusätzliches Werkzeug, um die Lastspitzen zu kompensieren“, erklärte Ratajczak. Fazit: Das Stromnetz verkraftet die E-Mobilität. Auch für die Stadt Ostfildern eine wichtige Erkenntnis: „Wir waren bisher auf öffentliche Ladestationen fokussiert, aber auch das private Laden ist wichtig. Schließlich steht das Auto nirgends so lange herum wie vor der eigenen Haustür“, sagte Baubürgermeisterin Monika Bader.

Die Netze BW bleibt an dem Projekt, das über die Grenzen Europas hinaus für Aufmerksamkeit sorgt, dran. Als nächstes Testobjekt dient ein großes Mehrfamilienhaus in Tamm im Kreis Ludwigsburg, weitere Versuche in einer ländlichen Region sollen folgen. Kerstin Dannath

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