Zwischen Neckar und Alb

Die Vielfalt Israels hautnah erfahren

Besuch Kreistags-Delegation mit Landrat Heinz Eininger macht sich bei einer Reise nach Israel ein Bild vom Land und von den Partnern des Landkreises. Von Uwe Gottwald

Die Vielfalt Israels 
hautnah erfahren
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Von der Kreuzfahrerstadt Acco über das religiöse Jerusalem bis hin zum weltoffenen Tel Aviv, von der Lage auf den Golan-Höhen über politische Gespräche mit Vertretern der Bundesrepublik bis hin zu hoffnungsvollen Projekten der Partnerschaften des Kreises Esslingen – das alles bot die Reise einer Kreistagsdelegation.

Mit Landrat Heinz Eininger an der Spitze besuchten 13 Mitglieder des Kreistags die Partner im jüdischen Givatayim und im arabisch besiedelten Rama. Bei Rundfahrten quer durchs Land bekamen die Kommunalpolitiker außerdem einen Eindruck von der Vielfalt und teils auch von den Gegensätzlichkeiten, die das Land Israel prägen.

Erster Termin war die Einweihung einer Photovoltaik-Anlage an der Agricultur Technical High School in der arabisch besiedelten 8 000-Einwohnerstadt Rama, die seit 15 Jahren in die Partnerschaft mit Givatayim eingebunden ist. Rund 20 Prozent der über acht Millionen Israelis sind arabischer Herkunft, nicht mitgezählt die Bewohner der Autonomiegebiete Gaza und Westjordanland. Die meisten leben in Galiläa, im Norden Israels.

Dort fand auch der nächste Termin statt: auf den Golanhöhen, die von Israel seit dem Sechstage-Krieg 1967 besetzt gehalten werden. Ein israelischer Offizier erläuterte die geo-politische Lage. Deutlich wurde die für Israel strategisch wichtige Bedeutung des Gebiets in direkter Nachbarschaft zu Syrien. Der Offizier, ein Armee-Arzt, hob allerdings vor allem die humanitäre Hilfe hervor, die von ihm und anderen Militärmedizinern geleistet werde, weil immer wieder syrische Frauen und Kinder mit zum teil schweren Verletzungen am Grenzzaun Hilfe suchten.

Dass in der jüdisch-israelischen Gesellschaft weitgehend Einigkeit über die Wehrhaftigkeit gegenüber Bedrohungen von außen herrscht, war während der Reise immer wieder zu spüren. Politische Beobachter der Bundesrepublik sehen aber durchaus eine zunehmende Spaltung innerhalb dieser jüdischen Gesellschaft über den politischen Weg. Das wurde bei Informationsgesprächen mit Vertretern des Auswärtigen Amtes und später noch in der deutschen Botschaft in Tel Aviv klar. Hoffnungen werden nicht zuletzt auf Nicht-Regierungs-Organisationen gesetzt, die mit einzelnen Projekten Brücken bauen wollen.

Eine Zwei-Staaten-Lösung für Palästinenser und Juden, die politisch immer wieder propagiert wird, scheint dagegen in Anbetracht der strategischen Bedeutung mancher Gebiete in die Ferne zu rücken. Auch die Tatsache, dass israelische Regierungen immer wieder mehr oder weniger eine umstrittene Siedlungspolitik betrieben und damit Tatsachen geschaffen haben, ist in weiter Ferne. Auch das blieb nach der Informationsreise bei vielen zurück.

Brücken bauen will auch der Landkreis Esslingen mit seinen Partnerschaften. Landrat Heinz Eininger erinnerte beim offiziellen Empfang in Givatayim an die ersten Kontakte, die schon Ende der 60er-Jahre im Zeichen der Aussöhnung von Vertretern des Kreisjugendrings geknüpft wurden. Diese mündeten 1983 in eine offizielle Partnerschaft zur 50 000-Einwohnerstadt, deren Grenze zum sich immer weiter ausbreitenden Tel Aviv nicht mehr zu erkennen ist. Aussöhnung und die Verantwortung, den Holocaust in Erinnerung zu behalten, seien nach wie vor Triebfedern, so Eininger, weshalb für ihn auch ein Besuch der Gedenkstätte Yad-Vashem, wo er im Beisein der Kreistagsdelegation einen Blumenkranz niederlegte, obligatorisch sei.

Darüber hinaus gelte es, Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen, was dem Kreis und seinen Partnern in den letzten Jahren vielfältig gelungen sei. Vor allem die Schüleraustausche, begleitet von Projekten, seien kleine, aber wichtige Bausteine zum gegenseitigen Verständnis. Ein Zeichen dafür ist für Eininger die Begegnung mit einer 18-jährigen ehemaligen Schülerin am ORT Technikum gewesen. Diese bezeugte, wie wertvoll für sie diese Begegnungsmöglichkeiten, das Leben in einer deutschen Familie, aber auch die Kontakte zu arabisch-israelischen Schülern gewesen seien. „Ohne diese Möglichkeit hätte ich heute keine Freundin in Rama“, so die Schülerin.

Ran Kunik, seit zwei Jahren Givatayims Bürgermeister, bekräftigte: „Diese Dreier-Beziehung zwischen Givatayim, Rama und dem Kreis Esslingen wollen wir fortführen.“ Kein Zufall ist es da, dass nächstes Jahr der Besuch einer Gruppe von Tischtennis-spielern aus dem Esslinger Bezirk in Rama ansteht, war Bürgermeister Kunik doch Israelischer Meister in dieser Sportart.

Die Delegation aus dem Landkreis Esslingen schaute sich beim Unterrichtsbesuch in Givatayim das Bildungssystem an.Fotos: Uwe Got
Die Delegation aus dem Landkreis Esslingen schaute sich beim Unterrichtsbesuch in Givatayim das Bildungssystem an.Fotos: Uwe Gottwald
Landrat Heinz Eininger in der Gedenkstätte Yad Vashem.
Landrat Heinz Eininger in der Gedenkstätte Yad Vashem.
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