Zwischen Neckar und Alb

Die Angst fährt doppelt mit

Wirtschaft In Corona-Zeiten haben Taxifahrer aus zwei Gründen ein schweres Los. Die Umsätze brechen drastisch ein und noch schlimmer – sie wissen nie, ob Infizierte ins Auto steigen. Von Dominic Berner

Der 80-jährige Taxifahrer Otto Krischke beobachtet die Corona-Krise mit besonderer Sorge. Foto: Dominic Berner
Der 80-jährige Taxifahrer Otto Krischke beobachtet die Corona-Krise mit besonderer Sorge. Foto: Dominic Berner

So etwas hat der Esslinger Taxifahrer Otto Krischke, 80, noch nie erlebt - und er macht diesen Job schon seit 44 Jahren. Noch nie habe etwas so sehr das Geschäft geschädigt, wie die Corona-Pandemie zurzeit. Nicht nur, dass die Fahrgäste ausbleiben, auch die Taxifahrer fühlen sich unsicher. Sie wissen nicht, wer ins Auto steigt, geschweige denn, wie es dem Fahrgast gesundheitlich geht. Die Taxibranche sieht sich in Gefahr.

Krischke wirkt gelassen, macht Scherze. Allerdings wird schnell klar, dass sich der 80-Jährige Sorgen macht: „Das Coronavirus ist vor allem für ältere Leute gefährlich und schauen Sie mich an - ich bin auch nicht mehr der Jüngste“, sagt Krischke. „Klar, es gab in der Vergangenheit auch schon schwere Grippe-Wellen. Doch im Gegensatz zu Corona haben wir Medikamente dagegen.“

Es liegt in der Natur der Sache, dass er als Taxifahrer viel Kontakt zu vielen Menschen hat. Deshalb achtet Krischke penibel darauf, sich häufig die Hände zu waschen. „Besonders beim Thema Geld muss man aufpassen“, sagt er. Ansonsten könne er nur hoffen, dass seine Fahrgäste nicht infiziert sind. Ablehnen darf er die Fahrt nämlich nur in bestimmten Ausnahmesituationen, daran erinnert der Bundesverband Taxi- und Mietwagen (BZP) in einer Stellungnahme zur Corona-Pandemie. Demnach dürfe er den Transport verweigern, wenn der Kunde zugibt, mit dem neuartigen Virus infiziert zu sein. Ansonsten gilt das Personenbeförderungsgesetz, das sagt: Taxen sind dazu verpflichtet, Personen zu befördern.

Die Gesundheit geht vor, das sagen alle befragten Taxifahrer einstimmig. Aber danach kommt gleich das täglich‘ Brot: Auch aus finanziellen Gründen sind die Unternehmen in Bedrängnis. „Unsere Umsätze gehen gerade um teils mehr als 50 Prozent zurück, das muss man sich mal vorstellen“, sagt Kazim Celebi, Geschäftsführer der Taxizentrale Esslingen. „Wir leiden enorm unter der Pandemie. Die Leute bleiben zu Hause.“ Auch der Geschäftsführer von Taxi Ritter in Esslingen, Theodoridis Nikolaos, berichtet von Einbußen und dem Druck, der damit einhergeht. „Die Taxifahrer können und dürfen nicht wählerisch sein. Sie müssen schon aus wirtschaftlichen Gründen jeden Fahrgast annehmen.“

Der BZP spricht von bis zu 40 Prozent Umsatzrückgang von Taxiunternehmen in deutschen Großstädten. Der Verband fordert deshalb Unterstützung von Bund und Ländern. Zunächst sollten Eigentümer von ÖPNV-Monats- und Jahrestickets, zum halben Preis Taxi fahren dürfen. Das sei nicht nur gut für die Betreiber, sondern auch für die Fahrgäste. Immerhin sei die Infektionsgefahr in einem Taxi geringer als in einem Bus beispielsweise. Die zweite Stufe betrifft die Sozialbeiträge, deren Meldung bis zum 25. März fällig ist. Laut BZP müssen Fahrer und Unternehmen die Möglichkeit haben, diese Beiträge aufzuschieben. Im dritten Schritt sei eine Liquiditätsbeihilfe in Höhe von 1500 Euro pro Monat pro Fahrzeug notwendig. Ohne diese Hilfe müsse man davon ausgehen, dass viele Taxiunternehmen in die Insolvenz abrutschen.

Tatsächlich hat die Bundesregierung vergangene Woche mit dem Vier-Säulen-Schutzschild zur Abfederung der Corona-Krise „wichtige und sinnvolle erste Schritte“ eingeleitet, wie der BZP erklärte. Dieses Schutzschild kommt den Taxifahrern besonders in den Punkten Aufschub der Sozialbeiträge und Liquiditätssicherung durch günstige Kredite entgegen. Doch das reiche nicht. Bei diesen Schritten gehe es nur darum, Zahlungsverpflichtungen in die Zukunft zu verschieben. Eine sehr kurzfristige Lösung bei derartigen Umsatzausfällen.

Im Fall Otto Krischke sind die wirtschaftlichen Auswirkungen jedoch eher zweitrangig. In erster Linie gehört er mit seinen 80 Jahren zur Coronavirus-Risikogruppe. Er ist sich sicher: „Nicht mehr lange, dann werde ich auf jeden Fall zu Hause bleiben.“

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