Zwischen Neckar und Alb

Die Betroffenheit bei den Mitarbeitern ist groß

Wirtschaft Die Balluff-Belegschaft in Neuhausen will um ihre Arbeitsplätze am Stammsitz kämpfen.

Balluff-Beschäftigte wehren sich gegen den angekündigten Stellenabbau bei dem Unternehmen. Foto: IG Metall Esslingen
Balluff-Beschäftigte wehren sich gegen den angekündigten Stellenabbau bei dem Unternehmen. Foto: IG Metall Esslingen

Neuhausen. „Die Leute sind ziemlich geschockt“, beschreibt Gewerkschaftssekretärin Monica Wüllner die Stimmungslage bei Balluff. Wie berichtet, hat das Unternehmen angekündigt, die Fertigung am Stammsitz in Neuhausen auf den Fildern zu schließen und nach Ungarn und China zu verlegen. Rund 200 der mehr als 1000 Stellen fallen weg.

„Die Betroffenheit bei den Mitarbeitern ist sehr groß“, so Wüllner. „Gleichzeitig gibt es ein unglaubliches Bedürfnis, für die Arbeitsplätze zu kämpfen.“ Und das hat die Belegschaft mit einer Kundgebung vor dem Betrieb unter Beweis gestellt. Mitgemacht haben laut Wüllner rund 100 Beschäftigte. Die Teilnehmerzahl klingt nur auf den ersten Blick gering. Die meisten Mitarbeiter sind derzeit im Homeoffice. Der Betriebsrat hat am Montag außerdem zu zwei Abteilungsversammlungen eingeladen. Denn als die Hiobsbotschaft vergangene Woche von der Geschäftsleitung mitgeteilt wurde, habe der Betriebsrat laut Wüllner bewusst nicht teilgenommen, um so zu signalisieren, dass er nicht hinter der Umstrukturierung steht.

Die IG Metall Esslingen kritisiert, dass keinerlei Versuche unternommen worden seien, die Fertigung in Neuhausen zu erhalten. Die Unternehmensführung hatte kurzfristige Maßnahmen wie Kurzarbeit oder Arbeitsplatzsicherung ausgeschlossen, der Krise müsse man mit einem Strukturwandel begegnen.

Der Stammsitz Neuhausen soll nun zu einem Innovations- und Kompetenzzentrum ausgebaut werden. „Aus unserer Sicht ist das nicht verständlich“, sagt Wüllner. Es gebe sehr gute Argumente, die Fertigung hierzubehalten. Wirtschaftlich sei die Verlagerung ohnehin nicht notwendig.

Die Gewerkschaftssekretärin ist kämpferisch: „Das werden wir so nicht hinnehmen. Es gibt noch sehr viele Fragen zu klären.“ Erst vor gut zwei Jahren hatte das Unternehmen angekündigt, den Standort zu stärken und ein neues Gebäude für rund 1250 Beschäftigte zu bauen.

Ingo Hacker, Bürgermeister von Neuhausen, wollte sich noch nicht zu den Entwicklungen äußern. In den nächsten Tagen werde er die Balluff-Geschäftsleitung zu einem Gespräch treffen, davor nehme er öffentlich keine Stellung. Besorgt zeigte sich Esslingens Landrat Heinz Eininger: „Es ist bedauerlich, dass innerhalb kürzester Zeit das zweite Unternehmen im Landkreis Arbeitsplätze ins Ausland verlagert“, sagte er, auch mit Blick auf Eberspächer. Der Transformationsprozess in der Automotive-Branche sei ein Thema. „Das Zusammentreffen mehrerer Faktoren erschwert es jedoch zunehmend, den Transformationsprozess zu gestalten und wirkt sich damit negativ auf die Arbeitsmarktlage aus“, so Eininger. Petra Pauli

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