Zwischen Neckar und Alb

Die Staupe ist auf dem Vormarsch

Seuche Bei Rotfüchsen weisen die Experten vom Kreis-Veterinäramt das hochansteckende Virus nach. Für Haushunde ohne entsprechenden Impfschutz steigt das Infektionsrisiko damit erheblich. Von Nicole Mohn

Für den Menschen ist die Staupe keine Gefahr. Für Hunde kann das Virus allerdings tödlich sein.Foto: Carsten Riedl
Für den Menschen ist die Staupe keine Gefahr. Für Hunde kann das Virus allerdings tödlich sein. Foto: Carsten Riedl

Seit einigen Jahren bereits macht sich die Staupe im Südwesten breit. Zwischen Albtrauf und Fildern ist sie seit 2013 nachgewiesen. „Und das quer durch den gesamten Landkreis“, sagt Dr. Christian Marquardt, Leiter des Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes. Erst wenige Tage ist es her, dass auf Wendlinger Gemarkung ein mit Staupe infizierter Rotfuchs gefunden wurde. Kein Einzelfall laut Marquardt: „Derzeit verzeichnen wir wieder eine stärkere Häufung.“ Knapp 20 Füchse untersuchte das Amt in diesem Jahr bislang - und stellte bei drei von vier der Tiere Staupe fest. Die Befunde sind ein Nebenbefund im Rahmen des Tollwut-Monitoring, erklärt der Amtstierarzt. „Staupe ist keine Seuche, die staatlich überwacht wird“, stellt er klar. Entsprechend ist die Erkrankung weder melde- noch anzeigepflichtig.

Unterschätzen sollten insbesondere Hundehalter die Gefahr für ihre Fellnase dennoch nicht, warnt Dr. Ingo Schwabe, Fachtierarzt für Pathologie beim Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart. „Das Virus ist für den Hund hoch gefährlich“, warnt er. Auch für Frettchen stellt der Erreger eine Gefahr dar, Hauskatzen hingegen erkranken, anders als Großkatzen wie der Luchs, nicht an Staupe.

Nur Wald und Feld zu meiden, reicht nicht, um seinen Hund vor der Staupe zu schützen. „Der Fuchs ist ein äußerst erfolgreicher Kulturfolger“, so der Experte. Mittlerweile fühlt sich Reineke Fuchs ebenso in städtischen Grünanlagen und Gärten äußerst wohl. Dank des großen Nahrungsangebots in den Orten sei der Fuchs dort zahlreicher vertreten als im Wald, so Schwabe. „Die Population ist in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert“, sagt der Veterinär.

Das Staupevirus ist also längst in den Städten und Gemeinden angekommen. Astrid Behr vom Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt) rät deshalb dringend, die Hunde gegen das Virus zu impfen. Nach der Grund­immunisierung im Welpenalter sollte die Impfung alle drei Jahre aufgefrischt werden, empfiehlt sie. „Sprechen Sie mit Ihrem Haustierarzt und lassen Sie sich beraten“, so ihr Tipp an alle Hundehalter. Denn nach wie vor gibt es keine antivirale Therapie gegen die Staupe. Behandeln könne man die Staupe nur rein symptomatisch, erklärt die Tierärztin. Vor allem bei jungen Hunden verläuft die Krankheit meist schwer, oft auch tödlich.

Der Katalog an Symptomen und Folgen ist bei einem weniger schweren Verlauf lang: Das Virus greift innere Organe, das zentrale Nervensystem, Augen und Haut an. Erste Anzeichen sind hohes Fieber und Schwäche, manche Hunde verweigern das Futter. Auch Nasenausfluss, Husten und Niesen sowie Erbrechen und Durchfall zählen zu den Symptomen. Im weiteren Verlauf kann die Erkrankung Lähmungserscheinungen und epileptische Anfälle auslösen, oder es treten Störungen im Bewegungsablauf auf; manchmal erst Wochen oder Monate später. „Die Krankheit hat schwere Folgeschäden“, warnt die Expertin.

Trotz der anhaltend hohen Ansteckungsgefahr durch Staupe und andere Erkrankungen nehmen es ihrer Erfahrung zufolge nicht alle Hundebesitzer ernst mit der regelmäßigen Auffrischung und Überprüfung des Impfschutzes. „Laut den Impfstoffherstellern haben wir eine Durchimpfung von 50 Prozent“, berichtet sie. Ein besserer Wert als noch vor wenigen Jahren, als die Durchimpfung bei nur rund einem Drittel lag. Jedoch immer noch zu wenig, um eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen, sagt Astrid Behr.

Auch Dr. Christian Marquardt empfiehlt allen Hundebesitzern, ihre Tiere vor der Staupe zu schützen. „Der aktuelle Impfstoff funktioniert gut und ist sehr sicher“, sagt er. Zudem sei er gut verträglich und nebenwirkungsarm. Der kleine Impfpiks erspare dem Hund viel Leid, gibt Marquardt zu bedenken.

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