Zwischen Neckar und Alb

Der Heidengraben im Dornröschenschlaf

Die Archäologen Dr. Jörg Bofinger und Dr. Gerd Stegmaier schildern die Zukunftspläne für die Keltenstätte Heidengraben

Die Gemeinden Erkenbrechtsweiler, Grabenstetten und Hülben haben für ihr gemeinsames Projekt „Heidengraben“ viel vor: Die drei Gemeinden präsentierten nun die Ergebnisse des Kolloquiums aus dem Herbst 2013 und die Zukunftspläne für den Heidengraben.

Hülbens Bürgermeister Siegmund Ganser, sein Amtskollege aus Erkenbrechtsweiler Roman Weiß, die Archäologen Dr. Jörg Bofinger, Dr
Hülbens Bürgermeister Siegmund Ganser, sein Amtskollege aus Erkenbrechtsweiler Roman Weiß, die Archäologen Dr. Jörg Bofinger, Dr. Gerd Stegmaier, Grabenstettens Bürgermeister Harald Steidl und Mitautor Frieder Klein (von links) Foto: Sabrina Kreuzer

Erkenbrechtsweiler. Zwei Pferde ziehen einen Streitwagen hinter sich her. Menschen in langen Gewändern streifen durch den Wald. Arbeiter errichten einen Schutzwall. Der neue Trailer über das Heidengrabenzentrum zeigt, wie es vor mehr als 2 000 Jahren auf der fast 1 700 Hektar großen Fläche zwischen den drei Gemeinden Erkenbrechtsweiler, Hülben und Grabenstätten ausgesehen haben könnte.

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Dr. Gerd Stegmaier, einer der Archäologen, der sich seit mehreren Jahren mit dem Projekt „Heidengraben“ beschäftigt, stellte dem Publikum am Donnerstagabend im Bürgerhaus in Erkenbrechtsweiler die Pläne für die kommenden Wochen, Monate und Jahre vor. Jüngst haben sich die Archäologen, Gemeinden und Vereine auf das Ziel konzentriert, den Heidengraben als kulturelles Erbe touristisch aufzuwerten. „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, die ehemalige keltische Anlage im Biosphärengebiet Schwäbische Alb verstärkt ins öffentliche Bewusstsein zu rücken“, so Dr. Jörg Bofinger, Archäologe und Denkmalpfleger, über die Pläne. Die Bandbreite an Ideen und Vorstellungen war zunächst recht weit angelegt. Sie reichte von einer sanften Erschließung bis hin zu einer 1:1-Rekonstruktion der markanten Elemente der keltischen Befestigungsanlage.

Diese Pläne haben sich nun konkretisiert. So soll im Bereich des Burrenhofs das sogenannte „Heidengrabenzentrum“ entstehen, die Rekonstruktion eines großen Grabhügels. Von oben soll der Bau an einen Dreipass erinnern, der zum einen die drei involvierten Gemeinden verkörpert und zum anderen die drei Elemente, die am Heidengraben und Burrenhof von großer Wichtigkeit sind: ein Forum, das einen Versammlungsplatz darstellt, einen kleineren Grabhügel und eine Hüle. Hülen sind für die Schwäbische Alb typische Teiche, die schon zur Zeit der Kelten Lebensquellen darstellten. Im kleineren Grabhügel wird ein 360-Grad-Panoramaraum entstehen. Er soll den Interessierten die Möglichkeit bieten, das Großdenkmal und die Landschaft einzufangen. Mithilfe von Hotspots und neuen Medien wie Tablets und Smartphones können einzelne Punkte im Panorama ausgewählt und genauer betrachtet werden. Jedoch sollen die Bürger auch dazu eingeladen werden, die Umgebung selbst zu erforschen.

Neben dem Heidengrabenzentrum soll ein Ballon installiert werden, der den Besuchern bei schönem Wetter einen Blick aus der Höhe über das gigantische Ausmaß der Anlage ermöglichen soll. Drei kleine Tor-Rundwege und ein größerer Weg werden die Touristen durch die Landschaft und die prähistorische Archäologie führen. Die Rundwege starten am Tor F, zwischen Erkenbrechtsweiler und Hülben, und führen entlang der Befestigungsanlage in Richtung Elsachstadt.

Bei der Elsachstadt wird nur wenig architektonisch umgesetzt. Es entstehen vereinzelte Informations- und Wissensstationen, die eine Rekonstruktion im Rahmen einer Augmented Reality ermöglichen. Mit einem Tablet-Computer können die Besucher virtuell in die Vergangenheit springen: Auf dem Bildschirm sehen sie die Elsachstadt zur Zeit der Kelten und in der Realität die heutigen Überbleibsel. Der einzige große architektonische Eingriff wird eine Wallüberbauung zwischen den Toren A und B in der ehemaligen Keltensiedlung sein.

Das interkommunale Projekt ist eine große Herausforderung. Immerhin handelt es sich beim Heidengraben „um das bedeutendste keltische Kultur- und Landschaftsdenkmal Europas“, wie Stegmaier betont. Doch schon im Kolloqium 2013 sei klar geworden, dass es für solche Projekte keinen Königsweg gibt. „Es müssen individuelle Wege gefunden werden“, sagen auch Bofinger und Stegmaier. Diese individuellen Wege werden im Buch „Befund – Rekonstruktion – Touristische Nutzung: Keltische Denkmale als Standortfaktoren“ anhand verschiedener Stätten aufgezeigt.

Über eines sind sich alle Beteiligten einig: Der Heidengraben ist ein Denkmal im Dornröschenschlaf, das aufgeweckt und touristisch aufgewertet werden muss. Und mit den Plänen, die entwickelt wurden, wird dies sicher gelingen.