Zwischen Neckar und Alb

Die Kundennähe bleibt der Wachstumsmotor

Bilanz Die Volksbank Kirchheim-Nürtingen steigert das betreute Kundenvolumen auf über vier Milliarden Euro.

Nürtingen. Trotz Niedrigzinspolitik, schwierigem politischen Umfeld und hartem Konkurrenzkampf blickt die Volksbank Kirchheim-Nürtingen auf „ein gutes Jahr“ zurück. Die Bank konnte sowohl bei den Einlagen als auch bei den Krediten zulegen, entsprechend zufrieden zeigten sich die beiden Vorstandsmitglieder Wolfgang Mauch und Martin Winkler bei der gestrigen Bilanzpressekonferenz. Erstmals hat die Volksbank für ihre Kunden über vier Milliarden Euro betreut. Gegenüber 2015 ein beachtliches Wachstum von 3,5 Prozent. Bei den Krediten verzeichnete die Volksbank eine Steigerung um zwei Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Bei den Einlagen gab es ein Plus von 6,9 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro.

Natürlich wird es auch für die Volks- und Raiffeisenbanken angesichts der fast nicht mehr vorhandenen Zinsen immer schwieriger, ordentliche Erträge zu generieren, das große Plus aber ist die regionale Verankerung und das Vertrauen der Kunden. „Die Nähe zu unseren Mitgliedern und Kunden hat uns auch im letzten Jahr Antrieb für weiteres Wachstum gegeben“, beschreibt der Volksbank-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Mauch den Wachstumsmotor. Infolge der Bankenkrise suchten viele frustrierte Kunden wieder den sicheren Hafen der regionalen Banken und bescherten den Volksbanken und den Sparkassen einen ordentlichen Zulauf. Die einst große Konkurrenz der Direkt- und Internetbanken ist heute kaum mehr zu spüren, sagt Mauch. Gleichzeitig registriert die Bank ein zunehmendes Interesse der Kunden an qualifizierter Beratung. „Im vergangenen Jahr hatten wir zehn Prozent mehr Beratungstermine.“ Für Mauch und Winkler ein weiterer Vorteil der Regionalbanken. „In Zeiten der Niedrigzinsphase braucht es eine gute, persönliche Beratung, die individuell auf die aktuelle Lebenssituation der Kunden zugeschnitten ist“, sagt Winkler. Die Volksbank will deshalb ihr Beratungsangebot weiter ausbauen und dem Kundenverhalten anpassen.

Gab es in früheren Jahren fast ausschließlich die Filiale als Kontakt zur Bank, führen heute eine Vielzahl von Wegen zum Kreditinstitut: Bei der Volksbank nutzen inzwischen fast 50 Prozent der Kunden das Online-Banking, die Mitarbeiter des hauseigenen Service-Centers verzeichnen rund 15 000 Anrufe pro Monat, immer mehr Routine-Geschäfte werden mit der neuen Banking-App übers Smartphone erledigt und Informationen über Facebook weitergeleitet. Für die persönliche Beratung können individuelle Gesprächstermine zwischen 8 und 20 Uhr vereinbart werden. Immer weniger Kunden kommen daher ohne Termin in eine Filiale, um sich beraten zu lassen. Die Volksbank wird deshalb in den kommenden Monaten die klassischen Öffnungszeiten in einigen Fällen reduzieren, eine Schließung der derzeit 23 Filialen ist aber nicht vorgesehen, versichert das Vorstands-Duo, schließlich ist gerade die Nähe zum Kunden ein großes Plus der größten genossenschaftlichen Bank im Kreis Esslingen.

Die Ertragslage blieb trotz sinkender Zinseinnahmen stabil. Der Zinsüberschuss sank um zwei Prozent auf 38,2 Millionen Euro, während sich das bilanzielle Eigenkapital leicht auf 164 Millionen Euro erhöhte, was einer Quote von 14,3 Prozent entspricht. Der Bilanzgewinn, so Winkler, werde voraussichtlich wie 2015 bei 4,5 Millionen Euro liegen. Über die Verwendung und dann auch die Höhe der Dividende soll die Vertreterversammlung im Mai in der Kirchheimer Stadthalle entscheiden.

Stabil bleibt auch die Personaldecke der Volksbank: 2015 beschäftigte das Kreditinstitut 357 Mitarbeiter, 2016 waren es 355. Jeweils 24 davon waren Auszubildende. Ebenfalls von großer Kontinuität geprägt ist das gesellschaftlich Engagement der Bank. 165 000 Euro wurden 2016 für Vereine und Schulen bereitgestellt und damit insgesamt 200 Projekte gefördert. In diesem Jahr wird die Spendenaktion „Gemeinsam mehr bewegen“ fortgesetzt, und die Mitglieder und Kunden können wieder Projekte, die gefördert werden sollen, vorschlagen. Frank Hoffmann

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