Zwischen Neckar und Alb

„Der Esslinger Weg“

Unterstützung für Familien in Trennung und Scheidung

Scheidung und Trennung sind oft schmerzhaft – für Kinder und Eltern. Wie es gelingt, Lösungen zum Wohl der Kinder zu finden, zeigt der „Esslinger Weg“.

Kreis Esslingen. Scheidung und Trennung stehen auf der Stresspunkteskala ganz oben, gleich hinter dem Tod des Partners. Aber nicht nur die Eltern, sondern auch die von der Trennung betroffenen Kinder leiden. Sie werden mit der Entscheidung der Erwachsenen und deren Folgen auch für ihr Leben konfrontiert und vor für sie nicht abänderbare Tatsachen gestellt.

Eltern haben den Wunsch, in dieser Situation alles richtig zu machen und die Kinder nicht unnötig zu belasten. Sie möchten einen konfliktfreien Umgang über die Belange der Kinder pflegen. Doch oftmals stehen Wut, Trauer und Enttäuschung oder Eifersucht im Weg. Die Anzahl der beim Familiengericht geführten Verfahren zeigt, dass es vielen Eltern nicht gelingt, konfliktfrei miteinander umzugehen – mit gravierenden Konsequenzen für deren Kinder.

Kinder aus Scheidungs- und Trennungsfamilien haben nachgewiesen ein erhöhtes Risiko, an psychischen Störungen zu erkranken. Sie haben oftmals größere Schwierigkeiten in sozialen, emotionalen und schulischen Bereichen, als Kinder gleichen Alters, die in intakten Familienverhältnissen aufwachsen. Dies gilt besonders dann, wenn die Eltern auch nach der Trennung weiter streiten. Die Belastung durch Trennung und Scheidung ist nur von kurzer Dauer, wenn der Kontakt der Kinder zu beiden Elternteilen – ohne weitere Konflikte – erhalten bleibt. Um dies den Eltern zu ermöglichen, haben sich seit einigen Jahren Vertreter des Sozialen Dienstes, der psychologischen Beratungsstellen sowohl des Landkreises Esslingen als auch in freier Trägerschaft, der Richterschaft des Familiengerichts Nürtingen, der Anwaltschaft des Amtsgerichtsbezirks Nürtingen und der Verfahrensbeistände regelmäßig ausgetauscht. Dabei wurden gemeinsame Leitlinien erarbeitet und festgelegt. Im Mittelpunkt standen einvernehmliche Lösungen, beispielsweise beim Sorge- und Umgangsrecht.

Dazu gibt es nun die Broschüre „Esslinger Weg“. Dort werden Hilfen aufgezeigt, die Eltern im Trennungsfall zur Verfügung stehen. Das Kindeswohl steht dabei immer im Vordergrund. Zusammengefasst sehen die Richtlinien vor, zunächst außergerichtlich mithilfe entsprechender Beratungsstellen zu versuchen, dass Eltern sich über die Belange ihrer Kinder verständigen können. Nur wenn dies nicht gelingt, sollte an gerichtliche Hilfe gedacht werden. Die an diesen Prozessen beteiligten Stellen stellen sich im Info-Flyer „Esslinger Weg“ vor.

Ziel ist es, eine einvernehmliche Regelung zu erarbeiten. Wenn dies weder beim Sozialen Dienst noch im gerichtlichen Verfahren gelingt, können Eltern Hilfe bei den psychologischen Beratungsstellen finden.

Eltern haben immer auch die Möglichkeit, Rechtsanwälte als Interessenvertreter aufzusuchen. Im besten Fall kann schon in einem frühen Stadium eine Beruhigung der Situation erreicht und ein gerichtliches Verfahren vermieden werden. Im Falle eines gerichtlichen Verfahrens versuchen die Anwälte, ein Ergebnis zum Wohl der Kinder zu erreichen.

Das Familiengericht strebt ebenfalls eine Einigung der Eltern an. Eine Entscheidung, durch welche einer der Elternteile sich vielleicht als Verlierer fühlen könnte, soll möglichst vermieden werden. Das Familiengericht empfiehlt Kindeseltern in der Regel Beratung bei den entsprechenden Stellen. In bestimmten Fällen kann es die Eltern zu Beratungen verpflichten. Bisherige Erfahrungen zeigen die positiven Auswirkungen für Kinder, wenn Eltern zur Vermeidung von Eskalation Unterstützung bei den genannten Fachleuten suchen.

Der Flyer ist erhältlich beim Landratsamt Esslingen, bei den psychologischen Beratungsstellen, bei den Familiengerichten sowie den Fachanwälten für Familienrecht. Weitere Informationen finden betroffene Eltern auf der Website: www.elternkonsens.de.pm

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