Zwischen Neckar und Alb

Das Virus soll kein Souvenir sein

Freizeit Wer Urlaub in einem Corona-Risikogebiet macht, muss sich nach seiner Einreise in Deutschland testen lassen. Arbeitgeber treffen Vorsorge. Von Greta Gramberg

Jeder, der in einem Risikogebiet Urlaub gemacht hat, könnte das Virus mitbringen. Deshalb müssen sich alle Rückkehrer bei der St
Jeder, der in einem Risikogebiet Urlaub gemacht hat, könnte das Virus mitbringen. Deshalb müssen sich alle Rückkehrer bei der Stadt Kirchheim melden. Foto. Jean-Luc Jacques

Die Mitte der Sommerferien ist erreicht, viele Reisende sind aus dem Urlaub zurückgekehrt und haben sich darauf eingestellt, wieder zu arbeiten. Doch was, wenn das Reiseziel zum Risikoland erklärt worden war? Wie reagiert dann der Chef?

Vorweg sei gesagt: „Urlaubsreisen sind Privatangelegenheit“, wie eine Pressesprecherin vom Esslinger Automobilzulieferer Eberspächer schreibt. Kein Arbeitgeber kann Reisen in Risikogebiete verbieten. Wohl aber auf die Konsequenzen hinweisen. Alle Befragten informieren laufend ihre Mitarbeiter über Reisewarnungen, Quarantäne-Regeln und Co. „Zum Schutz der Gesundheit raten wir zudem dringend von Reisen in Risikogebiete ab. Bei grob fahrlässiger Missachtung kann dies personalrechtliche Konsequenzen haben“, so die Sprecherin weiter. Ist etwa vor Reiseantritt vorhersehbar, dass bei der Rückkehr mit einer Quarantäne-Pflicht zu rechnen ist, entfällt die Lohnfortzahlung für die Dauer der Quarantäne. In Absprache mit der Führungskraft könne mobil gearbeitet werden, Gleitzeit abgebaut oder Urlaub genommen werden. Wobei ein negativer Corona-Test die Quarantäne verkürzen kann.

Selbstauskunft zum Reiseziel

Ebenso wird es beim Esslinger Automatisierungsexperten Festo gehandhabt. Ceramtec, Spezialist für technische Keramik in Plochingen, fordert eine Selbstauskunft der Beschäftigten zu Reisezielen. Hier gibt es bis dato keinen Mitarbeiter in Quarantäne. Tendenziell erwarte man Einschränkungen in den Produktionsbereichen, da es dort mehr Mitarbeiter mit Migrationshintergrund gebe, die ihren Urlaub zumindest in Nicht-Pandemie-Zeiten gerne in der Heimat ihrer Familie verbringen würden. „Ob dies unter den gegebenen Bedingungen jedoch genauso passiert, können auch wir nicht sagen“, so Ceramtec-Sprecher Christoph Hermes. Bei Ebers-pächer gab es zwei Mitarbeiter in Erwartung eines Testergebnisses in Quarantäne, Festo spricht von Einzelfällen.

Auch im öffentlichen Dienst droht im Zweifel die Freistellung ohne Lohnfortzahlung oder der Ausgleich mit zusätzlichem Urlaub oder Überstunden, wie sich aus Antworten des Landratsamts ergibt. Im Amt selbst gab es laut der Sprecherin Andrea Wangner bisher eine Rückkehrerin aus einem Risikogebiet - mit negativem Test- ergebnis. Auch bei den Medius-Kliniken setzt man auf Eigenverantwortung. Gerade für Kollegen mit Migrationshintergrund, die gerne ihre Familie besuchten, sei das wohl nicht einfach, sagt die Sprecherin Iris Weichsel. Es sind derzeit keine Mitarbeiter in Quarantäne. „Wir machen unsere Urlaubsplanung so, dass die Versorgung der Patienten gesichert ist.“ Das versichert auch das Polizeipräsidium Reutlingen. Es gebe keinen Beschäftigten, der wegen einer Rückkehr aus einem Risikogebiet nicht im Dienst sei, erklärt Sprecherin Andrea Kopp.

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