Zwischen Neckar und Alb

Die Stadt ist reif für die Insel

Tradition Die „Esslinger Markt und Eventgesellschaft“ hat bekannt gegeben, dass es vom 26. November bis 21. Dezember „eine kleine, charmante und corona-konforme Alternative“ zum Weihnachtsmarkt geben soll. Von Thomas Schorradt

Nur ein Hauch von Mittelalter. So könnte es beim Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt in diesem Jahr aussehen.Archivfoto:
Nur ein Hauch von Mittelalter. So könnte es beim Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt in diesem Jahr aussehen.Archivfoto: Roberto Bulgrin

Der Mittelalter- und Weihnachtsmarkt ist tot, es lebe stattdessen die Esslinger Mittelalter- und Weihnachtszeit 2020. Das ist die Botschaft, mit der Michael Metzler, der Geschäftsführer der „Esslinger Markt und Eventgesellschaft“ (EME), an die Öffentlichkeit gegangen ist.

Auf den Weg gebracht wird vom 26. November bis zum 21. Dezember „eine kleine, charmante und corona-konforme Alternative“ zum traditionellen Mittelalter- und Weihnachtsmarkt. Der Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger betont in seiner Doppelfunktion als Vorsitzender der EME-Gesellschafterversammlung und des Gemeinderats, dass damit den Marktbeschickern in Corona-Zeiten eine Alternative und den Einzelhändlern, Gastronomen und Hoteliers in der Stadt eine Unterstützung geboten werden soll. Der Mittelalter- und Weihnachtsmarkt mit seinen in normalen Zeiten mehr als einer Million Besuchern gilt als großer Wirtschaftsfaktor für den innerstädtischen Handel.

„Die Corona-Pandemie lässt die Durchführung des gewohnten Mittelalter- und Weihnachtsmarkts in diesem Jahr leider nicht zu. Aber auf weihnachtliche Stimmung wollen wir dennoch nicht verzichten“, sagt Zieger.

Das EME-Konzept sieht vor, dass bis zu 70 Stände in drei thematisch gegliederten Inseln auf dem Marktplatz, dem Rathausplatz und dem Hafenmarkt aufgebaut werden. „In Verbindung mit der traditionellen Weihnachtsbeleuchtung und den liebevoll dekorierten Schaufenstern der Fachgeschäfte ergibt sich ein stimmungsvolles Gesamtbild“, prophezeit Michael Metzler.

Die im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten stark ausgedünnten Insel-Standorte sind eingezäunt, um die Kontrolle der Besucherzahlen und Mindestabstände zu ermöglichen. Zudem sind die Ein- und Ausgänge getrennt und alle Wege als Einbahnstraßen angelegt. Die Stände müssen ein Hygienekonzept befolgen, das Vorgaben zur Hüttenausstattung und zur Personalstärke macht. Marktbeschicker, die an ihrem Tresen ein Gastronomieangebot haben, müssen zusätzliche Auflagen erfüllen.

„Wir haben uns zunächst an der aktuell geltenden Corona-Verordnung orientiert. Wir stellen uns aber bereits jetzt auf mögliche neue Auflagen ein“, sagt Metzler unter Hinweis auf die Diskussionen über eine Verschärfung der Beschränkungen. Die Planer haben seinen Worten zufolge die Fortschreibung der Corona-Verordnung des Landes Baden-Würt­temberg genau im Blick. „Sollten sich die Auflagen des Landes signifikant ändern, ist eine Absage der Veranstaltung weiterhin möglich“, sagt der EME-Geschäftsführer.

Metzler kündigt an, in den kommenden Wochen in Gespräche mit den Marktbeschickern, den Handwerkern und den Künstlern gehen zu wollen. Dabei wird festgeklopft, was unter Corona-Bedingungen geht und was nicht. Schon jetzt auf der Streichliste stehen Programmpunkte, bei denen ein größerer Publikumszulauf nicht zu verhindern ist. Das betrifft in erster Linie den Fackellauf hinauf zur Burg und das Zwergenland hinter dem Rathaus, aber auch das mittelalterliche Tanzfest.

Ohnehin muss das Mittelalter ordentlich Federn lassen. Die beliebten Bühnenprogramme der Gaukler, Jongleure und Feuerschlucker werden gestrichen. Übrig bleibt ein reduziertes „mobiles“ Kulturprogramm. Umzüge und sogenannte Walking Acts sollen dafür sorgen, dass zumindest ein Hauch von Mittelalter durch die Esslinger Innenstadt weht.

Die Veranstalter haben, im Schulterschluss mit dem Ordnungsamt, alles getan, damit dieser Hauch nicht auch die Corona-Viren weiterträgt.

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