Zwischen Neckar und Alb

Die Liebe zur Musik verbindet

Jubiläumsfeier Die Neckarstadt Wendlingen lebt den europäischen Gedanken und blickt auf langjährige Städtepartnerschaften mit Saint-Leu-la-Forêt, Millstatt am See und Dorog zurück. Von Thomas Krytzner

Kathrin Müller, Herbert Durst, Elke Höppner, Steffen Weigel, Claudia Simon, Alexander Lenses und Joachim Vöhringer (von links) f
Kathrin Müller, Herbert Durst, Elke Höppner, Steffen Weigel, Claudia Simon, Alexander Lenses und Joachim Vöhringer (von links) freuen sich auf die Gäste aus den Partnerstädten.Foto: Thomas Krytzner

Wendlingen hat Grund zu feiern: 30 Jahre mit der französischen Kleinstadt Saint-Leu-la-Forêt, 25 Jahre mit Millstatt am See in Österreich und 20 Jahre Partnerschaft mit der ungarischen Bergbaustadt Dorog sind für die Stadt Anlass genug, die freundschaftlichen Verbindungen mit einer Jubiläumsfeier zu begehen. Die langjährigen Kontakte werden einerseits durch die Gemeinde, aber vor allem durch Komitees und Vereine in den Partnerstädten gepflegt.

Die längste Freundschaft besteht mit Saint-Leu-la-Forêt. Sie geht auf die Nachkriegszeit zurück. Als Charles de Gaulle, damals erster französischer Ministerpräsident nach dem zweiten Weltkrieg, seine berühmte Rede an die deutsche Jugend in Ludwigsburg hielt, wuchs die Sehnsucht nach Versöhnung. Dadurch entstanden erste Bande, die vor allem durch die Schulbewegung gefestigt wurden.

Es folgten Schüleraustausch und erste gegenseitige Besuche. Die deutsch-französische Freundschaft zwischen den beiden Städten festigte sich und gehörte bald zum festen Bestandteil im Leben der Gemeinden. Seit 30 Jahren gibt es den Kontakt, wie Kathrin Müller, Vorsitzende der Städtepartnerschaft, erklärt.

„Gesang ist das A und O“

Die Musik verbindet. Das gilt für die Partnerschaft zwischen Wendlingen und Millstatt am See. Herbert Durst erinnert sich an die ersten Kontakte mit der Kärntner Stadt: „Die Bürgermusik Millstatt suchte einen Partnerverein in Süddeutschland.“ Schnell gab es erste Kontakte zwischen den Musikern, und es folgten gegenseitige Besuche mit zum Teil über hundert Leuten. Bis heute spielt die Musik noch eine große Rolle bei der Freundschaft. „Gesang ist das A und O“, sagt Herbert Durst.

Die Flucht vor und während dem Krieg brachte 200 Ungarn nach Wendlingen, Beuren und Balzholz. Damals waren die Kontakte in die Heimat sehr schwierig, da es kaum Telefon gab und die Post nicht verlässlich war. Vor allem für Familien war dies eine schwierige Zeit. Dorog war bekannte Bergmannsstadt, und erst mit dem Gulaschkommunismus - die dortige liberalisierte Form des Staatssozialismus - konnten erste freundschaftliche Kontakte geknüpft werden.

Musik spielte auch bei der Städtepartnerschaft mit Dorog eine große Rolle. Die dortige Kapelle reiste damals nach Deutschland zum Wertungskonzert und machte einen Abstecher nach Wendlingen, um geflüchtete und vertriebene Verwandte oder Freunde zu besuchen.

In den 80er-Jahren, wie Alexander Lecses, stellvertretender Vorsitzender vom Freundschaftskreis Dorog-Wendlingen, berichtete, flachte das Ganze wieder ab. Erst mit der Wende 1989 verstärkte sich die Partnerschaft. 1995 gab es den ersten Schüleraustausch, der damals über den Freundeskreis organisiert wurde. Dazu kamen später kirchliche Kontakte und Bürgerreisen.

Neuer Einsatzort fürs Fahrzeug

Dorog hat selbst mehrere Städtepartnerschaften auch nach Rumänien, wie zum Beispiel mit der Stadt Felsöbogdanfelva. In diesem Jahr bekommt die Feuerwehr der rumänischen Stadt ein ausgedientes Fahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Wendlingen. Die Übergabe findet im Anschluss an die Jubiläumsfeier statt.

So läuft die Jubiläumsfeier ab

Über 120 Delegierte aus den drei Partnerstädten werden zu den Feierlichkeiten vom 4. bis 6. Mai in Wendlingen erwartet.

Höhepunkt ist der Festakt am Samstag, 5. Mai, ab 10.30 Uhr vor dem Rathaus. Dort wird eine gemeinsame Erklärung zum europäischen Gedanken und zur Weiterführung der Partnerschaften unterzeichnet. Nach dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Wendlingen wird auf dem Saint-Feu-La-Forêt-Platz eine Bronzetafel zu Ehren der Städtepartnerschaften enthüllt.

Bei der Hocketse übernimmt die Feuerwehr Wendlingen die Bewirtung, und der Musikverein Wendlingen spielt zur Unterhaltung.

Am Abend treffen sich die verschiedenen Vereine und Komitees zum nicht-öffentlichen Partnerschaftsabend.

Am Sonntag, 5. Mai, treten die Gäste aus Frankreich, Österreich und Ungarn nach dem ökumenischen Gottesdienst wieder die Heimreise an. Wobei die Vertreter aus Ungarn auch rumänische Freunde dabei haben, die das Wendlinger Feuerwehrfahrzeug nach Rumänien bringen.kry

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