Zwischen Neckar und Alb

Der Alleskönner ist Kult

Unimog Sonderschau mit Vorführungen im Freilichtmuseum Beuren beim Oldtimertreffen

Im Freilichtmuseum in Beuren findet am 20. und 21. August das Oldtimertreffen statt. Im Mittelpunkt steht das Universalfahrzeug Unimog.

Unimog U 406 mit Pritsche und Seilwinde, Baujahr etwa 1970, entgegen der durch das historische Einbahnstraßenschild vorgegeben F
Unimog U 406 mit Pritsche und Seilwinde, Baujahr etwa 1970, entgegen der durch das historische Einbahnstraßenschild vorgegeben Fahrtrichtung unterwegs auf Höhe des Backhauses im Freilichtmuseum Beuren. Foto: Museum

Beuren. Der Unimog zählt zur Großfamilie der Traktoren, sein Konzept hebt sich in Technik und Ästhetik bis heute von den herkömmlichen Schleppern jedoch stark ab. Der 1946 entwickelte und erstmals in Schwäbisch Gmünd produzierte Unimog ist weit mehr als nur ein Schlepper. Er ist ein Alleskönner, nicht nur im Dienste der Landwirtschaft, und als solcher ist er legendär. Beim 20. Oldtimertreffen im Freilichtmuseum Beuren, am Wochenende 20. und 21. August, jeweils von 9 bis 18 Uhr, werden die Unimogs im Mittelpunkt des Interesses stehen. Die Sonderschau wird vom Unimog-Club, Regionalgruppe Göppingen-Stauferland, dem Unimog-Museum Gaggenau und der Daimler AG unterstützt.

In regelmäßigen Vorführungen – am Samstag um 14 und 16 Uhr sowie am Sonntag um 11, 14 und 16 Uhr – demonstrieren die Fahrzeuge ihre Geländegängigkeit. Auf einem Versuchsfeld führen Unimog mit Anbaugeräten landwirtschaftliche Arbeiten vor, pflügen, eggen und säen. Wieder andere wenden sich Holzarbeiten zu, spalten Meterholz und räppeln Fichtenstangen. Historische Filmaufnahmen, die Unimogs in verschiedenen Einsätzen zeigen, werden am Sonntag um 15 Uhr im Hopfensaal des Hauses aus Öschelbronn vorgeführt. Auch für die kleinen Museumsgäste ist beim Oldtimertreffen gesorgt. Mit einsitzigen Tret-Unimogs können Kinder ihre Geschicklichkeit auf einem ausgesteckten Parcours testen.

Die ersten Unimog-Prototypen wurden 1946 nach Entwürfen von Albert Friedrich, ehemaliger Chefkonstrukteur und technischer Direktor von Daimler-Benz, bei der Firma Erhard & Söhne in Schwäbisch Gmünd entwickelt. Das Universal-Motor-Gerät – abgekürzt: Unimog – sollte primär als Schlepper und Geräteträger in der Land- und Forstwirtschaft zum Einsatz kommen. Die Spurweite wurde auf 127 Zentimeter festgelegt, dieses Maß gab die Breite von zwei Kartoffelreihen vor.

Daimler-Benz steuerte 1947, für die weitere Entwicklung richtungsweisend, einen 25-PS-Dieselmotor, ursprünglich für den Pkw 170 D konzipiert, bei. Weitere Unimog-Prototypen und Vorserienfahrzeuge wurden in Göppingen bei der Firma Boehringer Werkzeugmaschinen GmbH gebaut, dorthin wurde 1948 die Produktion verlagert. Vom „Boehringer-Unimog“ (U 70200) wurden insgesamt 600 Fahrzeuge herstellt. Als Markenzeichen zierte ein stilisierter Ochsenkopf mit Hörnern in Form eines U das Fahrzeug.

1951 gab Boehringer die Unimog-Sparte an Daimler-Benz ab. Die Produktion wurde von Göppingen nach Gaggenau verlagert, die Baureihe 70200 durch die Baureihe 2010 abgelöst. 1953 wurde mit der Umbenennung der Baureihe 2010 in U 401 die Nomenklatur geändert und die 400er-Baumuster-Nummern für die Unimog-Baureihen eingeführt. Zugleich trat der Mercedes-Stern als Markenzeichen an die Stelle des Ochsenkopfs. Bis zur Verlagerung der Produktion 2002 nach Wörth verließen 320 000 Fahrzeuge das Werk in Gaggenau, bis heute dürften fast 400 000 Unimog verkauft worden sein. Gegenwärtig wird der Unimog in den beiden Baureihen U 405 und U 437 mit zahlreichen Varianten produziert – eine anhaltende Erfolgsgeschichte.

Optisch gleicht der klassische Unimog mit seiner schrägen Frontpartie, dem Fahrerhaus und der Ladefläche einem kompakten Lastwagen. Technisch zeichnet sich der „Frontsitztraktor“ durch eine einzigartige Kombination von besonderen Eigenschaften aus. Er hat Allradantrieb mit Differenzialsperren, Zapfwellen vorn und hinten für den Geräteantrieb, Portalachsen zur Erhöhung der Bodenfreiheit, jedes Rad ist einzeln gefedert und mit einer Bremse versehen. Das Fahrzeug ist extrem geländegängig, es kann relativ schnell – bis maximal 80 Stundenkilometer – und sehr langsam fahren. 1956 kam die Baureihe 411, bis heute eines der beliebtesten Unimog-Modelle, auf den Markt.

Ursprünglich waren Unimogs als Ackerschlepper gedacht. Sie kamen aber zunehmend auch in anderen Bereichen zum Einsatz: bei der Feuerwehr, als Kommunalfahrzeug im Winterdienst und bei der Straßenunterhaltung, beim Militär, im Transport- und Baugewerbe, als Schienenfahrzeug im Rangierdienst. Den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten passte sich die Produktion an: es gab und gibt Unimog mit Klappverdeck, mit Doppelkabine, mit langer Pritsche, als Geräteträger, hochgeländegängig, als Zweiwegefahrzeug, mit Böschungs-Mähgerät, mit Kran, als Schneefräse. pm

Weitere Informationen zum 20. Oldtimertreffen und der Sonderschau Unimog im Freilichtmuseum Beuren gibt es im Internet unter www.oldtimertreffen.org.

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