Zwischen Neckar und Alb

Der erste Schritt ins Abenteuer

Landratsamt Der Finanzausschuss des Kreistags bringt in seiner letzten Sitzung vor den Wahlen die Ausschreibung für den 143 Millionen Euro teuren Neubau der Esslinger Behörde auf den Weg. Von Bernd Köble

Ein Bild, das bald Vergangenheit ist. Im November 2021 soll der Abbruch des 40 Jahre alten Landratsamtsgebäudes in Esslingen beg
Ein Bild, das bald Vergangenheit ist. Im November 2021 soll der Abbruch des 40 Jahre alten Landratsamtsgebäudes in Esslingen beginnen. Läuft alles nach Plan, könnte der Neubau vier Jahre später bezugsfertig sein. Foto: Jean-Luc Jacques

Die Eckdaten lassen die Dimension erahnen: rund 23 000 Quadratmeter Nutzfläche, 143 Millionen Euro geschätzte Gesamtkosten und 530 Mitarbeiter, die bei laufendem Betrieb umziehen müssen. Der geplante Neubau des Esslinger Landratsamtes, dem Politik und Verwaltung mit dem Einstieg ins Ausschreibungsverfahren gestern den Weg geebnet haben, ist aber nur ein Teil des großen Ganzen. Sollten im November 2021 in Esslingen wie geplant die Abbrucharbeiten beginnen, muss die neue, 40 Millionen Euro teure Dependance neben der ehemaligen Klinik auf dem Plochinger Stumpenhof als dauerhaftes Ausweichquartier bereits stehen. Knapp ein Drittel der Esslinger Mitarbeiter sollen im Zuge der Neuordnung der Verwaltung dorthin umziehen. Etwa 300 müssen interimsweise in Mieträumen im Esslinger Stadtgebiet unterkommen. Endet die ganze Rochade wie vorgesehen im November 2025 warten an beiden Standorten moderne Büroräume für 900 Behördenmitarbeiter. Von alldem unberührt bleiben allein die 370 Beschäftigten im Esslinger Erweiterungsbau, der erst vor elf Jahren bezogen wurde.

Bis jeder seinen Platz hat, ist es noch ein weiter Weg. Esslingens Landrat Heinz Eininger machte gestern noch einmal deutlich, dass der Start der Ausschreibung noch keinen Baubeschluss bedeutet: „Ob wir bauen, wann wir bauen und wie wir bauen, entscheiden wir nicht heute.“ Generell gilt: Zeit ist Geld. Baukostensteigerungen von einem halben Prozent pro Monat nennt Dr. Frank Meininger von der Stuttgarter Anwaltskanzlei Menold Bezler, die das Verfahren begleitet, realistisch. Schlüsselfertiges Bauen ohne Schnittstellen und mit einem fixen Preisschild - das soll das kombinierte Verfahren „Planen und Bauen“ garantieren, an dem sich ausschließlich Konsortien von Architekten, Fachingenieuren und Baudienstleistern beteiligen. Der Vorteil, den man sich davon verspricht: eine bessere Kostenkontrolle und eine zügigere Abwicklung. Neu ist das nicht. Beim 50 Millionen Euro teuren Bau der Nürtinger Albert-Schäffle-Schule, wo im November Richtfest gefeiert wurde, steuert der Kreis im selben Modell, was Kosten und Zeitplan betrifft, stramm auf Kurs.

Wie schnell Kalkulationen überholt sein können, wird schon jetzt deutlich. Gegenüber den im Finanzhaushalt vorgestellten Zahlen geht die Verwaltung inzwischen von Mehrkosten an beiden Standorten in Plochingen und Esslingen in Höhe von rund elf Millionen Euro aus. Unter anderem wegen der notwendigen Verlagerung von 25 Arbeitsplätzen vom Stumpenhof an den Neckar. Das in der Ausschreibung verankerte Budget für das neue Landratsamt in Esslingen umfasst knapp 130 Millionen Euro. Insgeheim geht die Verwaltung aber schon jetzt von Gesamtkosten in Höhe von 143 Millionen Euro aus, rechnet man die Kosten für die Interims-Unterbringung der Mitarbeiter und einen Risiko-Puffer mit ein.

Wer am Ausschreibungsverfahren teilnehmen soll, wird Anfang September entschieden, wenn die Bewerber bekannt sind. „Das Interesse am Markt ist groß“, bestätigt Baurechtler Frank Meininger. Es gebe schon jetzt konkrete Anfragen von Unternehmen aus der Region. Von März bis Juni kommenden Jahres wird eine Bewertungskommission aus Experten und Kreistagsmitgliedern in drei Etappen die eingegangenen Vorschläge prüfen und Änderungswünsche erarbeiten. Das letzte Wort hat dann der Kreistag, der im Oktober 2020 den Baubeschluss fassen und den Auftrag erteilen könnte. Möglicher Baustart wäre im Sommer 2022.

Kita für bis zu 30 Kinder

Familie und Beruf unter einen Hut bringen zu können, ist für Arbeitnehmer wie für Arbeitgeber ein entscheidendes Kriterium für die Attraktivität von Jobs. Das neue Verwaltungsgebäude der Esslinger Kreisbehörde soll deshalb auch eine Kindertageseinrichtung beherbergen. Geplant sind zwei Kita-Gruppen mit einer Kinderkrippe für zehn Kinder und eine altersgemischte Gruppe für bis zu 20 Kinder jeweils im Ganztagesbetrieb. Für die Tagesstätte sind 400 Quadratmeter Fläche im Innenbereich und ein Spielbereich im Freien mit 300 Quadratmetern vorgesehen.

Betrieben werden soll die Einrichtung von einem freien Träger. Für Bau und Möblierung sind rund 2,6 Millionen Euro eingeplant. bk

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