Zwischen Neckar und Alb

Die Altersmedizin legt einen sportlichen Start hin

Medizin Hier werden Patienten therapiert, mobilisiert und beraten: In der Abteilung Altersmedizin in der Medius-Klinik Ruit herrscht seit der Eröffnung Hochbetrieb. Von Roland Kurz

Nur wenige Tage nach der Eröffnung war die neue Station Altersmedizin an der Ruiter Medius-Klinik voll belegt. „Die große Nachfrage zeigt, dass es höchste Zeit war, eine spezielle Klinik für ältere Menschen einzurichten“, sagt Chefarzt Rom Andrej Zeyfang in der ersten Bilanz nach 100 Tagen. Bisher kann Zeyfang 15 Betten belegen, für die Ausweitung auf 20 Betten ist er noch auf Suche nach Personal.

Der Altersdurchschnitt von Zeyfangs Patienten liegt bei 84 Jahren, der älteste bislang war 97. Oberschenkelhalsbruch ist ein typischer Grund, warum die Patienten in die Klinik kommen, aber in der Regel bringen alte Menschen eine Reihe von Nebendiagnosen mit: Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, Diabetes, Anzeichen von Verwirrtheit, Mangelernährung. Genau das ist der Grund, weshalb die Akut-Geriatrie eingerichtet worden ist.

Nicht nur der Bruch wird behandelt, sondern der ganze Mensch wird therapiert, mobilisiert und beraten, damit er anschließend zu Hause wieder selbstständig klarkommt. Deshalb arbeitet in der Altersmedizin ein interdisziplinäres Team aus Ärzten, Pflegekräften, Ergo- und Physiotherapeuten sowie Ernährungsberatern zusammen. Mehr noch, die Altersmedizin ist ein Angebot für das gesamte Krankenhaus. „Der Wunsch nach einer spezialisierten Therapie für Ältere kam aus unseren Abteilungen“, sagt Klinikleiter Sebastian Krupp. Etwa 300 000 Euro haben die Medius-Kliniken in den Umbau einer Station investiert, zudem ein Therapeuten-Team zusammengestellt.

Unterstützung in der Abteilung

Chefarzt Zeyfang hat seit Kurzem auch eine Oberärztin zur Seite. Monika Doufrain leitete zuvor zehn Jahre lang den Geriatrischen Schwerpunkt in Ludwigsburg. Sie will insbesondere ihre Kenntnisse über den Bewegungsapparat, manuelle Therapie, Schmerzlinderung und Osteopathie einbringen. „Ich möchte alte Menschen, die meist schon viele Medikamente nehmen, möglichst ohne weitere Medikation unterstützen“, sagt Doufrain.

Technische Hilfsmittel auf der neuen Station erleichtern den Patienten den Aufenthalt und dem Personal die Arbeit. Zeyfang weist auf die hellen LED-Leisten im Flur hin. Abends wird das Licht gedimmt, damit Patienten mit Wahrnehmungsstörungen der Übergang der Tageszeit deutlich wird.

Eine 87-jährige Patientin fährt gerade mit ihrem Rollator an eine Hochbank, von der sie wieder problemlos aufstehen kann. Die Funkklingeln mit rotem Knopf findet jeder Patient, wenn er Hilfe benötigt. Antirutschsocken sind ein kleiner Beitrag, um Stürze zu verhindern.

Stürze und Gebrechlichkeit sind ein zentrales Thema in der Altersmedizin. In der letzten Lebensphase beeinträchtigt die Gebrechlichkeit die Lebensqualität enorm. Deshalb spielt nicht nur die Mobilisierung während des Klinikaufenthalts eine wichtige Rolle. Zeyfang will zudem die Prävention vorantreiben. Er arbeitet in einem von der EU unterstützten Projekt gegen Gebrechlichkeit mit. Aus den besten Trainingsprogrammen aus fünf Ländern wurde ein Handbuch zusammengestellt, das die Übungsleiter am Vitalcenter des Ruiter Krankenhauses bereits einsetzen. Jeder Patient erhält ein Training, das speziell auf seine Einschränkungen abgestimmt ist. Obwohl es die Kassen noch nicht zahlen, gebe es bereits Interessenten dafür, so Zeyfang.

In den nächsten Jahren soll das Ruiter Krankenhaus saniert und ausgebaut werden. Klinikleiter Krupp will dann die Akut-Geriatrie auf 40 Betten aufstocken. Krupp hofft, dass der Förderantrag in den nächsten Monaten bewilligt wird. Die Modernisierung des Hauses wird allerdings mehr als fünf Jahre in Anspruch nehmen. Parallel dazu werde man überlegen, wie man an den Medius-Standorten in Nürtingen und Kirchheim mit dem Thema Altersmedizin umgehe.

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