Zwischen Neckar und Alb

Den Lebensmut zurückgeben

Gesundheit Die Schule für kranke Kinder und Jugendliche bezieht im Rolf-Nesch-Weg in Esslingen helle und großzügige Räume. Von Dagmar Weinberg

Hinter der sonnengelben Fassade hat die Schule für kranke Kinder und Jugendliche ein neues Domizil gefunden.Foto: Roberto Bulgri
Hinter der sonnengelben Fassade hat die Schule für kranke Kinder und Jugendliche ein neues Domizil gefunden.Foto: Roberto Bulgrin

Kistenschleppen ist eine schweißtreibende Angelegenheit. Doch die Umzugskisten, die das Kollegium der Schule für Kranke bei der offiziellen Eröffnung des Schulhausneubaus im Rolf-Nesch-Weg anschleppte, bargen einige Schätze: Eine klingende Schülerarbeit aus dem Technikunterricht, einen Globus, mit dessen Hilfe die Mädchen und Jungen jeden Morgen auf die Reise in ein anderes Land gehen können, und eine spanische Konjugationstabelle. Denn an der Klinikschule wird nicht nur Englisch und Französisch, sondern bei Bedarf auch Spanisch unterrichtet. Schließlich sollen Kinder und Jugendliche, die längere Zeit im Klinikum Esslingen verbringen müssen, in der Schule nicht den Anschluss ver­lieren.

„Wir sind flexibel, unkonventionell, bunt und finden immer eine Lösung“, sagte Schulleiterin Brunhilde Haaga, die ein besonderes Gefährt zur Eröffnungsfeier mitgebracht hatte: Der grüne Krankenhaus-Nachttisch hat als mobiles Mathezimmer gute Dienste geleistet und ist zugleich Symbol der räumlichen Enge, mit der Schüler und Lehrer der Klinikschule in der Vergangenheit fertig werden mussten. Als 2010 an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie eine Tagesklinik eröffnet wurde, „hatten wir gar keine eigenen Räume und mussten jeden Morgen erst einmal umbauen“, schilderte die Schulleiterin. Die folgenden Jahre waren von Umzügen geprägt. „In sieben Jahren sind wir fünf Mal auf dem Gelände des Klinikums Esslingen umgezogen, was den Vorteil hatte, dass wir viele Leute kennengelernt haben.“ Zuletzt waren die Patienten der vor zwei Jahren im Esslinger Klinikum eröffneten stationären Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie der Tagesklinik auf dem Krankenhausareal in Containern unterrichtet worden.

Nach langen Verhandlungen hatten der Landkreis als Träger der Schule und die Stadt als Eigentümerin des Klinikums dann aber doch noch einen Platz gefunden. Die Schule für Pflegeberufe wurde um eine Etage aufgestockt. Hinter der sonnengelb gestrichenen Fassade der Schule für Kranke liegen nun auf einer Fläche von rund 840 Quadratmetern elf Klassenzimmer, in denen 54 Schüler Platz finden, ein Werkraum, eine Küche, ein Lehrerzimmer und Büros.

Auch technisch ist die Schule, die über einen Steg mit der Kinderklinik verbunden ist, auf dem neusten Stand: „In jedem Klassenzimmer gibt es einen Beamer, und wir haben natürlich auch Internet“, berichtete Brunhilde Haaga, die sich vor allem über den großen Werkraum freut. „Viele unserer Schüler haben oft keine richtige Motivation mehr zum Lernen und tun sich mit dem verkopften Schulsystem schwer“, erklärt die Schulleiterin. „Wenn sie aber kreativ arbeiten können, stärkt das ihr Selbstwertgefühl und ihr Selbstbewusstsein.“

Dass der „Lebensmut der Kinder und Jugendlichen, die teilweise unter lebensbedrohlichen Krankheiten leiden, gestärkt wird“, ist auch Landrat Heinz Einiger wichtig. Zwar seien die 3,6 Millionen Euro, die der Neubau gekostet hat, „eine Menge Holz“. Doch sei das Geld gut angelegt. „Die Kinder werden dort abgeholt, wo sie stehen, erleben einen angstfreien Schulalltag und gewinnen wieder Selbstvertrauen und Lebensfreude“, verdeutlichte der Landrat.

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