Zwischen Neckar und Alb

Der KJR auf Bewährung

Kreisjugendring Der Kreistag will sich mit dem Urteil über eine Öffnung des „Esslinger Modells“ bis 2019 Zeit lassen.

Esslingen. Es geht darum, die Kinder- und Jugendarbeit dem Wandel der Zeit anzupassen. Ein Thema, das im Kreis Esslingen zur Daueraufgabe wird, auch wenn sich das, was am Donnerstag im Kreistag auf dem Tisch lag, Abschlussbericht nennt. Wichtigste Erkenntnis: Der Standard, den der Kreis mit seinen Betreuungsangeboten und Jugendhäusern bietet, gilt als vorbildlich. Mit dem Kreisjugendring (KJR), der 31 solcher Einrichtungen unterhält, hat er zudem einen langzeiterprobten und verlässlichen Partner an der Seite, der nach umfangreichen Reformen und einem finanziellen Rettungspaket wieder auf stabilen Beinen steht.

Für viele Kreisräte war die Schieflage, in die der KJR vor zwei Jahren geriet, nicht nur Anlass für neue Strukturen, sondern auch dafür, Grundlegendes zu hinterfragen. Ein wesentlicher Punkt: die moderate Öffnung des „Esslinger Modells“, das dem KJR bisher eine Art Monopolstellung sichert. In den großen Kreisstädten, so der Vorschlag der Freien Wähler, sollte man auch anderen Trägern den Weg nicht verbauen. Eine strittige Frage, die schon mehrfach vertagt und am Donnerstag im Kreistag nun erneut auf die lange Bank geschoben wurde.

Verwaltung und Räte wollen sich und dem weiteren Planungsprozess Zeit lassen. Zeit, die auch der KJR bekommen soll. Um zu zeigen, dass sich inhaltliche Arbeit und neue Organisationsform mit zusätzlichem Geschäftsführer und neuem Verwaltungsrat vertragen. Bis Anfang 2019, dann soll ein Strich gezogen und nach fachlicher Bewertung die Konsolidierung endgültig abgeschlossen werden. Der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt: 2019 sind Kreistagswahlen. Man will sicherstellen, dass man nicht mitten im Galopp die Pferde wechseln muss. Dann wird auch die Frage nach dem Esslinger Modell neu auf den Tisch kommen. „Wir geben uns allen Zeit und dem KJR damit die Möglichkeit, sich zu bewähren“, stellte Landrat Heinz Eininger fest.

„Wiederholt falsch interpretiert“

Frank Buss, Sprecher der Freien Wähler, die als größte Fraktion eine Öffnung des „Esslinger Modells“ im November per Antrag ins Spiel gebracht hatten, schlug im Kreistag nun eher leise Töne an. Man wolle nicht an Grundfesten rütteln, sondern mehr Trägervielfalt in den Großen Kreisstädten mit ihrem differenzierten Angebot, sagte Buss. Eine beschränkte Öffnung auf maximal eine Einrichtung dort koste den Kreis nicht mehr Geld und berühre den KJR nur marginal. „Wir sind in diesem Punkt wiederholt falsch interpretiert worden.“

Nachdem die CDU noch im alten Jahr zumindest die Auswirkungen einer solchen Öffnung prüfen lassen wollte, sprach sich Fraktionschefin Ursula Merkle am Donnerstag klar dagegen aus. Die CDU fürchtet Qualitätsverlust. Nur der KJR als einheitlicher Träger sei in der Lage, ein bedarfsgerechtes Angebot in der Fläche sicherzustellen, schlug sich Merkle auf die Seite von SPD und Grünen.

Unabhängig davon errichtete der Kreistag am Donnerstag per Beschluss neue Leitplanken für den Ausbau der Kinder- und Jugendarbeit. So soll sich ab 2018 die Stellenzahl in Einrichtungen des Kreisjugendrings nach der Zahl der Jugendlichen in den Städten und Gemeinden richten. Gleichzeitig wird die Zahl der jugendhausähnlichen Einrichtungen in freier Trägerschaft von bisher 15 auf maximal 20 erhöht. Diese Angebote sollen sich künftig verstärkt auch an Kinder richten. „Die Lebensumstände haben sich geändert“, stellte Steffen Weigel (SPD) fest. Deshalb müsse nicht nur früher angesetzt, sondern die Angebote auch enger mit der Schulsozialarbeit gekoppelt werden. Bernd Köble

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