Zwischen Neckar und Alb

Ein großes diakonisches Herz

Investitur Brigitte Turnacker als Pfarrerin von Erkenbrechtsweiler und Hochwang eingeführt – Schon zwei Jahre da

Brigitte Turnacker bei ihrer Investitur als Pfarrerin in der Dreifaltigkeitskirche Hochwang. Foto: Peter Dietrich
Brigitte Turnacker bei ihrer Investitur als Pfarrerin in der Dreifaltigkeitskirche Hochwang. Foto: Peter Dietrich

Lenningen. „Wann bekommen wir wieder einen neuen Pfarrer?“ Gestellt hatte diese sehnsuchtsvolle Frage vor einigen Monaten Oskar Emmenegger, erster Vorsitzender des Kirchengemeinderats der Evangelischen Kirchengemeinde Erkenbrechtsweiler-Hochwang. Leider keine Antwort wusste Dekanin Renate Kath.

Nun war Kath froh, Brigitte Turnacker in der Dreifaltigkeitskirche in Hochwang als neue Pfarrerin in ihr Amt einführen zu können. Damit sind im Evangelischen Kirchenbezirk Kirchheim alle Pfarrstellen lückenlos besetzt. Turnacker ist in Erkenbrechtsweiler und Hochwang bereits bestens bekannt, sie war seit zwei Jahren zur Dienstaushilfe dort tätig.

Trotzdem stellte sich Turnacker bei ihrer Investitur kurz vor. Ob sie alt sei? Nach der Definition ihrer Konfirmanden schon, meinte die 1960 in Kirchheim Geborene. Getauft wurde sie in der Kirchheimer Martinskirche, zur Grundschule ging sie in Schlierbach, wurde dort auch konfirmiert. Das hatte Folgen, denn in der Vorbereitungszeit entschied sich Turnacker zum Theologiestudium. Dieses hat sie in Tübingen absolviert, später studierte sie an der evangelischen Fachhochschule für Sozialwesen in Reutlingen auch noch Sozialpädagogik. Ihr Vikariat machte sie in Kirchheim, dann ging sie ins katholische Allgäu und schaute nach den versprengten Evangelischen in Haslach, Schomburg, Primisweiler und Amtzell. Zurück in die Stadt kam sie nach Esslingen-Sulzgries, danach als Dienstaushilfe im Kirchenbezirk Kirchheim herum, unter anderem nach Nabern, Jesingen und Weilheim. Sie war Pfarrerin in Jebenhausen im Kirchenbezirk Göppingen und kam dann zur Dienstaushilfe nach Erkenbrechtsweiler und Hochwang.

Der rote Faden in Turnackers Leben sind nicht nur die vielen Umzüge quer durch Württemberg. Es ist das, was Ingrid Riedl von der Diakonischen Bezirksstelle Kirchheim als „ein großes diakonisches Herz“ beschrieb. Riedl arbeite erstmals mit Turnacker zusammen, als diese als junge Theologin zum halbjährigen Praktikum in die Diakonische Bezirksstelle kam. Zehn Jahre lang war Turnacker im Aktionskreis Behinderte Kirchheim tätig, ebenfalls zehn Jahre ehrenamtlich im Arbeitskreis Diakonie und Gemeinde, ehrenamtlich gestaltete sie die Freizeit mit Menschen mit einer geistigen Behinderung und sie arbeitete im Diakonisches Werk Württemberg für die ökumenischen und sozialen Dienste.

Deshalb gefällt es ihr besonders, wie diakonisch engagiert ihre neue Gemeinde ist, von der Mitarbeit in „Unser Netz“ und bei der Vesperkirche bis zum örtlichen Verein „Aktives Helfen“, dem gemeinsamen Mittagessen in Hochwang und den Sammlungen von Kleidung und gebrauchten Briefmarken für Bethel. Die gemeinsame Arbeit im Team „Evangelisch-am-Albtrauf“ empfindet sie als befruchtend. Sie mag die Landschaft auf der Alb und steht voll hinter der Planung, in Hochwang eine „Biosphärenkirche“ einzurichten. „Ich bin gespannt, was aus dieser Kirche in zehn Jahren geworden ist.“

In Turnackers Antrittspredigt ging es um das Zusammenspiel von bäuerlichem Erfahrungswissen und Gottes Schöpferwerk. Das lag am vorgegebenen Predigttext: dem Gleichnis, in dem Jesus von der von selbst wachsenden Saat erzählt. „Es entwertet die menschliche Arbeit nicht, sondern setzt sie bereits voraus“, sagte Turnacker. Wenn der Bauer nicht aussäe, wachse nichts, doch der Bauer könne es nicht selbst wachsen lassen. Das Gleichnis spreche gegen die vollkommene Kontrolle des Lebens, der Mensch solle seine Grenzen sehen. „Wer sein Nichtwissen eingestehen kann, ist auch im Beruf erfolgreicher.“ Turnacker empfahl eine Kombination aus „Selbstbegrenzung, Grundvertrauen und Staunen“.

Wie erfolgreich Turnacker längst angekommen ist, machte beim Ständerling nach dem Gottesdienst Kirchengemeinderat Karl Schmauder deutlich: „Man kann es sich gar nicht mehr anders vorstellen.“ Einer seiner Wünsche für Turnacker war, „dass Sie andere begeistern können mit dem, was Ihr Leben erfüllt“. Peter Dietrich

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