Zwischen Neckar und Alb

Die letzte Lücke wird geschlossen

Stadtplanung Die Diakonie Stetten will ein Wohnheim für junge Menschen mit Behinderung bauen. Der Plochinger Gemeinderat hat schon zugestimmt. Von Greta Gamberg

So könnte das Wohnheim aussehen. Foto: privat
So könnte das Wohnheim aussehen. Foto: privat

Junge Menschen mit Behinderung sollen hier künftig ein Zuhause finden: Die Diakonie Stetten plant ein Wohnheim in der Bergstraße in Plochingen. Der Landkreis Esslingen hatte das Sozialunternehmen gebeten, diese Angebotslücke zu schließen. Geplant ist ein dreigeschossiges Haus mit 24 Lang- und vier Kurzzeitplätzen, teilt die Diakonie Stetten mit. Sie sind für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von acht bis 24 Jahren und mit unterschiedlichem Behinderungsgrad gedacht. Sie sollen auf die Rohräckerschule und in andere Einrichtungen in der Nähe gehen.

Der Alltag im Haus findet in drei Wohngruppen von acht bis zehn Personen statt. „Es soll als Selbstversorgerhaus konzipiert sein“, sagt die Pressesprecherin der Diakonie Stetten. Die Bewohner würden selbst einkaufen, kochen und waschen. Man strebe eine weitestgehende Selbstständigkeit an.

Wichtig sei die gute Kooperation mit örtlichen Vereinen, Kirchen und Einrichtungen wie Musikschule oder Jugendgemeinderat. „Da wollen wir inklusive Angebote entwickeln“, erklärt die Sprecherin mit Verweis auf ähnliche Wohnprojekte, die das Sozialunternehmen bereits in der Region umgesetzt hat, etwa in Filderstadt-Plattenhardt. „Wichtig ist, dass die Häuser gut gelegen und zentral sind.“

Gute Lage zentral in Plochingen

Das ist in Plochingen gegeben: Das Grundstück in der Bergstraße 66 liegt nahe an der Innenstadt. Allerdings ist ein Bau in der geplanten Größe in diesem Wohngebiet nicht zulässig. Darum ist es nötig, einen Bebauungsplan zu erstellen. Wie Verbandsbaudirektor Wolfgang Kissling in der Gemeinderatssitzung am Dienstag deutlich machte, hat das auch Vorteile für die Nachbarn. Sie werden ihre Häuser begrenzt erweitern können. Alle Fraktionen stimmten dem Bebauungsplanentwurf zu, der nun in die Öffentlichkeitsbeteiligung geht.

„Wir begrüßen ausdrücklich die Initiative der Diakonie Stetten“, sagte etwa Dagmar Bluthardt von der SPD, da mit einer solchen Einrichtung eine Versorgungslücke in Plochingen und im Landkreis geschlossen werde. Die Stadträtin verwies darauf, dass bei einer Informationsveranstaltung Mitte Mai die Nachbarn grundsätzlich Einverständnis signalisiert hätten, aber doch einige Einwände bezüglich der wenig ansprechenden Optik und Angst vor Parkplatznöten geäußert haben. Sie wünsche sich weiterhin ein transparentes Verfahren und den Einbezug der Nachbarn. Die Stadtverwaltung versprach bezüglich der Einwände aus dem Gemeinderat, in Abstimmung mit der Diakonie zu gehen.

Für die Umsetzung ist ein straffer Zeitplan vorgesehen, weil der Bauherr darauf angewiesen ist, im Herbst Fördermittel vom Land und vom Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg zu beantragen. So soll nach der Sommerpause in Plochingen der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan fallen. „Wenn alles nach Plan verläuft, könnte der Bezug Ende 2019 stattfinden. Baubeginn wäre in der zweiten Jahreshälfte 2018“, teilt die Diakonie mit. Die Baukosten stehen noch nicht fest. Der laufende Betrieb wird dann vom Landkreis finanziert.

An der Stelle des künftigen Wohnheimes steht derzeit das Haus der evangelisch-methodistischen Kirche. Pfarrer Martin Schneidemesser zufolge will seine Gemeinde die bislang drei Standorte in Plochingen, Altbach und Hochdorf bündeln. „Wir planen, in Plochingen neu zu bauen.“ Derzeit sei man in Verhandlungen um ein zentraleres Grundstück und wolle das alte an die Diakonie Stetten verkaufen.

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