Zwischen Neckar und Alb

Der Dichter blickt auf seine Heimatstadt

Literatur Das Hölderlin-Denkmal ist im Steinachdreieck in Nürtingen enthüllt worden. Eine Spende machte den bronzenen Dichter überhaupt möglich. Von Philip Sandrock

Der junge Friedrich Hölderlin blickt zunächst in Richtung Nürtinger Altstadt. Foto: Daniel Jüptner
Der junge Friedrich Hölderlin blickt zunächst in Richtung Nürtinger Altstadt. Foto: Daniel Jüptner

Dass es ein Denkmal für Friedrich Hölderlin, den großen Sohn der Stadt Nürtingen, geben wird, war beinahe seit zwei Jahren bekannt. Ein großes Geheimnis jedoch war bis zuletzt, wie das Werk aussehen würde, das der Bildhauer Professor Waldemar Schröder in der Kunstgießerei Strassacker in Süßen, für Hölderlins Heimatstadt geschaffen hatte.

Nürtingens Oberbürgermeister Otmar Heirich lüftete zusammen mit zwei Schülern des Hölderlin-Gymnasiums das Geheimnis. Und hatte zunächst seine liebe Mühe, die Hülle zu entfernen - der Dichter wollte sich nicht recht zeigen.

Dabei sieht er echt fesch aus, der junge Friedrich Hölderlin, der nun im Steinachdreieck in Nürtingen steht. Die Statue zeigt ihn im Alter von 25 Jahren. Dem anerkennenden Raunen und dem Beifall nach der Enthüllung nach zu urteilen, gefiel die Bronzestatue den zahlreichen geladenen Gästen. Maßgeblich finanziert vom Rotary Club Kirchheim-Nürtingen, wird so des Dichters gedacht. Hölderlin kam zwar in Lauffen am Neckar zur Welt, verbrachte aber prägende Jahre in Nürtingen. „Er besuchte die Lateinschule, wurde in der Stadtkirche konfirmiert und schrieb seine ersten Gedichte“, sagte Oberbürgermeister Otmar Heirich.

Er sei immer wieder in das Haus seiner Mutter und Schwester, den Schweizerhof in der Neckarsteige, zurückgekommen. Nach dem Tod der Mutter 1828 bis zu Hölderlins Tod 15 Jahre später, übernahm die Stadt die Pflegschaft für den Lyriker. „Ich denke, dass sich Nürtingen daher mit Fug und Recht als Heimatstadt Hölderlins bezeichnen kann“, sagte Heirich auch mit einem Augenzwinkern an seinen Lauffener Amtskollegen Klaus-Peter Waldenberger, der ebenfalls zur Veranstaltung gekommen war. Auch die Umgebung der Stadt und der Garten der Familie Hölderlin-Gok auf der anderen Neckarseite habe ihn zu zahlreichen Werken inspiriert.

Hanns Aberle vom Rotary Club Kirchheim-Nürtingen betonte, dass das Denkmal am Steinachdreick vergleichbar sei mit dem von Goethe und Schiller in Weimar. Der Dichter habe seinen Platz zunächst am Neckar gefunden, mit Blick zur Stadtkirche und der alten Lateinschule. Doch der zu Lebzeiten passionierte Wanderer werde es den heutigen Nürtingern wohl nachsehen, dass er sich in naher Zukunft wohl erneut auf Wanderschaft begeben wird: Wenn die Sanierung des Hölderlin-Hauses in der Altstadt abgeschlossen ist, soll die Statue von ihrem Platz am Neckar vor das Gebäude wandern.

Aberle lobte auch den Einsatz des Vereins Hölderlin Nürtingen, insbesondere den von Ingrid Dolde. „Am Anfang steht eine Idee“, sagte Aberle. Daraus sei ein Konzept geworden. Und der Bildhauer Waldemar Schröder habe dies meisterlich umgesetzt. Durch diese gelungene Zusammenarbeit sei nun dieses Denkmal entstanden. „Ab sofort ist das der Hölderlin der Nürtinger Bürger“, so der Rotarier.

Musikalisch umrahmt wurde der Festakt im Steinachdreieck vom Bläserensemble der Musikschule Nürtingen. Bei der Fortsetzung der Feier in der Glashalle des Rathauses zeigten die Schüler der 8d aus der Schreibwerkstatt des Hölderlin-Gymnasiums ihre Interpretationen der Gedichte „Hälfte des Lebens“ und „Lebenslauf“. Außerdem sorgte der Kanon eines Zitats aus Hyperion für einen gelungenen literarischen Rahmen.

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