Zwischen Neckar und Alb

Das Tauziehen um die Esslinger Bäder geht weiter

Stadtwerke legen die neunte Variante auf den Tisch – Gemeinderat hält sich vorerst bedeckt

Wie die Zukunft der Esslinger Bäder aussieht, bleibt auch nach der Präsentation einer neunten Variante offen. Der öffentliche Druck steigt.

Klare Aussage: Die Berkheimer Demonstranten lehnen vor dem Alten Rathaus in Esslingen die Schließung eines der Bäder kategorisch
Klare Aussage: Die Berkheimer Demonstranten lehnen vor dem Alten Rathaus in Esslingen die Schließung eines der Bäder kategorisch ab. Foto: Bulgrin

Esslingen. Anders als die Politik bezieht die Initiative attraktives Berkheim bereits Position. Ihre Anhänger brachten Badesachen, Liegestühle, Sonnenschirme und Plakate mit, um vor dem Alten Rathaus ihre Forderung zu bekräftigen, dass alle drei Bäder in Esslingen erhalten werden. Auch der Bürgerausschuss Innenstadt hat vor der Sitzung der zuständigen Ausschüsse noch einmal Stellung bezogen. Er setzt sich ebenfalls dafür ein, alle Bäder zu sanieren. Ein neues Hallenbad für das Neckarfreibad, wie es einige Varianten vorsehen, lehnt er aus Rücksicht auf die Freiflächen ab.

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Fest steht bislang allerdings nur, dass es in der Esslinger Bäderlandschaft erheblichen Handlungsbedarf gibt. Wenn alle Adressen eine Zukunft haben sollen, müssten 14,9 Millionen Euro in die Sanierung gesteckt werden. Besonders dringend ist das Thema Hallenfreibad Berkheim. Allein dort geht es um 6,7 Millionen Euro. „Wenn wir an diesem Standort nicht rasch handeln, ist der Weiterbetrieb nach 2017 gefährdet“, sagt Thomas Isele, Geschäftsführer der Stadtwerke.

Die neun Varianten lassen sich bei allen Unterschieden im Detail auf wenige Grundmodelle zurückführen. Erstens: Die Stadtwerke sanieren im Auftrag der Stadt das Hallenfreibad in Berkheim, die Badehalle und das Sport- und Lehrbecken im Merkel‘schen Bad sowie das Neckarfreibad. Zweitens: Das Hallenfreibad Berkheim wird aufgegeben. Im Gegenzug würde das Neckarfreibad um ein Hallenbad erweitert. Drittens: Das Neckarfreibad weicht einem Neubaugebiet. In diesem Szenario würde das Hallenfreibad Berkheim ein neues Hallenbad sowie im Außenbereich ein neues Schwimmbecken mit 50-Meter-Bahn und ein Nichtschwimmerbecken erhalten.

Verwaltungsspitze, Stadtwerke und Fraktionen vermieden jede Andeutung, welches Modell die besten Chancen hat, wenn in der zweiten Jahreshälfte die Entscheidung ansteht. Nur das Amt für Bildung, Erziehung und Betreuung sowie das Amt Soziales und Sport haben sich schon einmal festgelegt. Aus „fachlichen Überlegungen“ empfehlen sie die Variante 6, die einen Verzicht auf das Hallenfreibad Berkheim, eine Sanierung des Merkel‘schen Bads sowie im Neckarfreibad ein neues Hallenbad vorsieht. Auch der städtische Verkehrsplaner favorisiert eine Konzent­ration auf das Neckarfreibad.

Im Rathaus wird betont, dass es sich nicht um eine Empfehlung der Verwaltungsspitze handelt. Solche Zurückhaltung kann Spekulationen über mögliche Ergebnisse aber nicht verhindern. So wollen Beobachter nicht ausschließen, dass sich eine Mehrheit herausschälen wird, die an allen Standorten festhält und eine Sanierung anpeilt.

Neu an der aktuellen Vorlage ist die Ergänzung um die Variante 9, die von den Stadtwerken auf Wunsch aller Fraktionen vertieft untersucht worden ist. Hatten sich die Überlegungen zu einem Verzicht auf einen Standort zunächst auf das Hallenfreibad Berkheim konzentriert, so liegen jetzt auch detaillierte Erkenntnisse über die Folgen vor, die mit einem Aus für das Neckarfreibad und kräftigen Investitionen in Berkheim verbunden wären.

Die aktuellen Ansätze gehen davon aus, dass der städtische Zuschuss für die Bäder ab 2020 von heute 2,2 maximal auf 3,3 Millionen Euro steigen darf. Sollte diese Obergrenze im Zuge der Bäderdiskussion in den kommenden Monaten fallen, hätte das Folgen für die Finanzpolitik. Sie sucht gegenwärtig nach Wegen, wie mittelfristig ein Defizit im Haushalt von 9,1 Millionen Euro verhindert werden kann. Das Konzept, das noch vor den Ferien verabschiedet werden soll, müsste bei einem höheren Bäderdefizit fortgeschrieben werden.

Vier Modelle im Mittelpunkt

Die Stadtwerke treffen keine Vorentscheidung. Das Unternehmen, das je zur Hälfte der Stadt und der EnBW gehört, sieht aber vier Varianten in der engeren Wahl. Variante 1: Sanierung Hallenbad und Außenbecken in Berkheim; Sanierung Badhalle sowie Sport- und Lehrbecken im Merkel‘schen; Sanierung des Neckarfreibads. Investitionen: 14,9 Millionen Euro; jährliches Defizit ab 2020: 3,8 Millionen Euro. Variante 6: Verzicht auf das Hallenfreibad Berkheim und Verkauf; Sanierung der Badehalle im Merkel‘schen Schwimmbad, Verzicht auf Lehrbecken; neues Hallenbad für das Neckarfreibad (mittlere Variante); Investitionen: 17,1 Millionen Euro; Defizit: 3,4 Millionen Euro. Variante 7: Sie ähnelt Variante 6. Verzicht auf das Hallenfreibad Berkheim und Verkauf; Sanierung des Merkel‘schen Schwimmbads einschließlich Lehrbecken; kleine Variante für Hallenbad im Neckarfreibad; Investition: 15,5 Millionen Euro; Defizit; 3,3 Millionen Euro. Variante 9: Neubau Hallenbad in Berkheim, im Außenbereich neues 50-Meter-Becken und Nichtschwimmerbecken; Sanierung des Merkel‘schen Bads einschließlich Lehrbecken; Verzicht auf das Neckarfreibad; Investitionen; 19 Millionen Euro; Defizit, 3,5 Millionen Euro. do