Zwischen Neckar und Alb

Edler Tropfen von der Burg

Weingärtner präsentieren ihren ersten Syrah – Wein als Aushängeschild für die Steillagen

Nun wurde der erste Syrah von der Esslinger Burg vorgestellt. Jochen Clauß hat dort vor fünf Jahren die in Deutschland seltene Rotweinsorte gepflanzt.

Erlesener Genuss: Ulrich Kromer von Baerle, Geschäftsführer der Landesmesse Stuttgart, Wengerter Claus Hägele, Staatssekretärin
Erlesener Genuss: Ulrich Kromer von Baerle, Geschäftsführer der Landesmesse Stuttgart, Wengerter Claus Hägele, Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch, Jochen Clauß, Vorstandsmitglied bei der WG Esslingen, Melanie Michl, Mitarbeiterin in der Trautwein-Laube und Gerd Trautwein (von links) präsentieren den Syrah vom Burgweinberg.Fotos: Peter Stotz

Esslingen. Jochen Clauß, Vorstandsmitglied der Weingärtnergenossenschaft Esslingen, blickt mit einem sehr zufriedenen Gesichtsausdruck auf sein Glas, riecht fast andächtig am Wein und nimmt einen Schluck. „Das ist eine sehr gelungene runde Sache, ein exklusiver Wein, der sich von vielem abhebt. Die viele Arbeit hat sich gelohnt“, sagt er schließlich in die Runde.

Neben Clauß waren Friedlinde Gurr-Hirsch, Staatssekretärin im baden-württembergischen Agrarministerium, der Geschäftsführer der Landesmesse Stuttgart, Ulrich Kromer von Baerle, der Esslinger Wengerter Claus Hägele und der Gastronom Gerd Trautwein zum Auftakt des Zwiebelfests am Freitag zusammengekommen, um laut Hägele „einen eventuellen Zukunftswein für die Esslinger Steillagen“ zu präsentieren.

Vor fünf Jahren hatte Clauß im steilen Esslinger Burgweinberg, mit etwa 1,6 Hektar eine der kleinsten Einzellagen in den württembergischen Weinbaugebieten, 1 000 Rebstöcke der Sorte Syrah gepflanzt. „Der Syrah kommt aus dem nördlichen Rhonetal und benötigt viel Sonne und Wärme“, erklärten Clauß und Hägele.

Neben Frankreich gelten Australien und Südafrika als Hauptanbaugebiete für diesen Wein, der sortenrein in kräftigem Rot daherkommt und oft auch in Cuvees eingesetzt wird. In Deutschland wird die Traube auf lediglich etwas mehr als 50 Hek­tar Rebfläche angebaut. „Es war also zunächst ein Experiment, es in Esslingen mit Syrah zu versuchen. Aber der Burgweinberg ist klimatisch besonders begünstigt, und die Schenkelmauern speichern zusätzlich Wärme im Weinberg“, erklärte Clauß.

Die Reben gediehen gut, im September 2014 wurde zum ersten Mal gelesen, 900 Liter Wein wurden gekeltert, der anschließend 18 Monate lang in Barrique-Fässern lagerte. „Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der Syrah hat eine großartige, leicht rauchige Johannisbeernote, ist tanninreich, trocken mit guter Säurestruktur, und er hat mit 13 Prozent nicht so viel Alkohol wie die australischen Dickschiffe“, beschrieb Hägele.

„Der Burgweinberg könnte unsere Côte Rôtie werden“, sagte der Wengerter in Anspielung auf ein wichtiges Anbaugebiet an der Rhone. Doch über diese Lage hinaus würden die Esslinger Terrassenlagen künftig noch stärker ins Blickfeld rücken. Wie Clauß und Hägele sagten, könnte bald schon auch an der Neckarhalde Syrah gepflanzt werden, nachdem dort bereits intensiv an der Qualitätsverbesserung etwa beim Trollinger und beim Lemberger gearbeitet werde. „Ein Drittel unserer gesamten Rebfläche sind die kleinen Terrassen. Es geht also allein schon wirtschaftlich gar nicht anders, als die Terrassen zu erhalten und zu pflegen und weiter am Ausbau hochwertiger Weine zu arbeiten“, sagte Clauß.

Friedlinde Gurr-Hirsch ermunterte die Wengerter, diesen Weg weiter zu verfolgen. Im Interesse des Weinbaus in der Region müsse auf hochwertige Tropfen gesetzt werden. „Und mit so einem Wein kann man die Steillage in Wert setzen und sehr gut positionieren“, sagte sie. Der 2014er-Syrah ist allerdings noch nicht frei verkäuflich. Zunächst kommt der Wein nur als Sonderabfüllung in den Lauben von Gerd Trautwein auf dem Zwiebelfest und beim Stuttgarter Weindorf sowie in seinem Restaurant in Stuttgart auf den Tisch. „Der 2015er kommt aber auf jeden Fall auf den Markt. Er ist natürlich schon im Fass und er entwickelt sich prächtig“, sagte Claus Hägele.

Edler Tropfen von der Burg
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