Zwischen Neckar und Alb

Der schwäbischen Seele auf der Spur

Das Freilichtmuseum stellt zum Saisonstart am 20. März die Identitätsfrage - Kleine Gäste im Fokus

Schwaben gelten gemeinhin als besonders ausgeschlafenes Völkchen. Dass das Beurener Freilichtmuseum in diesem Jahr früher als sonst aus dem Winterschlaf erwacht, liegt nicht nur an den frühen Osterferien. Zum Saisonstart am 20. März geht das Museum der Frage nach: Was ist „typisch schwäbisch?“

Nicht nur neue Besen kehren gut: KSK-Vorstandschef Burkhard Wittmacher, Museumschefin Steffi Cornelius, Landrat Heinz Eininger u
Nicht nur neue Besen kehren gut: KSK-Vorstandschef Burkhard Wittmacher, Museumschefin Steffi Cornelius, Landrat Heinz Eininger und der stellvertretende Museumsleiter Werner Unseld (von links) gestern bei der Ausstellungs-Premiere im Beurener Freilichtmuseum. Foto: Jean-Luc Jacques

Beuren. Der „schwäbische Olymp“ darf bleiben, weil sich die sprachtypische Verniedlichungsform schon im Sinne des besseren Sprachflusses verbietet. Den „schwäbischen Olymp“ erklimmt man über eine knarzende Holzstiege, die hinauf führt zum Heiligsten, was die hiesige Kulturgeschichte zu bieten hat: Erfinder und Tüftler, Unternehmer mit Weltruf oder Dichter und Denker wie Friedrich Schiller, dessen Büste lorbeerumkränzt auf einem Sockel ruht. Der Schrein ein wenig klein geraten – aber immerhin: „Der größte Schiller, den wir kriegen konnten“, versichert Ausstellungsleiter Werner Unseld mit einem Schmunzeln. Bescheidenheit ist eben auch eine schwäbische Tugend, und genau darum geht es schließlich.

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Sprachbesonderheiten, Rituale, Klischees - „Typisch schwäbisch“ eben. Die gleichnamige Sonderausstellung, mit der das Freilichtmuseum am 20. März in die neue Saison startet, will zeigen, wie sich der Schwabe selbst sieht und wie er von anderen wahrgenommen wird. Die schwäbische Identität zwischen Kehrwoche und Spardiktat, zwischen Wurstknöpfle und Trollinger ist das Thema auf 200 Quadratmetern Ausstellungsfläche in der Gärtringer Scheuer. Spannender Diskurs garantiert und sei es nur über die Frage, ob sich das Muckeseggele nun mit Doppel-G oder doch mit „ck“ schreibt, wie in Fischers schwäbischem Lexikon vermerkt. „Wir wollen die Eigenheiten des Schwäbischen kulturwissenschaftlich würdigen“, fasst es Museumsleiterin Steffi Cornelius zusammen. Da stört es auch wenig, dass die Chefin selbst eine Pfälzerin ist.

Der Themenblock „Land und Leute“ begleitet die Sonderausstellung mit 24 Veranstaltungen, Vorträgen und Mitmachaktionen durchs Jahr. Dazu gibt es eine Musikreihe, die Hopfensaal und Schafstall zur Konzertbühne machen. Vom Kammerorchester bis zur Punkrock-Band ist alles dabei. Auch hier gilt: handgemacht und aus der Region. An den sieben Großveranstaltungen im Jahr zu rütteln, gibt es schon mit Blick auf die Besucherzahlen keinen Grund. Neben Klassikern wie Moschtfescht, Schäfertage oder Oldtimertreffen gibt es im Mai einen Frühlingsmarkt für Pflanzenliebhaber.

Eine Zielgruppe haben die Museumsmacher in dieser Saison besonders im Visier: Die kleinsten Gäste. Das Freilichtmuseum soll familienfreundlicher werden. Neben den bereits bestehenden Angeboten der Pädagogikscheuer und kindgerechten Mitmachaktionen gibt es erstmals Führungen für Kinder in allen Schulferien. Orientierung bietet Maskottchen „Frieda Scheuchle“, die die Kleinsten durchs Programm führt. Wer überhaupt keine Lust mehr auf Museum hat, dem bleibt der Naturspielplatz am Bach auf dem Museumsgelände. Und noch etwas ist neu: Wer ausländische Gäste im Schlepptau hat, der tut sich künftig leichter. Der Audio-Guide wurde von den Museums-Volontären Annika Schröpfer und Daniel Hildwein komplett überarbeitet. Mit 44 zum Teil neuen Beiträgen und nun auch in Englisch und Französisch.

Dass die Eintrittspreise mit 17 Euro stabil bleiben, ist auch der Kreissparkasse zu verdanken, die zum elften Mal als Geldgeber mit im Boot sitzt und im vergangenen Jahr 140 000 Euro beisteuerte. Man wolle auch in Zukunft ein verlässlicher Partner sein, versichert Vorstandschef Burkhard Wittmacher. Landrat Heinz Eininger sieht das Museum auf einem guten Weg und hält die 75 000 Besucher im vergangenen Jahr als neue Zielmarke für realistisch, auch wenn er sich solche Hürden ungern setzt. „Wir wollen hier keinen Rummelplatz oder Freizeitpark schaffen“, sagt Eininger, der zudem weiß, wie sehr eine erfolgreiche Saison auch vom Wetter abhängt. „Schnee am Eröffnungssonntag oder ein Freibadsommer, und alle Kalkulationen sind dahin.“