Zwischen Neckar und Alb

Die Ehe - ein Fall fürs Museum

Fotos: Gennio Silviani und Pixabay
Fotos: Gennio Silviani und Pixabay

Über die Aktualität der Ehe lässt sich trefflich streiten. Einerseits grassiert derzeit ein mords Hype um Hochzeiten, der sich unter anderem in Ehe-Messen, Ehe-Beratern und einem wahren Boom an trendigen „Locations“ niederschlägt. Dort kann der Bund stilecht vermeintlich fürs Leben geschlossen werden, in Wahrheit oft nur für einen Lebensabschnitt.

Schnöde Zahlen belegen denn auch, dass die Ehe als Lebensform längst nicht mehr so gefragt ist wie früher: Laut Statistischem Bundesamt hat sich die Zahl der Eheschließungen in den letzten 50 Jahren halbiert. Ist die Ehe also ein Fall fürs Museum?

Ja, lautet die Antwort ganz klar. Genauer: ein Fall fürs Freilichtmuseum des Kreises in Beuren. Das Museumsdorf hat sich der Überlieferung ländlicher Kultur verschrieben - ein Rahmen, in dem die Ehe durchaus große Bedeutung hat. Von der Liebesheirat allerdings war man im 19. Jahrhundert hierzulande noch weit entfernt. „Sach zu Sach“ lautet gemäß Museumsleiterin Steffi Cornelius das wenig romantische Grundprinzip, das das Überleben sicherte: Gerade in Zeiten der Realteilung war es durchaus sinnvoll, kärgliche Besitzstände zusammenzuführen, um der Familie auf diese Weise das Auskommen zu sichern.

Doch beileibe nicht jedem Paar war die Ehe vergönnt: „Das Bürgerrecht hat nur bekommen, wer nachweisen konnte, dass er eine Familie unterhalten konnte“, erläutert Steffi Cornelius. Wer das nicht schaffte, durfte nicht heiraten. Man lebte dann halt so zusammen, damals schon.

Im 20. Jahrhundert änderten sich die Zeiten. Stolz ist die Museumschefin auf das historische Standesamt, das das Museumsdorf im Rathaus aus Häslach beherbergt. Es stammt aus dem Jahr 1963 - einem Eheboom-Jahr in Deutschland. „Wenn ein Paar heiraten wollte, brachte der Bürgermeister von zu Hause eine Schallplatte mit der Toselli-Serenade opus 6.1 mit“, verrät (Ehe-)Fachfrau Cornelius. Die Platte wurde dann auf den Dual-Plattenspieler gelegt, die Stimmung war perfekt, und das Paar gab sich unter den Augen von Bundespräsident Theodor Heuss das Ja-Wort.

Ab 2018 schleicht nun erneut der Standesbeamte ums improvisierte Trauzimmer, zumindest kommt er persönlich ins Museumsdorf. Aus Platzgründen breitet er seine Formulare nicht in der engen Amtsstube im Häslacher Rathaus aus, sondern im schmucken Hopfensaal im Bauernschloss aus Öschelbronn (Foto), barrierefrei und geräumig. Angebot trifft hier auf Nachfrage, doch nur was rar ist, bleibt begehrt. So geizt der Standesbeamte mit Terminen und hat sich für die Sommer 2018 und 2019 gerademal acht Freitage frei gehalten. Wie das Landratsamt mitteilt, sind zwei davon schon ausgebucht. Klare Sache: Das Museum macht sich hip und die Trauwilligen samt museumsinteressierter Besucherschar stehen Schlange. Die Ehe ist im Kreis Esslingen endgültig museumsreif - und das im besten Sinne des Wortes.Irene Strifler

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