Zwischen Neckar und Alb

Der Trend geht zum Miet-Baum

Umwelt Es gibt mittlerweile viele verschiedene nachhaltige Varianten von Weihnachtsbäumen. Dazu gehören etwa Christbäume mit Wurzeln oder selbst gebastelte Exemplare aus Holz und Stahl. Von Simone Lohner

Weihnachtsbaum
Symbolbild Weihnachtsbaum

Er lebt rund acht Jahre und wird mit seinen Artgenossen kurz nach Weihnachten weggeworfen: der Christbaum. 2018 sorgten laut der Statistikplattform „statista“ rund 29,8 Millionen geschmückte Tannenbäume in Häusern, Wohnungen und Firmen für Weihnachtsstimmung. Neben der großen Menge an Müll, die im Januar durch die Bäume anfällt, kommt bei einigen Menschen die Frage auf, ob das jährliche Absägen der dunkelgrünen Tannen im Wald überhaupt nachhaltig ist und welche Alternativen es gibt.

Gärtnermeister Eberhard Jung hat sich deshalb mit seinem Team bereits vor sechs Jahren zusammengesetzt und eine Idee entwickelt, den Tannenbaum vor dem Mülleimer zu bewahren. „Wir bieten in unserer Baumschule Fichten und Nordmanntannen zum Mieten an“, sagt der 60-Jährige, der die Baumschule in Ostfildern in dritter Generation betreibt. Große, zwei Meter hohe Fichten, aber auch kleine Bäumchen werden im Topf angeboten. Die Kunden können gegen ein Drittel des Marktwertes den Baum mit den Wurzeln - eingetopft - mieten.

„Das ist aber nicht mit einem Mietauto zu vergleichen, denn die Bäume müssen gut gepflegt werden“, sagt Jung. „Sie brauchen eine ganz normale Pflege, das ist nicht von der Art abhängig.“ Dennoch gilt, dass sie nur eine kurze Zeit in der warmen Wohnung sein dürfen und nach rund zehn bis 14 Tagen wieder an die frische Luft müssen. Im Topf braucht ein Baum dann gleichmäßig Feuchtigkeit, das Wasser darf aber nicht im Übertopf stehen. Bäume, die nicht abgesägt, sondern mit den Wurzeln ausgegraben wurden, können nach den Festtagen auch in den eigenen Garten gepflanzt werden. „Unsere Bäume besitzen qualitativ hochwertige Kulturwurzeln“, erklärt Jung. Gerade bei Tannen ist das Ausgraben schwierig. „Es ist sehr aufwendig, denn die Pflanzen müssen unbedingt die Faserwurzeln behalten.“

Der Gärtnermeister, dessen Familie die Baumschule 1922 gegründet hat, setzt auf altbewährte Anbaumethoden: „Wir machen regelmäßig einen Flächen- beziehungsweise Kulturwechsel.“ Das bedeutet, dass nachdem die Tannen ausgegraben oder abgesägt werden, nicht dieselbe Art wieder dort ausgepflanzt wird, sondern eine andere. Damit würden die Bäume auf natürliche Art weniger stressfrei und in unverbrauchtem Boden wachsen. Nach jahrelanger intensiver Vorbereitung kann der 60-Jährige in diesem Jahr zum ersten Mal die Bäume vermieten. „Die Nachfrage war da“, sagt Jung. Er habe die Erfahrung gemacht, dass vor allem naturverbundene Menschen das Angebot annehmen.

Die Christbäume im Topf werden mit einer Schnur zusammengebunden, nicht mit einem Netz. Ein weiterer nachhaltiger Aspekt, denn abgesägte Tannen werden in der Regel in Plastiknetze gepackt. Dafür hat Martin Hecklismüller von der Ölmühle Lichtenwald eine Lösung gefunden. „Wir haben Baumwollnetze mit einem Durchmesser von 50 bis 60 Zentimeter“, sagt der 69-Jährige. „Diese Netze kann man dann kompostieren.“ Hecklismüller pflanzt in Lichtenwald verschiedene Arten von Tannenbäumen an, die pünktlich zum Fest zwar abgesägt werden. Allerdings verzichtet der 69-Jährige beim Anbau auf chemische Dünger oder Spritzmittel und mäht die Felder mechanisch. Neben den heimischen Tannen auf seinen Feldern, bietet die Ölmühle auch Nordmanntannen in Premium-Qualität aus Dänemark an - wohl, um die Nachfrage zu decken. Laut „statista“ werden jährlich über zwei Millionen Bäume aus dem Ausland importiert - damit jeder am 24. Dezember einen Weihnachtsbaum im Wohnzimmer stehen hat.

Apropos Dänemark: Der dänische Fair Trade Verband hat vor einigen Jahren ein neues Mitglied gewonnen: die „Fair Trees“. Aus ganz Europa werden mit diesem Label fair gehandelte Weihnachtsbäume verkauft. Denn: Um an die Samen für die Tannenbäume zu gelangen, müssen Arbeiter in Georgien auf rund 30 Meter hohe Bäume unter schwierigen Bedingungen klettern. Dort in der Höhe sind die Tannenzapfen zu finden. Waghalsige Kletteraktionen um jeden Preis? Mit dem Kauf eines „Fair Trees“, werden laut dem Verband sowohl die Arbeitsbedingungen der Zapfenpflücker in Georgien verbessert als auch ökologische Samen gewährleistet. Auch im Landkreis Esslingen gibt es Weihnachtsbäume mit „Fair Tree Label“ zu kaufen.

Dass es nicht unbedingt eine dunkelgrüne Tanne zum Fest sein muss, zeigt ein Blick in die sozialen Netzwerke. Auf den Plattformen Pinterest, Youtube oder Instagram werden in der Vorweihnachtszeit etliche Anleitungen für Alternativbäume präsentiert. Holz, Stahl oder eine einfache Lichterkette - die Kreationen sind vielfältig. Mit etwas handwerklichem Geschick entstehen aus Palettenmöbeln, Ästen oder anderem Material Bäume. Eines haben die Alternativen gemeinsam: Jedes Jahr können sie wieder aus dem Keller geholt und aufgebaut werden.

Weitere Infos zu fair gehandelten Christbäumen gibt es online: www.fairtrees.de

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