Zwischen Neckar und Alb

„Die Wirtschaft muss handeln“

Flüchtlinge Baugewerbe macht neun Flüchtlinge bei einem zweiwöchigen Grundlagenseminar für den Arbeitsmarkt fit, denn die Branche sucht händeringend nach Arbeitskräften. Von Sabine Försterling

Neun Flüchtlinge konnten sich auf Initiative von Firmenchef Wolfgang Kiesel und mit der Unterstützung weiterer Firmen aus der Ba
Neun Flüchtlinge konnten sich auf Initiative von Firmenchef Wolfgang Kiesel und mit der Unterstützung weiterer Firmen aus der Baubranche und der Arbeitsagentur zwei Wochen lang als Bauhelfer ausprobieren. Foto: Andreas Kaier

Zwei Wochen lang erhielten neun Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Pakistan, Gambia, Kamerun und dem Irak Einblicke in die Arbeit eines Bauhelfers. Die Wirtschaft müsse dafür sorgen, dass die Asylbewerber eine Chance erhalten, um im Arbeitsmarkt Fuß fassen zu können, ist Wolfgang Kiesel, der das Arbeitsmarktprojekt initiiert hat, überzeugt. Beschäftigung sei für die jungen Männer im Alter von 18 bis 25 Jahren wichtig, damit sie nicht auf dumme Gedanken kämen, meinte der 69-Jährige. Und nur so könnten sie ihr Leben in die Hand nehmen. Darüber hi­naus suche das Handwerk, dem es derzeit gut gehe, dringend Arbeitskräfte.

An dem sogenannten Grundlagenseminar in einer von der Firma Kiesel in Zell angemieteten Halle beteiligten sich deshalb auch andere Firmen aus dem Baugewerbe wie etwa der Fliesenlegerbetrieb Weinmann aus Esslingen. Unterstützung kam auch von der Gewerblichen Schule Ehingen/Donau und Partnern aus dem Großhandel, die die Maschinen zur Verfügung stellten. Die Teilnehmer wurden von der Agentur für Arbeit ausgewählt. „Ausreichende Deutschkenntnisse waren das wichtigste Kriterium“, sagte die Arbeitsvermittlerin Sabine Melzer. Denn die Sprache stelle oftmals eine große Hürde dar.

Selbstredend musste ein Interesse vorhanden sein. Die teilweise inzwischen anerkannten Asylbewerber hatten entweder überhaupt keine Ausbildung oder ein Studium in ihrem Heimatland angefangen. Joseph Maloire hingegen hatte bereits als Mechaniker in Kamerun gearbeitet und sich auf eine neue handwerkliche Ausbildung gefreut. Nachdem noch so manche Hürde – wie etwa die Frage, wer die Unfallversicherung übernimmt – aus dem Weg geräumt worden war, startete das Seminar vor zwei Wochen. Die Flüchtlinge haben inzwischen gelernt, eine Baustelle einzurichten, Sicherheitsvorschriften einzuhalten, Baumaterial richtig zu transportieren und Müll vorschriftsmäßig zu entsorgen. Alte Beläge wurden in der „Lehrwerkstatt“ entfernt, Klebstoffreste wurden abgeschliffen und abgefräst, zudem wurde der Untergrund für das Fertigparkett oder den Teppich vorbereitet. Die neun Teilnehmer lernten auch, im Team zu arbeiten, und sprachen fast nur Deutsch miteinander. „Offen, pünktlich und motiviert“, beschrieb Marcus Lippert, einer der Organisatoren, die Flüchtlinge. Und es habe immer gute Laune geherrscht, die mancher Baustelle in Deutschland gut tun würde, meinte Wolfgang Kiesel mit einem Augenzwinkern.

Ahmed Shokouri, 25 Jahre alt, aus Afghanistan, der seit einem Jahr in der Gemeinschaftsunterkunft in Zell lebt, hat ein Praktikum bei einem Raumausstatter mit der Option einer Ausbildung in der Tasche. Ein weiterer Teilnehmer fängt ein Praktikum bei einem Fliesenleger an und drei weitere können hoffen. Zum Abschluss haben alle eine Teilnahmebescheinigung erhalten. Das sei wichtig bei der Arbeitsvermittlung, weil viele überhaupt nichts Schriftliches vorweisen können, betonte Sabine Melzer.

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