Zwischen Neckar und Alb

Der Hühner-Flüsterer

Geflügelzucht Der 25-jährige Max Jenz aus Unterensingen ist für den Ceres-Award, den bedeutendsten Preis für Landwirte im gesamten deutschen Sprachraum, nominiert. Von Harald Flösser

Geflügelzüchter Max Jenz kann sich keinen schöneren Beruf vorstellen.Foto: Kaier
Geflügelzüchter Max Jenz kann sich keinen schöneren Beruf vorstellen.Foto: Kaier

Man kennt diese schockierenden Zustände aus dem Fernsehen: schwächelnde und kranke Hühner, die in völlig verdreckten Ställen dahinvegetieren. Mit solchen Methoden haben schwarze Schafe unter den Geflügelhaltern eine ganze Branche in Verruf gebracht.

Aber es gibt auch die andere Seite: Landwirte, bei denen die Tiere ein würdevolles Dasein fristen können. Max Jenz aus Unterensingen ist einer von ihnen. Bei ihm auf dem Lindenhof leben die Hühner wie in einem kleinen Paradies. Denn er legt großen Wert auf das Wohl der Hennen. So sieht es eine Fachjury des Deutschen Landwirtschaftsverlags (dlv). Sie nominierte den 25-Jährigen für den Ceres-Award, den bedeutendsten Preis für Landwirte im gesamten deutschen Sprachraum. In der Kategorie „Geflügelhalter“ zählt der Jungbauer zu den drei Finalisten.

Jenz pflegt einen geradezu liebevollen Umgang mit seinen Hühnern. Bevor er einen seiner vier Ställe betritt, klopft er an. „Damit sie nicht zu sehr erschrecken.“ Im Nu ist der Bauer von zahllosen Hühnern umringt. „Natürlich kennen sie mich“, betont Jenz. Die von Natur aus scheuen Tiere scheinen sich wohlzufühlen. „Wenn sie so singen, weiß man, sie sind gesund“, erklärt er.

Der Besucher staunt gleich ein zweites Mal: Man riecht zwar, dass hier Hunderte von Hühnern gehalten werden, aber es stinkt nicht. Und es ist erstaunlich sauber. Der Kot der Tiere fällt durch ein Gitter. Ein Sandbad, das sich mit Strohballen im sogenannten Scharrraum befindet, dient den Hühnern zur Gefiederpflege. Durch die offenen Seitenklappen kommt ständig Frischluft in den Stall.

Auf die Mischung kommt es an

Auf das Futter seiner Hennen legt Jenz großen Wert. Das Legemehl ist eine Mischung aus Maiskörnern, Weizen, Gerste, Hafer, Sojabohnen, Kalk und Öl. Weil er auf dem Hof keine eigene Mühle hat, lässt Jenz es von einem Fachbetrieb herstellen. Vier- bis fünfmal am Tag läuft die Futterkette. Sie soll die Hennen zum Fressen animieren.

„Hühner haben einen festen Tagesablauf“, erklärt Jenz. „Während der Sommerzeit stehen sie gegen 5.30 Uhr auf.“ Danach kommt die Zeit des Eierlegens. Für die Tiere sei das eine anstrengende Sache, erklärt er. „Fast wie eine Geburt.“ Umso wichtiger sei es, ihnen würdevolle Lebensumstände zu bieten. 24,5 Stunden dauert es, bis ein Ei produziert ist.

Um 10 Uhr macht der Bauer die Klappen auf, damit die Hühner nach draußen können. „Da warten sie schon drauf. Sie gehen immer nach draußen, auch wenn es regnet.“ Und abends gegen 22 Uhr gehen die Klappen wieder zu. Schlafenszeit. Für die Freilandhaltung sind vier Quadratmeter pro Huhn vorgeschrieben. „Wir haben sogar zehn Quadratmeter“, sagt Jenz. Insgesamt stehen 4,5 Hektar zur Verfügung. Das ermöglicht für die bis zu 4 000 Tiere diese besondere Art der Haltung.

Die Bauernfamilie aus Unterensingen hat sich schon 2013 für mobile Ställe entschieden. „Wir waren damit die Ersten in der Region“, erklärt der 25-Jährige. Immer dann, wenn eine eingezäunte Fläche abgegrast ist - im Sommer nach etwa zwei Monaten - wird der Standplatz verändert. Mit dem Traktor wird der Stall einfach ein Stück weitergezogen.

Bis zu 17 000 Eier pro Woche

Diese Mobilität hat natürlich ihren Preis. Pro Stallplatz müsse man etwa 100 Euro investieren, sagt Jenz. Zum Vergleich: Bei einem festen Stall sind es 60 bis 80 Euro. Das schlägt sich auf den Eierpreis nieder. Bis zu 3,40 Euro kostet das Zehnerpack der „Neckartaler Freilandeier“. Aber es gibt genügend Kunden, die diese Qualität schätzen. 16 000 bis 17 000 Eier werden pro Woche auf dem Lindenhof produziert. Vermarktet werden sie in vier Supermärkten und mehr als ein Dutzend Hofläden. Außerdem gibt es auf dem Hof einen Verkaufsautomaten.

Der Jungbauer ist stolz auf seinen Beruf. „Ich kann mir nichts anderes vorstellen“, sagt er. In Nürtingen hatte er das agrarwissenschaftliche Gymnasium besucht und anschließend Agrarwissenschaften in Hohenheim studiert. Vor zwei Jahren stieg er in den elterlichen Betrieb ein.

Mutter Sibylle betreut die Pferdepension mit zur Zeit 25 Pferden. Das Hauptgeschäft von Vater Werner sind Ackerbau und Grünland. So streng sehe man das jedoch nicht, sagt Max Jenz. „Bei einem Betrieb unserer Größe muss jeder alles machen können.“ Dankbar ist der 25-Jährige, dass auch seine Eltern immer bereit sind, neue Dinge auszuprobieren.

Nächstes Projekt werde die Umstellung auf regenerative Landwirtschaft sein, berichtet Max Jenz. Um den Humusgehalt der Böden zu steigern, werden verstärkt Zwischenfrüchte angebaut. Und der Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln soll reduziert werden.

Jenz will auch dieses Ziel mit Nachdruck verfolgen: „Bei den Pferden und den Hühnern haben wir schon viel optimiert. Jetzt wollen wir auch im Ackerbau besser werden.“

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