Zwischen Neckar und Alb

„Dreiviertel der Kommunen sind positiv gestimmt“

Interview Ann-Kathrin Sous ist als Breitband-Koordinatorin des Landkreises in den Gemeinden unterwegs.

Ann-Kathrin Sous   Foto: privat

Ann-Kathrin Sous ist seit Jahresbeginn als Koordinatorin für den Breitbandausbau im Kreis Esslingen tätig. Was sich seitdem getan hat, verrät sie im Interview.

Frau Sous, was macht eine Breitband-Koordinatorin?

Ann-Kathrin Sous: Ich bin Ansprechpartnerin für Kommunen und Planer, also das Scharnier zwischen allen Beteiligten auch in Bund und Land. Im Bund geht es vor allem um Förderprogramme oder Informations-Workshops für die Kommunen.

Das heißt, Sie müssen Angebot und Nachfrage zusammenführen.

Sous: So könnte man sagen, wenn man mit Begriffen des Marktes arbeiten will.

Sie waren in allen 44 Kreiskommunen unterwegs. Was haben Sie an Stimmung eingefangen?

Es ging darum, die vorläufigen Ergebnisse der Backbone-Planung vorzustellen und abzustimmen, dabei auch Verbesserungsvorschläge aufzunehmen. Man kann sagen, etwa dreiviertel der Kommunen sind sehr positiv gestimmt und sehen, was getan werden muss, um zukunftsfähig zu bleiben.

Das restliche Viertel ist anderer Meinung?

Es geht vor allem um Faktoren wie Zeitplan und Kosten. Dazu kann zum jetzigen Zeitpunkt natürlich noch wenig gesagt werden. Dadurch entstehen Vorbehalte.

Könnte man sagen, den Kritikern mangelt es nicht an Interesse. Denen geht es einfach nicht schnell genug?

Genau. Gerade der Faktor Zeit ist herausfordernd. Dabei muss man sagen, ein solches Infrastrukturprojekt ist ja auf einen Zeitraum für die nächsten 20 bis 30 Jahren ausgelegt. Nicht, was die Bauzeit betrifft, sondern die Bedeutung.

Über welchen Zeitraum reden wir, bis die letzten Lücken im Kreis geschlossen sind?

Das ist sehr schwierig. Es kann sehr schnell gehen. Das hängt auch davon ab, wie schnell wir in der Region mit den Partnern zusammenkommen. Es kann aber auf jeden Fall noch drei bis vier Jahre dauern. Ich möchte mich da nicht festlegen, das ist noch zu früh.

Was sind denn die Hauptschwierigkeiten, die es beim Ausbau zu überwinden gilt?

Richtung Schwäbische Alb spielt natürlich die Topografie eine Rolle. Dort Glasfaser zu verlegen, ist eine Herausforderung. Man muss sehen, dass bei der Verlegung 80 Prozent der Kosten durch Tiefbaumaßnahmen entstehen. Telekommunikationsfirmen agieren auf dem freien Markt eben in erster Linie dort, wo es für sie wirtschaftlich ist. Wir brauchen aber dringend eine flächendeckende Versorgung.

Wer oder was bestimmt demnach die Prioritäten?

Man versucht natürlich in erster Linie, Parallelstrukturen zu vermeiden. Das heißt, man muss zunächst einmal schauen, wo man bereits vorhandene Strukturen anpachten kann. Dort lässt sich das Netz am schnellsten betreiben. Ein zweiter Schritt wäre dann, diejenigen Kommunen anzuschließen, die bisher noch weiße Flecke auf der Karte darstellen. Am Ende geht es dann um die sogenannten Redundanten, das heißt Ersatzleitungen zur Ausfallsicherung. Damit die Versorgung auch dann gewährleistet ist, wenn irgendwo versehentlich eine Leitung angebohrt wird.

Wie läuft die Abstimmung mit der Vielzahl an Netzanbietern?

Da wird es auf regionaler Ebene Gespräche geben. Wir haben ja inzwischen auch in der Region einen Breitbandbeauftragten. Man hat jetzt gemerkt, dass allein dadurch, dass wir aktiv wurden, auch andere Telekommunikationsunternehmen den Ausbau forciert haben, was ja gut ist.

Die Datenwelt ist extrem schnelllebig. Läuft man beim derzeitigen Bautempo nicht Gefahr, den Erfordernissen hinterherzuhinken?

Ich denke, wir sind damit zukunftssicher. Momentan ist nichts in Sicht, was leistungsfähiger wäre als Glasfaser. Das wird die Zukunft sein, weil Glasfaser den Vorteil hat, dass es sowohl im Download wie im Upload stark ist. Vor allem im Unternehmensbereich wird der Upload von Daten immer bedeutender. Bernd Köble

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