Zwischen Neckar und Alb

„Das System muss reagieren“

Diskussion Beim SPD-Kreisparteitag in der Plochinger Stadthalle stand die Gesundheitspolitik im Mittelpunkt. Die Experten plädieren für mehr Medizinstudienplätze und bessere Arbeitsbedingungen. Von Katja Eisenhardt

Anja Dietze, Michael Beck, Johannes Bauernfeind und Rainer Hinderer (von links) diskutieren darüber, was sich in der Gesundheits
Anja Dietze, Michael Beck, Johannes Bauernfeind und Rainer Hinderer (von links) diskutieren darüber, was sich in der Gesundheitspolitik verändern muss.Foto: Katja Eisenhardt

Wird es in 15 Jahren noch flächendeckend Hausärzte geben? Wie sieht es mit der bezahlbaren Pflege der Eltern aus? Wo werden Kinder geboren, wenn sich die Krankenhauslandschaft weiter verändert? Mit diesen Fragen hat der SPD-Kreisvorsitzende Michael Beck die Diskussionsrunde des Kreisparteitags in der Plochinger Stadthalle eröffnet. Die Gesundheitspolitik sei auf der Tagesordnung gelandet, da das ein Thema sei, das jeden Einzelnen betreffe. „Insbesondere mit Blick auf den demografischen Wandel werden auf Deutschland viele Herausforderungen zukommen.“ Die SPD setze sich für ein gutes und bezahlbares Gesundheitswesen für alle ein, sagte Michael Beck.

Über Probleme und Herausforderungen sprachen Anja Dietze, Lehrbeauftragte für Gesundheitspolitik an der DHBW Stuttgart und Sprecherin des Klinikums Esslingen, Rainer Hinderer, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion und Johannes Bauernfeind, Geschäftsführer der AOK Neckar-Fils.

Lange Wartezeiten auf einen Termin beim Facharzt, überfüllte Notaufnahmen, zu wenig Pflegekräfte - all das zählt laut Anja Dietze zu der aktuellen Herausforderung. Dazu kämen der demografische Wandel, neue kostenintensive Techniken in der Medizin, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und der steigende Verwaltungsaufwand im Arbeitsleben. Kurzum: „Das System muss reagieren: Zum einen, was die steigenden Kosten angeht, zum anderen was die Rahmenbedingungen für die Beschäftigten betrifft. Geld allein in den Mittelpunkt zu stellen wäre zu kurz gegriffen“, sagte die Lehrbeauftragte.

Rainer Hinderer ging auf den Hausärztemangel ein: „Liegt die flächendeckende Versorgung unter 75 Prozent, wird es kritisch. Im Landkreis Esslingen liegen wir derzeit bei 80,9 Prozent, doch die Altersstruktur ist ein großes Problem. Über 35 Prozent der niedergelassenen Hausärzte im Land sind 60 Jahre und älter, über 50 Prozent 50 Jahre und älter“. Vom Studienbeginn bis zur Niederlassung eines Mediziners vergehen allerdings locker 20 Jahre. Fazit: „Es wird höchste Zeit, dass wir dem drohenden Mangel entgegenwirken“.

Mehr Medizinstudienplätze, attraktivere Arbeitsbedingungen und eine gestärkte Stellung des Hausarztes im Gesundheitssystem seien nötig. Wichtig sei außerdem die Digitalisierung im Gesundheitsbereich - also etwa die Sprechstunde via Skype.

Johannes Bauernfeind plädierte ebenfalls für mehr Studienplätze. Als positiv stellte Bauernfeind die AOK-Hausarzt- und Facharztprogramme dar. Das werde gut angenommen. Positiv bewertete er ebenso neue Strukturen in der Kliniklandschaft wie im Falle der Medius-Kliniken, die an drei Standorten im Kreis jeweils bestimmte Leistungen bündeln. „Was die Nachfolge in Hausarztpraxen angehe, müssen viele ältere Ärzte davon wegkommen, ihr Lebensmodell weitergeben zu wollen“, sagte der AOK-Geschäftsführer.

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