Zwischen Neckar und Alb

„Eigene Probleme relativieren sich“

Beruf Ein Job, der nicht spurlos an einem vorbei geht: Gabriele Benz arbeitet im Sekretariat des Esslinger Hospizes.

Gabriele Benz an ihrem Arbeitsplatz.Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger
Gabriele Benz an ihrem Arbeitsplatz.Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger

Esslingen. „Ich habe den richtigen Platz für mich gefunden“, sagt Gabriele Benz. Als Sekretärin im Hospiz laufen bei ihr viele Fäden zusammen. Weil das Hospiz aber kein Arbeitsplatz wie jeder andere ist, musste sie erst ihren eigenen Weg finden.

Als Gabriele Benz vor vier Jahren gefragt wurde, ob sie im Hospizbüro als Sekretärin für den ambulanten Hospizdienst in Esslingen anfangen wolle, erbat sie sich eine Bedenkzeit. Denn ihr war bewusst, dass diese Aufgabe ganz besondere Herausforderungen mit sich bringen würde. „Doch ich merkte schnell, wie sehr mich die Arbeit ausfüllt.“ Das fachliche Rüstzeug hatte sie durch eine kaufmännische Ausbildung erworben.

Zunächst hatte sie im Büro hauptsächlich mit Ehrenamtlichen zu tun. Das änderte sich mit der Eröffnung des stationären Hospizes im April 2014. „Ich war jetzt plötzlich viel näher dran“, sagt sie. Im Hospiz in der Keplerstraße in Oberesslingen ist Gabriele Benz Sekretärin von Leiterin Susanne Kränzle, aber auch für die Verwaltungsaufgaben im ambulanten und stationären Bereich zuständig. Oft ist Benz erste Ansprechpartnerin für Angehörige oder auch Betroffene. Dann gibt sie grundlegende Informationen zum Hospiz.

Die Menschen, die anrufen, sind oft in höchster Not. Dann ist Feingefühl, aber auch Sachlichkeit gefragt. „Sie dürfen natürlich ihre Gefühle loswerden. Ich selbst versuche, klar zu bleiben und ihnen dadurch Angst und Unsicherheit zu nehmen“, sagt Gabriel Benz. Sie weiß, dass ein solcher erster Anruf „eine riesige Hürde“ ist. Auch Besuchern, die das erste Mal ins Hospiz kommen, tut es gut, wenn sie die Sekretärin in den stationären Bereich begleitet. „Das nimmt die Scheu“, weiß sie. Ähnliches gilt für Handwerker, die nicht selten im Haus tätig sind. „Ich versuche, in diese Ausnahmesituation Normalität reinzubringen und Hemmungen zu nehmen“, beschreibt sie ihr Handeln.

Das gilt auch für die Patienten. Sie bemüht sich, möglichst wenig über deren Krankheit zu reden. „Wir tun hier alles, um den Menschen im Hospiz ihre letzte Zeit so angenehm wie möglich zu machen.“ Dann organisiert sie mit dem Esslinger Koch Jörg Ilzhöfer schon mal ein besonderes Essen oder kümmert sich um Behördengänge für Patienten.

„Ich weiß, das sind Menschen am Ende ihres Lebens. Da setze ich mich umso mehr ein“, sagt die Mutter zweier erwachsener Kinder. Doch um diese schwierige Arbeit zu bewältigen, braucht es auch Abstand. Dabei hilft ihr, dass sie auch im evangelischen Pfarramt Altbach, in der Kirchenpflege des Evangelischen Kirchenbezirks Esslingen und auch als Sekretärin und Schriftführerin des Bundes der Selbstständigen in Plochingen arbeitet. Außerdem engagiert sich Gabriele Benz seit 2009 als CDU-Gemeinderätin in Altbach.

Am Hospiz hängt ihr Herz wegen der guten Atmosphäre ganz besonders: „Hier erfahre ich große Wertschätzung, und wir arbeiten alle auf gleicher Augenhöhe.“ Zudem könne sie dort selbstständig agieren. „Ich habe viele Aufgaben, aber auch viele Freiheiten.“ Die Arbeit im Hospiz hat auch sie selbst verändert: „Ich schätzte meine eigene Gesundheit umso mehr. Eigene Probleme relativieren sich.“Ulrike Rapp-Hirrlinger

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