Zwischen Neckar und Alb

Der Neue ist der Jäger vom Schurwald

Forst Daniel Ulmer ist der neue Wildtierbeauftragte im Kreis Esslingen. Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht und ist der Nachfolger von Sascha Richter. Von Simone Weiß

Daniel Ulmer ist als Wildtierbeauftragter für ein großes Gebiet zuständig. Foto: Roberto Bulgrin
Daniel Ulmer ist als Wildtierbeauftragter für ein großes Gebiet zuständig. Foto: Roberto Bulgrin

Kommunalpolitik? Nein. Daniel Ulmer winkt energisch ab. Nicht sein Ding. Er mag’s lieber grün. Raus ins Revier. Mit Rauhaardackel Luka im Forst unterwegs sein. Beim Walddurchstreifen kann er abschalten, Job und Büro hinter sich lassen. Obwohl - nicht ganz. Denn Freizeit und Beruf bilden bei dem 33-Jährigen eine Einheit.

Privat ist er Jäger mit Leib und Seele, hauptamtlich ist er der neue Wildtierbeauftragte des Landkreises Esslingen und damit Nachfolger von Sascha Richter, der Mitte letzten Jahres zum Bürgermeis- ter von Schlaitdorf gewählt wurde. Kommunaler Chefsessel statt Hochsitz. Bei Daniel Ulmer ist es umgekehrt. Er zieht den Hochsitz vor.

Er bezeichnet sich als „traditionellen Jäger“. Im Outfit - er benutzt Gewehre mit Holzschaft - und in der Einstellung. Jedes Tier ist ein Lebewesen, jeder Kreatur werde Respekt geschuldet, mit der Natur und der Schöpfung müsse sorgsam umgegangen werden. „Waidgerechtigkeit“ ist sein Stichwort. Jener Ehrenkodex für Jäger, der auch eine rechtliche Bedeutung hat. Und diese rechtlichen Bestimmungen sind wiederum Teil von Daniel Ulmers Job. Strenge Regeln für Abschusszahlen.

Die Stelle des Wildtierbeauftragten wurde im Landkreis Esslingen zum April 2015 als Schaltstelle zwischen der Verwaltung auf der einen sowie Jägern, Bürgern oder Jagdverpächtern auf der anderen Seite neu geschaffen.

80 Prozent der Anfragen an ihn, erklärt Daniel Ulmer, kommen von besorgten Einwohnern. Etwa, wenn sich Waschbären an ihrem Müll zu schaffen machen. Sie einen Fuchs in ihrem Garten entdeckt haben. Oder ein Marder um das Wohnhaus schleicht. Daniel Ulmer kümmert sich aber auch um die Jäger. Berät sie zu rechtlichen Fragen, wenn sie ein Stück Wald meist von einer Kommune oder einer Jagdgenossenschaft pachten wollen.

Daniel Ulmer weiß nicht genau, wo sein Beruf endet und sein Hobby beginnt. Und umgekehrt. Ist aber ein Riesenvorteil, meint er. Denn alle Belange der Jäger kennt er aus dem Effeff. In Waldhausen, einem Stadtteil von Lorch im Ostalbkreis, geboren, ist er dem Remstal und dem Schurwald treu geblieben und wohnt immer noch dort. In seiner Freizeit ist er nicht nur als Jäger, sondern auch als Feuerwehrmann und im örtlichen Maibaumverein engagiert. Der gelernte Straßenbauer fing gleich nach seiner Lehre beim Landratsamt in Esslingen an. Einige Jahre arbeitete er für die Untere Jagdbehörde.

Ein Großteil der Arbeit diene dem Naturschutz, der Hege des Reviers, dem Erhalt der Artenvielfalt und der Bepflanzung. Wildschweine zum Beispiel würden sich durch die milden Winter und ein Überangebot an Nahrung rasant vermehren. Und natürlich müssten eben zur Regulierung der Population Tiere getötet werden, doch das geschehe nicht willkürlich, sondern nach Vorgaben. Zunächst werde ein Bissgutachten im Revier erstellt und geschaut, wie der Verbiss an kleinen Bäumen aussehe. Auf der Basis dieser Untersuchung legten Pächter und Verpächter von Jagden dann die Abschusszahlen fest. Aber auch hier gelten strenge gesetzliche Regelungen. Große, braune Rehaugen erzeugen Mitleid. Gedanken- und gefühllos könne kein Jäger, auch kein sehr erfahrener, ein Tier erschießen: „Sonst läuft etwas schief.“ Aber Daniel Ulmer sieht auch die Notwendigkeit dahinter, und er ist als Hobbyjäger und als Wildtierbeauftragter mit Augenmaß, Respekt und Konzentration bei der Sache.

Anzeige