Zwischen Neckar und Alb

Der „Seismograf“ und Vermittler geht

Abschied Peter Keck, Stimme des Landratsamtes, tritt nach 38 Jahren als Amtsleiter und Pressesprecher in Ruhestand.

Letztmals im Kreistag: Peter Keck geht in Pension.Foto: Wangner
Letztmals im Kreistag: Peter Keck geht in Pension.Foto: Wangner

Esslingen. Die Schwäbische Alb und ihre Ränder sind beides: Heimat und Aufgabenspektrum. Naturschutz, Tourismus, die Wirtschaft im prosperierenden Ne­ckartal, aber auch Kunst und Kultur, die hier einen festen Platz haben. Ein buchstäblich weites Feld, das Peter Keck zwischen seinem Wohnort Lenningen und dem Arbeitsplatz im Esslinger Landratsamt fast täglich durchstreift hat. 38 Jahre lang, davon 33 Jahre zunächst als Amtsleiter für den Kultur- und Schulbetrieb, dann im Amt für allgemeine Kreisangelegenheiten, wo in einer der größten Behörden im Land fast alle Fäden zusammenlaufen.

Die letzten 14 Jahre war er wahlweise die Stimme des Landratsamtes oder die seines Dienstherrn, des Landrats, als dessen persönlicher Referent. Doch Keck war weit mehr. Er war Ansprechpartner für die Presse, hat die Geschäftsstelle des Kreistags geleitet und die „kommunale Hotline“ verkörpert, als es galt, einen der bevölkerungsreichsten Landkreise der Republik durch die zwei schwersten Krisen zu manöv­rieren: vor fünf Jahren, als massenhafte Zuwanderung Verwaltungsmitarbeiter zu Getriebenen machte und seit Beginn der Pandemie im März.

Jetzt ist Schluss. Mit 63 Jahren verabschiedet sich Peter Keck in den Ruhestand, und dass er dies beim offiziellen Schlussakt am Donnerstag im Kreistag mit einem musikalischen Novum verknüpfte, spricht nicht nur für seinen Hang zur Muse, sondern auch für ein Heimatverständis, das vieles beschreibt, nur eines nicht: enge Grenzen. „Kein schöner Land“, vom Hobby-Musiker Peter Keck vorgetragen auf einem Dudelsack, das hatte es auch an einer gut bespielten Musikstätte wie der Filharmonie in Bernhausen, wo der Kreistag nach 20 Jahren erstmals wieder tagte, bis dahin vermutlich nicht gegeben. Typisch für ihn: Keck hatte das Instrument mit einem Virenfilter ausstatten lassen - behördlich genehmigt vom Esslinger Gesundheitsamt.

Dass es ihm nicht leicht fällt, seinen engsten Mitarbeiter ziehen zu lassen, daraus macht Landrat Heinz Eininger keinen Hehl. Keck ist in all den Jahren zum Vertrauten und Freund geworden. Ein Sprecher, der auch schweigen und zuhören kann. Diskretion und Vertrauen - beides sei viel wert, betont Eininger, „wenn es bisweilen einsam wird an der Spitze“.

In seiner Rolle als „stille Post“ und kluger Kommunikator, mit dem Gespür für den richtigen Zeitpunkt für politische Vorstöße und einem breiten Fachwissen in Verwaltungsfragen sei der gebürtige Esslinger auch für die Fraktionen im Kreistag zum wichtigen Berater und entscheidenden Bindeglied geworden. Ein „Seismograf“, wie es Grünen-Fraktionschefin Marianne Erdrich-Sommer als dienstälteste Rätin im Plenum beschreibt. Keck hat in fast vier Jahrzehnten im Kreis vieles mit angestoßen und es am Laufen gehalten. Die umfangreiche Kunstsammlung des Landkreises, als Mentor der Kunst-Stipendiaten, die im Kulturpark Merkel in neunter Generation eine Bühne erhalten, oder im Austausch mit den Landkreis-Partnern im polnischen Pruszkow und israelischen Givatayim. Wie sehr diese Bande mit dem Namen Peter Keck verknüpft sind, zeigt eine Reihe von Video-Botschaften enger Weggefährten, die bei der Verabschiedungsfeier eingespielt wurden, darunter auch Ran Kunik, der Bürgermeister von Givatayim.

Die Lücke hinter Keck schließen nun gleich zwei Leute: Chris­tian Greber (35) wechselt vom Landratsamt in Tuttlingen als neuer Amtsleiter an den Neckar. Neue Pressesprecherin seit 1. Juli ist Andrea Wangner, die zuletzt bei der Stadt Ostfildern für diese Aufgabe zuständig war. Das persönliche Referat des Landrats bleibt vorerst unbesetzt. Soviel Pietät muss sein. Bernd Köble

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