Zwischen Neckar und Alb

Die Tafelläden erhalten weiter Stütze

Armut Im Landratsamt wollte man die Zuschüsse für die sechs Anlaufstellen im Kreis streichen, doch die Politik hat anders entschieden. Von Bernd Köble

Wer hier einkauft, tut das nicht freiwillig. Die sechs Tafelläden im Kreis Esslingen sind ein Angebot für Menschen, die unterhal
Wer hier einkauft, tut das nicht freiwillig. Die sechs Tafelläden im Kreis Esslingen sind ein Angebot für Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben müssen. Foto: Jean-Luc Jacques

Christstollen, Nüsse, Schoko-Nikoläuse - nicht für jeden sind die Vorboten der Weihnachtszeit erschwinglich. Im Kirchheimer Tafelladen in der Henriettenstraße stehen sie dieser Tage auch für den kleinen Geldbeutel in den Regalen. Ermöglicht hat dies eine Aktion des Rotary Clubs. Ohne solche Spenden wären die sechs Tafelläden im Kreis Esslingen, die bis zu 5 000 Bedürftige versorgen - davon 750 allein in Kirchheim - nicht denkbar.

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Die gute Nachricht vor Weihnachten: Die ehrenamtlich betriebenen Einrichtungen erhalten auch weiterhin Geld vom Landkreis - insgesamt 9 000 Euro jährlich. Eine Freiwilligkeitsleistung, auf drei Jahre befristet, die zuletzt so freiwillig gar nicht mehr war. Die Verwaltung hatte die Summe im Haushalt fürs kommende Jahr gestrichen. Begründung: Bei den Tafeln handele es sich nicht um existenzsichernde Hilfen, sondern um ein freiwilliges Zusatzangebot, wie Landrat Heinz Eininger betont. „Wir bewegen uns hier im Sozialhilfesystem, das der Bund vorgibt“, sagt Eininger.

Klaus Rau, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Nürtingen-Kirchheim, der als Träger hinter der Kirchheimer Tafel steht, sieht das anders und mit ihm die Fraktionen im Kreistag. Bis zu 8 000 Euro jährlich beträgt der Abmangel allein in Kirchheim. „Es ist klar, dass so ein Betrieb nicht kostendeckend arbeiten kann“, sagt Rau, der aber gleichzeitig Grenzen zieht: Bei mehr als 10 000 Euro, die unterm Strich fehlen, müsse man sich überlegen, „ob man sich das noch leisten kann“.

Für SPD-Kreisrätin Solveig Hummel ist der vergleichsweise geringe Zuschuss daher „kein Gnadenakt“, wie sie betont. „Ob der Druck von unten sinkt oder wächst, ist eine gesellschaftspolitische Entscheidung.“ Die SPD hatte deshalb sogar vorgeschlagen, den Betrag auf 10 000 Euro aufzustocken, fand dafür allerdings nur Unterstützung von den Grünen. Der Vorschlag der Freien Wähler, die bisherige Förderung beizubehalten und sie an den Nachweis der Müllgebühren zu koppeln, fand schließlich eine Mehrheit im Sozialausschuss des Kreistags.

Weil im Sortiment der Tafelläden auch aussortierte Händlerware landet, ist der Anteil an Biomüll, der anfällt, relativ hoch. Auf 1 449 Euro belaufen sich in Kirchheim die jährlichen Kosten für die Abfallentsorgung. Im Gegenzug erhält das DRK 1 000 Euro als Anteil aus dem Fördertopf des Kreises. Der hat zwar die Müllhoheit, kann den Läden die Gebühren aus rechtlichen Gründen aber nicht einfach erlassen.

Dass trotz Hochkonjunktur und Vollbeschäftigung auch im Kreis Esslingen Armut herrscht, unterstreicht Carsten Krinn, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt. Mitten im Wirtschaftsboom sei hier die Armutsquote von elf auf 17 Prozent gestiegen. 30 Prozent der Menschen, die von den Tafelläden profitieren sind Krinn zufolge Kinder und Jugendliche.

Ein Problem in Kirchheim ist die Erreichbarkeit des Ladens im Untergeschoss der Feuerwache. Seit dem Umzug vor neun Jahren von der deutlich zentraler gelegenen Osianderstraße ins Gewerbegebiet sucht das DRK Ersatz für das, was ursprünglich als Zwischenlösung gedacht war. Mitten in der Stadt hieße für die 23 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer auch nah an den Menschen. DRK-Chef Klaus Rau weiß, dass dieser Wunsch schwer zu erfüllen sein wird. „Im Moment sehe ich keine Räume, die bezahlbar wären.“