Zwischen Neckar und Alb

Das Wachstum lässt deutlich nach

Statistik Die Einwohnerzahl im Landkreis Esslingen wächst viel langsamer. Die Wohnungsnot könnte eine Ursache dafür sein. In den Nachbarlandkreisen ist die Entwicklung ähnlich. Von Harald Flößer

Die Schaffung von Wohnraum wie hier im Steingau-Areal soll für Entspannung auf dem Wohnungsmarkt sorgenArchivfoto: Carsten Riedl
Die Schaffung von Wohnraum wie hier im Steingau-Areal soll für Entspannung auf dem Wohnungsmarkt sorgen. Archivfoto: Carsten Riedl

Potenter Wirtschaftsstandort mit vielen gut bezahlten Jobs, attraktives Wohnumfeld mit hohem Freizeitwert, Nähe zur Landeshauptstadt, gute Verkehrsanbindung - es gibt viele Gründe, dass der Landkreis Esslingen über Jahre deutlich Einwohner gewonnen hat. In den vergangenen fünf Jahren hat sich dieses Wachstum allerdings verlangsamt. Nach der jüngsten Statistik des Landratsamtes hatte der Landkreis zum Ende des vergangenen Jahres 535 024 Einwohner. Das waren 1 411 oder 0,2 Prozent mehr als zum Jahresende 2018. Zum Vergleich: Von 2014 auf 2015 war die Einwohnerzahl noch um 1,4 Prozent gestiegen.

Ein nicht unwesentlicher Teil ist auf den Zuzug von Flüchtlingen zurückzuführen. In der Kreisbehörde schätzt man, dass deren Anteil am jährlichen Bevölkerungswachstum zwischen 30 und 60 Prozent liegt. Nicht berücksichtigt in der Statistik ist die Zahl der Flüchtlinge, die den Landkreis wieder verlassen haben. Das werde nicht erfasst, erklärt Peter Keck, der Sprecher des Landratsamts. Auf die Frage, warum die Wachstumskurve so abgeflacht ist, weiß Keck keine wirkliche Antwort. Möglicherweise liege es daran, dass es im Landkreis wie anderswo auch zu wenig Wohnraum für Zuzüge gibt. Landrat Heinz Eininger wird nicht müde, zu betonen, dass die mangelhafte Wohnraumversorgung ein ernst zu nehmendes Problem sei, das sich über die gesamte Region Stuttgart erstrecke. Um den Bedarf einigermaßen zu decken, müssten allein im Kreis jedes Jahr rund 600 neue Wohnungen gebaut werden.

Insgesamt ist der Landkreis seit 2014 um 18 245 Einwohner gewachsen. Das entspricht einem Plus von 3,4 Prozent. Darin enthalten sind 11 716 Flüchtlinge. Ohne diese Gruppe beträgt das Wachstum lediglich 1,2 Prozent.

Eine ähnliche Entwicklung gibt es in den Nachbarlandkreisen Göppingen und Rems-Murr. Laut Statistischem Landesamt lebten Anfang 2015 im Kreis Göppingen 250 343 Menschen. Ende des vierten Quartals 2019 waren es 258 145. Das entspricht einem Plus von 3,1 Prozent. Im Landratsamt freut man sich über diesen Trend. „Der Landkreis wird als attraktiver Lebensraum wahrgenommen“, interpretiert Clarissa Truhart vom Büro für Kreisentwicklung und Kommunikation die Zahlen. Es sei zu vermuten, dass das Wachstum durch Verbesserungen der Infrastruktur, beispielsweise durch die volle Integration ins Gebiet des Verkehrsverbunds Stuttgart zum 1. Januar 2021, anhalten werde.

Der Rems-Murr-Kreis verzeichnete zwischen dem dritten Quartal 2014 und dem dritten Quartal 2019 ein Bevölkerungswachstum von 3,2 Prozent. In Zahlen ausgedrückt betrug die Steigerung 13 559 Personen. In der jüngsten Veröffentlichung des Statistischen Landesamtes sind 427 242 Bewohner im Rems-Murr-Kreis registriert. In der Landeshauptstadt Stuttgart leben nach Angaben der Stadtverwaltung derzeit 612 500 Menschen. Zwischen 2010 und 2018 habe die Zahl der Einwohner kontinuierlich zugenommen. Seither stagniere sie. Bereits Mitte der „Nuller“-Jahre überstiegen in Stuttgart die Geburten die Sterbefälle. Die Zuwanderung hat sich seit Mitte 2016 stark abgeschwächt.

Entwicklung in einigen Kommunen

Die Zahlen basieren auf der Volkszählung am 9. Mai 2011. Esslingen: von 90 378 auf 94 145 Filderstadt: von 44 721 auf 46 083 Kirchheim: von 39 396 auf 40 783 Nürtingen: von 39 960 auf 41 223 Ostfildern: von 37 785 auf 39 312hf

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