Zwischen Neckar und Alb

Der Ferrari des kleinen Mannes

Oldtimer Der Fiat 124 Spider, vorgestellt 1966 auf dem Turiner Automobilsalon, war während seiner 20-jährigen ­Bauzeit vor allem in den USA beliebt. Kurt Steinhübel aus Wernau besitzt ein solches Exemplar. Von Cornelia Wahl

Gewölbte Kotflügel und zwei „Buckel“ auf der Motorhaube: Kurt Steinhübel ist stolz auf seinen Fiat 124 Spider.Foto: Cornelia Wah
Gewölbte Kotflügel und zwei „Buckel“ auf der Motorhaube: Kurt Steinhübel ist stolz auf seinen Fiat 124 Spider. Foto: Cornelia Wahl

Von Weitem schon blitzt das rote Hinterteil von Kurt Steinhübels Fiat 124 Spider aus der Garage. Gerade hat der Oldtimerreferent und das Gründungsmitglied des 1975 ins Leben gerufenen „Motorclub Lenningen“ im ADAC zum ersten Mal in dieser Saison sein vierrädriges Schätzchen von der Abdeckplane befreit. Und die Spannung steigt: Ob der schöne Italiener mit den gewölbten Kotflügeln, den zwei länglichen Buckeln auf der Motorhaube und dem pininfarina-typischen Hüftschwung seinem Besitzer wohl auf den ersten Zündschlüsseldreh gehorcht und anspringt?

Die Gemeinschaftsproduktion von Pininfarina und Fiat - Pininfarina war für den Bau der Karosserie zuständig - gehorcht, ohne zu murren. Beim Rangieren aus der Garage wird klar: Eine Servolenkung gab es damals noch nicht und so muss Kurt Steinhübel mit viel Kraft am Lenkrad kurbeln. Aus der Garage gefahren entfaltet die „Bella Macchina“ ihre volle Schönheit. Der „124 Spider 2000“ präsentiert sich in einem Top-Zustand. Der Lack glänzt mit den Originalfelgen um die Wette. Der Innenraum überzeugt mit feinen Materialien.

Doch wie es im Leben halt so ist, stand vor dem Spaß der Schweiß. Bevor der Zweisitzer fahrbereit war, zerlegte und verbesserte ihn Steinhübel. „Alles außer dem Fahrgestell ist neu“, erzählt er strahlend. „Das meiste habe ich selbst gemacht.“ Das Lackieren jedoch überließ er einem Fachmann. Dass sich der Oldtimer-Freund für die Farbe „Ferrari Rosso“ entschied, hat vielleicht damit zu tun, dass der „124 Spider 2000“ Ähnlichkeit mit dem ebenfalls von Pininfarina gezeichneten Ferrari 275 GTS hat, was dem Fiat die Bezeichnung „Ferrari des kleinen Mannes“ einbrachte.

Zu den Verbesserungen zählt, dass der Nachrichtentechniker das Armaturenbrett - in der Originalversion aus Kunststoff - aus Echtholz nachbaute. Dass er sich bei der Restauration im Innenraum nicht für das originale Beige, sondern für Schwarz entschied, hatte praktische Gründe. Schwarzes Leder hat den Vorteil, dass man den Schmutz nicht so sieht. Damit ihm und seiner Frau bei den Ausfahrten der Wind nicht allzu doll um den Kopf weht, bastelte er ein Windschott. Und noch etwas hat der Oldtimer-Fan gemacht: Er hat den Spider, der übrigens damals schon über vier Scheibenbremsen verfügte, dem Asphalt 30 Millimeter nähergebracht. Vorne sind hinterm Kühlergitter zudem zwei weitere Scheinwerfer zu erkennen. Auseinander genommen hat er auch den 110-PS-starken Motor und einen Zwei-Wege-Katalysator verbaut. Der Einbau des Abgasreinigers war möglich, weil er ursprünglich nach Kalifornien ausgeliefert werden sollte und dort damals schon strengere Abgasnormen galten. Angekommen ist der Wagen dort nie. Der Vorbesitzer hat ihn nach Deutschland gelotst.

Kurt Steinhübel, der viele Jahre lang aktiver Motorsportler war und dem Hobby heute noch als Sportkommissar bei der „Württemberg Historic“ verbunden ist, hat den „Schrauber-Virus“ quasi mit der Muttermilch aufgesogen. In Erkenbrechtsweiler hatten seine Großeltern einst eine Werkstatt mit Tankstelle betrieben. So war er schon von Kindesbeinen an den Umgang mit Pferdestärken, Schraubenzieher und Co. gewohnt. In den 1990er-Jahren kam dann die Vorliebe zu den Oldtimern dazu.

Schnell fahren wollen Kurt Steinhübel und seine Frau mit dem betagten Spider allerdings nicht. Wenn sie ausfahren, ist Frischluftgenuss mit Tempo 80 angesagt „und das am liebsten über Landstraßen mit vielen Kurven“.

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