Zwischen Neckar und Alb

Der „König der Maultäschle“ verlässt Esslingen

Umzug Jörg Ilzhöfers Kochschule ist ab dem kommenden Jahr bei Tritschler am Stuttgarter Marktplatz zu Hause.

Zum Jahresende zieht Jörg Ilzhöfers Kochschule nach Stuttgart um.Foto: Roberto Bulgrin
Zum Jahresende zieht Jörg Ilzhöfers Kochschule nach Stuttgart um.Foto: Roberto Bulgrin

Esslingen. Kochen ist seine Leidenschaft, und es gibt nichts Schöneres für ihn, als seine Begeisterung an andere weiterzugeben. Seit sieben Jahren betreibt Jörg Ilzhöfer seine Event-Kochschule am Esslinger Hafenmarkt, die viele Esslinger nicht mehr missen mögen. Doch sie werden sich an den Gedanken gewöhnen müssen, dass „Ilzi“ und seine Lebensgefährtin Steffi Büsch das gastronomische Angebot der Stadt nicht ewig bereichern: Ende Dezember werden in der Kochschule die Lichter ausgeknipst, und viele wundern sich, weshalb eine derart erfolgreiche Institution schließt. Die Antwort ist simpel: Sechs- bis Sieben-Tage-Wochen mit bis zu 16 Stunden Arbeit täglich sind Jörg Ilzhöfer und Steffi Büsch zunehmend an die Substanz gegangen. Nun haben sie die Gelegenheit, ihre Kochschule bei Tritschler am Stuttgarter Marktplatz neu und nicht mehr ganz so kräftezehrend aufzustellen. Dass ihm der Abschied von seinen Stammgästen schwerfällt, gibt „Ilzi“ gerne zu.

Der 47-Jährige ist Esslinger durch und durch. Im „Dicken Turm“ hat er das Koch-Handwerk gelernt, hier hat er sich nach seinen Wanderjahren, die ihn durch viele Top-Hotels der Republik führten, 2010 seinen Lebenstraum erfüllt, eine Kochschule zu gründen. Ilzhöfer liebt es, sein reichhaltiges Wissen und Können zu teilen. Ob blutiger Laie oder ambitionierter Hobby-Koch - bei ihm kann jeder mit viel Vergnügen seine kulinarischen Kenntnisse erweitern.

Für viele Esslinger ist das „Ilzhö­fers“ ein zweites Esszimmer geworden: Man fühlt sich wohl und man trifft nette Leute, die ebenfalls das Gefühl haben, ein bisschen „zur Familie zu gehören“. Das ist auch seiner liebenswürdig-hilfsbereiten und sozialen Art zu danken: Ganz egal, ob er einem Hospiz-Bewohner als letzten Wunsch sein Leibgericht servieren darf, oder ob ein Benefizessen für die Vesperkirche auszurichten ist - Jörg Ilzhöfer gehört nicht zu denen, die bereitwillig anderen den Vortritt lassen, wenn es etwas zu tun gibt. Entsprechend schwer fiel ihm die Entscheidung, sich zum Jahresende vom Hafenmarkt zu verabschieden: „Da ist so manches Tränchen geflossen“, bekennt er frank und frei. „Und wenn ich an meine vielen Gäste und an die ganz besondere Atmosphäre am Hafenmarkt denke, wird bis Dezember noch manches Tränchen fließen.“

Wer den 47-Jährigen kennt, der weiß, dass das nicht übertrieben ist. „Aber es war eine gute Entscheidung der Vernunft“, bekennt Ilzhöfer. Denn die stressigen 16-Stunden-Tage haben ihren Tribut gefordert. Und eine Wirbelsäulenverletzung tat ein Übriges, um den Entschluss reifen zu lassen, dass er und seine Lebensgefährtin sorgsamer mit der eigenen Gesundheit umgehen sollten. Wahrscheinlich hätten die beiden sich noch Zeit gelassen, doch dann klopfte Thomas Breuninger, Geschäftsführer des Stuttgarter Traditionshauses Tritschler, bei Ilzhöfer an und bot die Chance, im Stammhaus am Stuttgarter Marktplatz eine Kochschule einzurichten. Ilzhöfer war klar: „Diese Gelegenheit kommt so rasch nicht wieder.“

Ilzhöfers Event-Kochschule in Stuttgart soll keine Abteilung von Tritschler werden, sondern ein eigenständiges Unternehmen, das er mit Thomas Breuninger gründet. „Ilzi“ will seiner Kochschule weiterhin seinen ganz eigenen Stempel aufdrücken: „Wer mich kennt, der weiß, dass ich immer mit Herzblut und 150-prozentigem Engagement arbeite - das wird auch in Stuttgart so bleiben.“ Doch die Rahmenbedingungen sind so, dass er künftig keinen Mittagstisch mehr anbieten muss, damit sich das Unternehmen trägt. „Das ist eine riesengroße Erleichterung für uns“, weiß Ilzhöfer. Seine Bandscheibe wird es ihm danken.Alexander Maier

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