Zwischen Neckar und Alb

Droht bei Putzmeister ein massiver Stellenabbau?

Umstrukturierung Die IG Metall befürchtet den Wegfall von bis zu 250 Stellen bei dem Aichtaler Pumpenhersteller.

Der Betonpumpenhersteller Putzmeister startet ein umfangreiches Umstrukturierungsprogramm, das nach Ansicht der IG Metall bis zu
Der Betonpumpenhersteller Putzmeister startet ein umfangreiches Umstrukturierungsprogramm, das nach Ansicht der IG Metall bis zu 250 Stellen kosten könnte. Foto: Jürgen Holzwarth

Aichtal. Die Firma Putzmeister steht offenbar vor einem größeren Umbau. Die Gewerkschaft IG Metall befürchtet, dass dadurch bis zu 250 Stellen abgebaut werden. Das steht in einem Flugblatt, das die Gewerkschaft an die Mitarbeiter verteilte. Die Geschäftsleitung spricht von einem groß angelegten Transformationsprogramm, mit dem man sich fit für die Zukunft aufstellen wolle.

Es handle sich um eine in diesem Jahr weltweit gestartete Initiative, erklärt Martin Knötgen, Geschäftsführer der Putzmeister Holding. „Kostendruck, wachsende Konkurrenz aus Asien sowie die Digitalisierung der betonverarbeitenden Industrie sind Herausforderungen, denen wir uns als Premiumanbieter zukünftig stellen müssen“, so Knötgen. Mit dem groß angelegten Transformationsprogramm wolle man die in diesem Jahr 60-jährige Firmen- und Erfolgsgeschichte fortschreiben und die weltweite Marktführerschaft in der Betonbauindustrie sichern.

150 Mitarbeiter in 16 Arbeitsgruppen aus 15 Ländern arbeiteten an rund 500 kleineren und größeren Initiativen. Ein Beispiel sei „OneIT“, bei der es um Putzmeister 4.0 gehe. Darüber hinaus wolle man mit dem Veränderungsprogramm die Wirtschaftlichkeit steigern und den Kunden stärker in den Fokus rücken. Auch schaffe das Programm den nötigen Rahmen, um in Zukunftsmärkte zu investieren. Putzmeister gehört zum chinesischen Sany-Konzern. Was die von der Gewerkschaft genannte Zahl an Stellen, die womöglich wegfallen sollen, anbelangt, macht Knötgen keine Aussage, schließt aber einen Abbau nicht aus. Es könnten „neue Anforderungen an die Mitarbeiter“ entstehen: „Wenn wir in Zukunft nötige Kompetenzen nicht mit der bestehenden Belegschaft abdecken können, werden neue Arbeitsplätze entstehen“, so der Geschäftsführer: „Sollten bestimmte Mitarbeiter im Zuge des auf fünf Jahre angelegten Veränderungsprogramms intern nicht so zu besetzen sein, wie benötigt, ist es unser erklärtes Ziel, alle Maßnahmen sozialverträglich zu lösen.“

Derzeit verhandle man mit dem Betriebsrat. „Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich keine Aussage zu einer möglich betroffenen Mitarbeiterzahl machen, die in Teilzeit oder Ruhestand geht oder Überstunden abbauen wird“, so der Firmenchef. Bei Putzmeister in Aichtal arbeiten rund 1 050 Leute, weltweit sind es rund 3 000 Mitarbeiter.

Im Betriebsrat befürchtet man einen Stellenabbau in Aichtal, sagt dessen Vorsitzender Jörg Löffler. Für ihn wie für Thomas Maier von der Esslinger IG Metall ist eine der zentralen Fragen bei den Verhandlungen, wie viel Serienproduktion im Aichtal verbleibt. Aichtal müsse das Leitwerk bleiben mit Serienfertigung, Entwicklung, Versuch und Zentrale. Denn auch Produktionsverlagerungen stünden im Raum. Putzmeister hat noch Werke unter anderem in der Türkei und in Indien. „Es geht um den künftigen Weg des Unternehmens“, so Thomas Maier. Den Plänen der Geschäftsleitung wolle man eigene Bedingungen entgegenstellen. Sie wurden in einem Flugblatt formuliert, das Anfang der Woche an die Putzmeister-Beschäftigten verteilt worden war. Die Arbeitnehmervertreter fordern darin unter anderem, dass ausschließlich mit dem Betriebsrat vereinbarte, sozial verträgliche Maßnahmen umgesetzt werden.

Aktuell läuft bei Putzmeister ein Standortsicherungstarifvertrag bis 2020. In ihm sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen, und ein Arbeitsvolumen für die Beschäftigten ist definiert, so Maier. Diese Standortsicherung soll nach dem Willen der Gewerkschaft bis 2030 verlängert werden. Zu Panik bestehe kein Anlass, beruhigt Maier. Putzmeister sei kein Sanierungsfall. Er sehe den Gesprächen „relativ entspannt“ entgegen: „Wir haben gute Argumente.“  Henrik Sauer

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