Zwischen Neckar und Alb

Der Traumjob kann die zweite Wahl sein

Ausbildung Die Arbeitsagentur rät, das wichtige Thema Berufswahl nicht nur mit Fachleuten und anderen Auszubildenden, sondern auch mit Familie und Freunden zu besprechen. Von Alexander Maier

Friseurinnen werden gesucht, obwohl vor allem viele junge Frauen an diesem Job Spaß haben.Archiv-Foto: Jean-Luc Jacques
Friseurinnen werden gesucht, obwohl vor allem viele junge Frauen an diesem Job Spaß haben. Archiv-Foto: Jean-Luc Jacques

Exakt 3 170 junge Menschen haben sich im vergangenen Jahr im Kreis Esslingen um einen Ausbildungsplatz bemüht - und viele hatten die Qual der Wahl. Denn bekanntlich sind Azubis derzeit so gesucht wie lange nicht.

Die große Nachfrage nach Bewerbern führt dazu, dass mittlerweile auch so mancher Schulabgänger eine Ausbildungschance bekommt, der bislang auf der Strecke geblieben war. Das macht die Ausbildung nicht einfacher, zumal die Anforderungen in vielen Berufen immer höher werden. Doch die Berufsberater der Arbeitsagentur stehen den jungen Leuten nicht nur bei der Berufswahl, sondern auch hinterher mit Rat und Tat zur Seite. Eine Fülle ausbildungsfördernder Angebote sorgt dafür, dass auch jene Azubis zu einem Abschluss kommen, die sich etwas schwerer tun.

Der sicherste Weg zum Ausbildungserfolg beginnt mit der richtigen Berufswahl. „Ich würde zunächst eine Bestandsaufnahme machen und darüber nachdenken, welche Interessen ich habe, was ich gut kann und ob ich Hobbys habe, die mir Hinweise auf meine Berufswahl geben“, erklärt Markus Knorpp, der Teamleiter der Berufsberatung in der Esslinger Arbeitsagentur. „Dann würde ich überlegen, welche Berufe dazu passen könnten und wie ich mich näher informieren kann. Meine Überlegungen sollte ich überprüfen - am besten durch Praktika oder Gespräche mit Betrieben oder Auszubildenden, die den Beruf bereits ausüben.“ Knorpp empfiehlt, in diesem Prozess nicht nur den Rat der Berufsberater zu suchen, sondern auch Familie und Freunde einzubinden.

Doch selbst bei gewissenhaftester Berufsentscheidung kann es dem einen oder anderen passieren, dass er merkt, aufs falsche Pferd gesetzt zu haben. „Dann sollte man umgehend einen Termin bei der Berufsberatung vereinbaren“, empfiehlt Knorpp. „Gerne helfen wir, zu klären, was schiefgelaufen ist und was man tun könnte.“ Keiner sollte die Flinte gleich ins Korn werfen: „Wenn man Probleme hat, muss das nicht zwangsweise den Abbruch der bisherigen Ausbildung bedeuten“, weiß der erfahrene Berufsberater. „Die Gründe, die zum Eindruck führen, aufs falsche Pferd gesetzt zu haben, können genauso vielfältig sein wie die Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen.“ Vielen hilft schulische Unterstützung für die Berufsschule in Form von ausbildungsbegleitenden Hilfen schon weiter, andere benötigen umfangreichere Unterstützung, die eine assistierte Ausbildung bieten kann. „Falls wir damit keine gute Lösung erreichen können, helfen wir ebenso gerne bei einer Umorientierung und der Suche nach einer neuen Ausbildungsstelle“.

Die ausbildungsfördernden Angebote der Arbeitsagentur werden oft und gerne wahrgenommen. Allein im Göppinger Arbeitsagenturbezirk, zu dem auch der Kreis Esslingen gehört, haben sich im vergangenen Jahr 132 junge Leute für eine außerbetriebliche Ausbildung entschieden, 55 Azubis nahmen an einer assistierten Ausbildung teil. Weitere 370 Jugendliche erhielten ausbildungsbegleitende Hilfen, die es ihnen erlaubten, bestimmte Defizite konkret anzugehen. Hinzu kamen 289 angehende Azubis, die sich über berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen das nötige Rüstzeug für eine Ausbildung holten, 54 Bewerber mit Defiziten entschieden sich für ein berufspraktisches Jahr.

Markus Knorpp freut sich, dass solche Angebote immer wieder gerne angenommen werden: „Die Agentur für Arbeit wirbt seit Jahren dafür, auch Jugendlichen mit Defiziten eine Chance zu geben und ausbildungsbegleitende Hilfen von Beginn der Ausbildung an in Anspruch zu nehmen. Für mich ist mittlerweile deutlich erkennbar, dass viele Ausbildungsbetriebe diesen Schritt machen. Jeder Auszubildende, dem wir zum Erfolg verhelfen können, ist ein Gewinn.“

Unterstützung für Auszubildende

Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen verschaffen Jugendlichen mit fehlender Ausbildungsreife fachliche und soziale Qualifikationen. Dabei hilft auch ein Praktikum.

Begleitende Hilfen können nützen, wenn eine Ausbildung in Gefahr ist, etwa wegen Theoriedefiziten in der Berufsschule. Diese Unterstützung ist auch schon zu Beginn der Ausbildung möglich.

Berufseinstiegsbegleitung kann Schüler mit besonderem Förderbedarf beim Übergang von der allgemeinbildenden Schule in eine betriebliche Ausbildung unterstützen.

Einstiegsqualifizierung bringt ein Praktikum allen, die auf Anhieb keinen Ausbildungsbetrieb gefunden haben. Zusätzliche Betreuung für benachteiligte oder lernbeeinträchtigte Jugendliche ist möglich.

Außerbetriebliche Ausbildung ist für lernbeeinträchtigte oder sozial benachteiligte Jugendliche gedacht, denen eine Regelausbildung ohne Hilfen nicht gelingt - etwa Migranten mit Sprachproblemen. Die Ausbildung findet in einem Betrieb statt. Zusätzliche Betreuung wird durch einen Bildungsträger angeboten.

Assistierte Ausbildung ist eine Option für lernbeeinträchtigte oder sozial benachteiligte Jugendliche, die eine Regelausbildung nicht meistern würden. Zunächst gibt es eine ausbildungsvorbereitende Phase von März bis zum Beginn des Ausbildungsjahres, dann folgt die ausbildungsbegleitende Phase in der betrieblichen Ausbildung.

Maßnahmen zur erweiterten Berufsorientierung bieten Einblicke in die Arbeitswelt.am

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