Zwischen Neckar und Alb

„Die Ernte war wieder eine Zitterpartie“

Landwirtschaft Trotz extremer Wetterkapriolen gibt es durchschnittliche Erträge im Land. Die Filderbauern erwarten einen Rekord bei der Krauternte. Von Harald Flößer

Zu Wochenbeginn war die Getreideernte wegen des Wetters noch nicht überall vorbei. Foto: Markus Brändli
Zu Wochenbeginn war die Getreideernte wegen des Wetters noch nicht überall vorbei. Foto: Markus Brändli

Wetterextreme wie Starkregen, Frost oder Hagel haben den Bauern dieses Jahr schwer zu schaffen gemacht. Vor allem die Frostnächte im April richteten in den Obstplantagen und Weinbergen zum Teil massive Schäden an. Dennoch verzeichneten die Landwirte in Baden-Württemberg insgesamt recht passable Erträge. Das gilt auch für den Landkreis Esslingen. Von einer „durchschnittlichen Ernte“ berichtete Tobias Briem gestern bei einer Pressekonferenz des Landesbauernverbandes (LBV) auf seinem Betrieb bei Bernhausen. Der 30-Jährige betreibt dort einen für die Filder typischen Hof mit dem Anbau von Kohlgemüse, Salat und Getreide. Bei der Krauternte erwartet Briem ein Rekordergebnis. „Da liegen wir sicher deutlich über dem Vorjahr“, sagte er. Für seine Salate erlöste er wegen des deutschlandweit großen Angebotes aber zum Teil niedrigere Preise als 2016. Unwetter in anderen Regionen hätten dann doch wieder zu höheren und durchschnittlichen Erlösen geführt.

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„Die Ernte ist dieses Jahr erneut eine Zitterpartie für viele Betriebe gewesen“, sagte LBV-Präsident Joachim Rukwied. Gerade zum Start erschwerten regelmäßige Niederschläge die Arbeiten auf den Feldern. Zu Wochenbeginn war nach Erhebungen des Landesbauernverbandes die Getreide- und Rapsernte wegen der schwierigen Wetterlage landesweit noch nicht überall abgeschlossen. „Die anhaltenden Niederschläge sind für uns Ackerbauern nervenaufreibend. Wir mussten dieses Jahr jede kleine Trockenphase nutzen, um das Getreide sprichwörtlich vom Feld zu stehlen“, so Rukwied. Er sprach deshalb von einer „Schnappernte“. In Spätdruschgebieten wie der Schwäbischen Alb oder Oberschwaben stünden Teile des Getreides immer noch auf dem Halm. Die Folge seien Qualitätseinbußen, weil der Weizen dann oftmals nur noch für Futterzwecke zu verwenden sei. Die Preise für den Weizen lägen leicht über dem Vorjahr, so Rukwied.

Guter Start im Winter

Mit dieser Zitterpartie wird nach Aussagen des LBV-Präsidenten ein Anbaujahr mit vielen Schwierigkeiten abgeschlossen. Dabei habe es gut begonnen. Die Getreidebestände seien gut aus dem Winter gekommen und hätten sich ordentlich entwickelt. „Anfang Juni, in einer für den Getreideertrag wichtigen Entwicklungsphase, hatten wir Temperaturen von mehr als 35 Grad Celsius. Diese Hitzeperiode hat uns richtig Ertrag gekostet.“ Vor allem der Weizen habe unter den sehr hohen Temperaturen gelitten. Andere Kulturen wie Winter- oder Sommergerste waren meist nicht so stark betroffen. „Aufgrund der Wetterextreme schwanken die Ernteergebnisse dieses Jahr je nach Region stark“, so der LBV-Präsident. Trotz allem habe man übers gesamte Land gesehen noch eine durchschnittliche Getreideernte einfahren können.

Mit einem blauen Auge sei man beim Raps davongekommen. Durch anhaltende Trockenheit im Herbst habe der Raps schwierige Startbedingungen gehabt. Die Bestände seien nicht optimal aus dem Winter gekommen. Doch trotz widriger Wachstumsbedingungen habe der Raps durch sein großes Kompensationsvermögen höhere Ertragsverluste verhindern können.

Obst und Wein hatten nach Aussagen Rukwieds durch die freundlichen Temperaturen im März einen Wachstumsvorsprung. Die Ernüchterung sei im April gekommen, als der starke Frost zu regional großen Schäden im Obst- und Weinbau geführt habe. „Im Obstbau dürfte die Menge so gering ausfallen wie seit 30 Jahren nicht mehr. Wir gehen nur noch von 40 Prozent einer normalen Ernte aus. Einzelne Betriebe hat es teilweise noch viel härter getroffen. Sie ernten vielleicht noch zehn Prozent des Normalertrags“, sagte Rukwied. Das gelte vor allem für viele Obstbaubetriebe rund um den Bodensee. Die diesjährige Apfelernte werde wohl die schlechteste seit 1991 sei. Erhebliche Schäden habe es auch bei Birnen und Kirschen gegeben.

Ähnlich stark betroffen durch den Frost seien viele Weinbaubetriebe im Land. Die Einbußen schwankten je nach Region zwischen 10 und 60 Prozent. Im Mittel rechnet der LBV im Weinbau mit einem Frostschaden von 25 Prozent. Durchschnittliche Erträge gibt es nach Angaben des Landesbauernverbandes dagegen bei der diesjährigen Kartoffelernte.