Zwischen Neckar und Alb

Die achte Sabrina findet ihren Platz

Jubiläum Wie Industriegeschichte und aktuelle Kunst, wie „Refugium“ für Bürger und fröhliches Feiern zusammenpassen, konnte man im Kulturpark Dettinger in Plochingen erleben. Von Karin Ait Atmane

Gäste bewundern die Kunstwerke der Landkreisstipendiaten in der Alten Steingießerei.Foto: Karin Ait Atmane
Gäste bewundern die Kunstwerke der Landkreisstipendiaten in der Alten Steingießerei. Foto: Karin Ait Atmane

Eintauchen ins Grün eines gewachsenen Parks, eintauchen in Kunst und Geschichte: Nach einem Ambiente wie dem des Dettinger Parks in Plochingen muss man lange suchen. Bei der langen Kunstnacht am Freitag und dem Parkfest am Sonntag zeigte das Gelände seine besonderen Reize und ließ sich und sein 25-jähriges Bestehen stimmungsvoll feiern.

Das zentrale Produktionsgebäude von einst mit seinen verschiedenen Räumen, den verwinkelten Gängen und offenliegenden Dachbalken sei eigentlich noch so wie damals, als die Stadt es übernahm, erinnerten sich Besucher. Abgesehen von seinem Innenleben, das heute aus den Künstlerateliers besteht. In ihnen waren am Wochenende wohl einige Hundert Besucher zu Gast und entdeckten zum Beispiel bei Manuela Tirler, wie organisch-rostiger Baustahl aussehen kann, oder bei Elsa Farbos, welches Eigenleben Nylonstrümpfe und Gips entwickeln.

Textile Kunstwerke

Was Verena Könekamp in ihrem Atelier über Siebdruck und die Entstehung ihrer textilen Kunstwerke erklärte, wurde im Kleinen draußen im Hof umgesetzt: Jochen Detscher vom Künstlerhaus Stuttgart bedruckte am Siebdruckkarussell T-Shirts und Taschen mit Motiven aus dem Dettinger Park, zum Beispiel einem Mühlstein oder einer Fenstersilhouette aus der Alten Steingießerei. Textildesignerin Könekamp und Bildhauer Wolfgang Thiel haben zusammen eine Reihe der Fahnen geschaffen, die am Wochenende an den historischen Gebäuden hingen. Sie variieren das Motiv eines alten Steinbrechers, der noch im Park steht. Dazwischen wehten die individuell gestalteten Fahnen der anderen Künstler.

Auf dem Bouleplatz eröffneten Landrat Heinz Eininger und Bürgermeister Frank Buß die neue Ausstellung in der Alten Steingießerei: 35 der bisher 41 Landkreis-Stipendiaten sind mit einem Werk vertreten. Ein beachtlicher Teil von ihnen war anwesend.

Die Geschichte des Parks ließ am Sonntag Stadtführer Willi Stuhler lebendig werden, unter anderem in der Remise, in der noch viele Überbleibsel aus der Mühlsteinfabrik stehen. Kunst und Geschichte werden von der Musik ergänzt: Der Musikverein Stadtkapelle und die Harmonikafreunde haben ehemalige Verwaltungsräume renoviert.

Lange Kunstnacht

In der langen Kunstnacht griff die Hausband in Saiten und Tasten: „Us and Them“ sind der Initiative Mahlwerk, die im „Pferdestall“ des Parks ansässig ist, eng verbunden und schon fast seit Beginn Teil der Gemeinschaft. Der melodiöse Rock schwebte über dem Gelände, auf dem Familien auf dem Spielplatz und Rasen spielten.

Auch Opernklänge fanden ihre Fans. In Thiels „Bildhauergärtle“ ließ die Sängerin Mariel Ann Keitel Mozartlieder erklingen und die Zuhörer vor dem Lattenzaun zu „Zaun-Gästen“ werden. Sie sang auch bei der Enthüllung der achten Thiel-Dame in Plochingen: Die Frauenfigur mit dem kleinen Kopf und den breiten Schultern weist jetzt den Weg in den Kulturpark. Sie hat bereits sieben Schwestern, die an anderen Orten in der Stadt als Wegweiser dienen. Der Künstler und der Bürgermeister erzählten in gelöster Stimmung die Geschichte dieser „Sabrinas“, deren Modell, so Thiel „mit der Kettensäge aus Holz geschnippelt“ und dann mittels eines Silikonabdrucks in Beton gegossen wurde, sodass es „alle Ewigkeit überdauern“ könne. Immerhin schon 22 Jahre stehen die anderen Damen im Licht der Öffentlichkeit, denn sie wurden damals über Sponsoren finanziert. Die achte Sabrina fand nun auch endlich ihren Platz.

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