Zwischen Neckar und Alb

Ein Blick hinter die Kulissen

Tag der offenen Tür im Naturtheater Grötzingen bietet einen Vorgeschmack auf die kommende Saison

Zum einen bekamen die Besucher beim Tag der offenen Tür im Naturtheater Grötzingen einmal das zu sehen, was es sonst nicht zu sehen gibt. Zum andern machten Ausschnitte aus dem Kinderstück „Herr der Diebe“ und dem Erwachsenenstück „Die Päpstin“ Appetit: Am 11. Juni beginnen die Aufführungen.

Probe zum Kinderstück „Herr der Diebe“ - Detektiv Victor (rechts) soll die beiden Waisen Prosper und Bo suchen, die sich in Vene
Probe zum Kinderstück „Herr der Diebe“ - Detektiv Victor (rechts) soll die beiden Waisen Prosper und Bo suchen, die sich in Venedig einer Bande angeschlossen haben. Foto: Peter Dietrich

Aichtal. Das ehemalige Vereinsheim ist vollgepackt: Heute ist darin der Kostümfundus untergebracht. Dicht an dicht hängen die Kostüme, die vor jeder neuen Saison, schon ab Oktober oder November, selbst genäht werden. Die Lokomotive mit dem Rasenmähermotor von Jim Knopf und Lukas, dem Lokomotivführer, wurde allerdings nicht eingelagert, sondern verkauft. Dafür lagert hinter den Kulissen der kunstvoll gezimmerte Sarg von Schneewittchen.

Das alte Vereinsheim mit dem Kostümfundus soll hergerichtet werden, wie so vieles andere, was der Verein schon hergerichtet hat. Manches „Herrichten“ war etwas heftiger, etwa, als vor ein paar Jahren der ganze Hang zu rutschen drohte. Durch die Betonbefestigungen kam das Naturtheater zu zusätzlichem Lagerraum, er wurde dringend benötigt. Im neuen Vereinsheim stecken zehn Jahre an Eigenleistungen. Geheizt wird dort mit einem modernen Bollerofen – wenn dort im Winter geprobt wird, muss ein Ehepaar viermal die Woche ran, zwei Stunden vor jeder Probe. Ab Ostern wird dann draußen geprobt, wenn nötig im dicken Mantel.

Im Vereinsheim hängt ein Porträt von Pfarrer Hans Mistele, mit dessen selbst geschriebenen Stücken die nun mehr als 60-jährige Erfolgsgeschichte des Naturtheaters Grötzingen begann. Bei den groß gedruckten Anweisungen für die Spieler hinter den Kulissen sticht ein Merksatz hervor: „Wir sind keine Profis. Doch das merkt man uns nicht an.“

Nichts anmerken lassen dürfen sich die Spieler auch wenn es regnet, erklärte Anja Scheufele bei der Führung: „Sie müssen immer so tun, als ob nichts ist.“ Der Besuch hängt natürlich vom Wetter ab, jede Saison kostet rund 100 000 Euro. „Es geht so null auf null auf“, sagte Scheufele.

Beim Tag der offenen Tür gab es von den beiden Stücken Ausschnitte zu sehen – mit Unterbrechungen, wie bei einer Probe so üblich. „Du könntest die Lupe rausziehen und dir das Foto von Prosper und Bo nochmals genau ansehen“, sagt die Regisseurin Kira Thomas zu Privatdetektiv Victor, der in dem Stück „Herr der Diebe“ die beiden geflüchteten Waisen in Venedig ausfindig machen soll. Wer vorher hinter den Kulissen war, der wusste, dass die beiden beweglichen venezianischen Gondeln auf der Bühne in Wirklichkeit nur zwei halbe Gondeln sind, das ist raffiniert gemacht.

Schlau mussten auch die Kinder sein, die sich an die Aufgaben der Spielstraße machten. Passend zum „Herr der Diebe“ galt es zuerst einmal, in nur einer Minute von einer festlich gedeckten Tafel zehn Gegenstände mitgehen zu lassen. Später waren die Kinder gefordert, schnell abzuhauen und sich gut zu verkleiden. Beim Glücksrad war Braun die beste Farbe, bei diesem Feld gab es eine Freikarte. Rot war gleich doppelt vorhanden und bot immerhin 50 Prozent Rabatt.

Was haben Kira Thomas und die Regisseurin von „Die Päpstin“, Helga Kröplin, gemeinsam? Beide sind Grötzinger Wiederholungstäter. Thomas inszenierte im Vorjahr „Pinocchio“, Kröplin im Jahr 2013 den „Besuch der alten Dame“. Den ersten Einblick in die „Päpstin“ gab es mit einer Szene aus der Domschule. Als einzige Frau muss Johanna dort im neunten Jahrhundert einiges ertragen.

Ertragen muss auch einiges, wer bei den „Württemberger Rittern“ mitkämpfen will. Das könne zwei Jahre Training bedeuten, erklärte einer der Ritter nach der ersten von zwei Gastvorführungen. Die Ritter gingen nicht nur mit Theaterschwertern aufeinander los, sondern auch mit der Axt und mit dem Morgenstern an der Kette. Dass dieser echt war, war nicht zu übersehen – vom Schild des Angegriffenen flogen die Holzsplitter nur so davon. Es folgte eine nicht minder beeindruckende Feuerschau. Danach durften die kleinen und großen Besucher die gefährlichen Waffen der Ritter aus der Nähe inspizieren.

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