Zwischen Neckar und Alb

Die Schule wird zur Firma

Messe Schüler an Berufskollegs im Kreis lernen schon im Unterricht, wie sie mit Kunden umgehen müssen. Das ist ein Vorteil für die spätere Ausbildung. Von Sabrina Kreuzer

Proben fürs Berufsleben: Bei der Übungsfirmenmesse setzen Schüler Theorie in Praxis um und üben ­Kundengespräche.Foto: Carsten R
Proben fürs Berufsleben: Bei der Übungsfirmenmesse setzen Schüler Theorie in Praxis um und üben ­Kundengespräche.Foto: Carsten Riedl

Geschäftiges Treiben herrscht in der Aula der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule in Kirchheim. Es handelt sich jedoch nicht um alltägliches Getümmel: Heute ist Übungsfirmamesse. Ein besonderer Tag für die Schüler der Berufskollegklassen. Sie stehen an Verkaufsständen und unterhalten sich konzentriert und freundlich mit Kunden. Die Messe findet alle zwei Jahre statt: abwechselnd hier in Kirchheim, an der Albert-Schäffle-Schule in Nürtingen und der John-F.-Kennedy-Schule in Esslingen. - Eine Möglichkeit für die Schulen, ihre insgesamt neun Übungsfirmen sowie eine Juniorenfirma vorzustellen.

Übungsfirma ist seit über zehn Jahren ein Fach am Berufskolleg in Kirchheim. Hier lernen die Schüler kaufmännisches Denken und Arbeiten unter möglichst realitätsnahen Bedingungen. Einen Tag in der Woche verbringen sie in ihrem „Großraumbüro“: Sie nehmen Bestellungen auf, bearbeiten diese und müssen auch Zahlungseingänge verbuchen. In jeder Abteilung wird einmal Halt gemacht. „Egal, ob Marketing, Personal oder Warenwirtschaft, unsere Schüler wechseln alle sechs Wochen, um in jeden Bereich der Firma hineinschnuppern zu können“, erklärt Claudia Häfner, Abteilungsleiterin des Berufskollegs. Wichtig ist dabei, dass die „Angestellten“ selbstständig arbeiten. Die Lehrer, oder auch „Geschäftsführer“, halten sich zurück.

Die Eigenverantwortung kommt gut an. „Die Übungsfirma ist eine tolle Abwechslung“, sagt Schülerin Arina Obenauer. „Hier müssen wir nicht nur dasitzen und den Lehrern zuhören, sondern dürfen selbst arbeiten.“ Das ist der Sinn der Übungsfirma, weiß auch die Rektorin Ulrike Hauke-Kubel: „Die Schüler sollen die Theorie in die Praxis umsetzen.“ Bei der Messe können sie Verkaufsgespräche üben, Aufträge entgegennehmen, und sie lernen den Messe-Alltag kennen.

Richtige Produkte werden auf der Messe aber nicht verkauft: Jede Übungsfirma, auch die Kirchheimer „Scrib Tab“ und die „Element Models“, hat einen Partner, möglichst aus der Umgebung. So verkauft die Scrib Tab Geschenk- und Büroartikel sowie Möbel. Ihre Partner sind die Firmen Möbelkönig und Wall am Markt. Die Element Models kooperiert mit Intersport Räpple.

Die Messebesucher bekommen an einem Stand eine Messekarte, mit der sie bei den einzelnen Geschäften bezahlen können. Auch die Firmenmitarbeiter dürfen ihren hart verdienten Lohn wieder ausgeben: Jeden Monat stehen 250 Euro auf ihren Gehaltsabrechnungen - natürlich nur fiktiv.

Auch die Juniorenfirma „Mercatio“ funktioniert wie eine Übungsfirma, nur mit einem Unterschied: Hier werden richtige Produkte angeboten. Hilal Ayhan, Jonas Babka und Karina Rosentreter versuchen, Kunden zu gewinnen: „Wir verkaufen fair gehandelte und regionale Waren.“ Schokolade, Nüsse oder Kekse beziehen sie unter anderem vom Kirchheimer Weltladen. Nicht nur bei der Messe kommt das gut an. „Montags, mittwochs und freitags verkaufen wir auch in den Pausen“, erzählt Hilal Ayhan. Sie hat Gefallen am nicht konventionellen Unterricht gefunden: „Anfangs war es wirklich schwierig, sich in alles einzuarbeiten. Aber mit der Unterstützung der Lehrer hat das toll geklappt.“ Und auch ihre Klassenkameraden wissen: Hier lernen sie etwas für die Zukunft.

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